Gorillaz - Gorillaz - Cover
Große Ansicht

Gorillaz Gorillaz


  • Label: Parlophone/EMI
  • Laufzeit: 65 Minuten
Artikel teilen:
7.5/10 Unsere Wertung Legende
5.2/10 Leserwertung Stimme ab!

Jamie Hewlett und Damon Albarn. Wenigstens letzterer sollte dem Musikkundigen von der populären BritPop-Band Blur bekannt sein. Niemand anderes steckt hinter dem aufsehenerregenden Projekt, welches da heißt: Gorillaz. Im Sommer 2001 flackert auf allen Bildschirmen ein Video von vier Comicfiguren, die sich gegen Michael-Jackson-infizierte Zombiegorillaz durchsetzen müssen. Bei diesen vier schrägen Figuren handelt es sich um den augenlosen, scheinbar emotionslosen Sänger mit blauer, verfranster Frisur namens 2-D, Bandleader, Bassist und verschriebener Satanist mit schizophrener Ader Murdoc, den von Geistern und besessenen Drummer Russel und zu guter letzt die (trotz des Zeichenstils) süße, kleine Japanerin Noodle, die selbstverständlich Karate vom Feinsten beherrscht. Klingt ziemlich nach Klischee? Aber wie und genau das wollten Albarn und Hewlett auch. Bühne frei für die coolste Band 2001.

Selten fiel es so schwer, das Genre einer Band festzulegen. Denn obwohl die Gorillaz auf ihrem Debüt lange nicht so vielseitig sind wie auf „Demon Days“, ist es doch ganz andere Musik, als die, die einem bisher vor die Füße geworden wurde. Erweckt die brillante erste Singleauskopplung „Clint Eastwood“ den Eindruck, es könnte sich um eine Rap/HipHop-Band mit Pop-Gesangseinlagen handeln, erwischt es einen eiskalt, wenn man das gesamte Album hört. „Del“, der blaue Geist aus „Clint Eastwood“, tritt nur noch ein weiteres Mal auf der LP auf.

Taufen wir das Ganze also Progressiv-Pop, dem die Arrangements von Herrn Albarn Respekt zollen. Insgesamt muss man erwähnen, dass der Blur-Sänger versucht hat, für seine Gorillaz eine eigene Welt zu erschaffen. Unsere Welt ist nichts weiter als eine fremde Galaxie für die Gorillaz, in der sie ihre Platten verscherbeln können (man sehe sich nur einmal die Homepage an). Aber genug um den heißen Brei gelabert. Was macht diese sympathische Comicband zu mehr als einem One-Hit-Wonder?

Der Opener „Re-Hash“ ist nichts Besonderes auf dieser Scheibe und doch ist der Song richtungweisend. Eingängig und ohne all zuviel Text im Gepäck, begleitet das Lied den Hörer. Hört sich nicht unbedingt berauschend an, wäre da nicht Damon Albarn alias 2-D. Seine Stimme macht unglaublich viel aus und passt sich immer perfekt ins Bild des jeweiligen Songs. Bei „5/4“ wird das noch deutlicher. Mehr lyrische Songstruktur und ein klasse Refrain, sowie die kraftvolle Gitarre, machen den Song zu einem der stärkeren auf dem Album. Letztendlich fallen aber beide Stücke aus dem Rahmen und mit dem ersten Höhepunkt (und der ersten Single, was das UK betrifft) „Tomorrow Comes Today“ offenbart sich die eigentliche Natur der Gorillaz. Schleppende Beats und viel dubbiger Sound. Gepaart mit Damons melancholischem Gesang ergibt sich dadurch einmal mehr eine bedrohte, aber doch irgendwie distanzierte Stimmung zu Gott und der Welt. Ob jetzt Geigen, eine Mundharmonika oder Bläser auftauchen, die Gorillaz stopfen immer wieder neues in ihre eingängigen Beats und machen daraus entspannte und doch faszinierende Songs.

Sicher ist dieser Stil den Albarn hier gewählt hat nicht für jedermann zugänglich, aber wer sich auf den ruhigen Dub-Sound einlässt wird nicht enttäuscht. Zu eintönig wird das Album auch nicht, da die Gorillaz dann doch beweisen wollen, dass sie auch anders können. „Punk“ ist eine 1:30 Minuten lange Hommage an den Punkrock, „Rock The House“ ein von Bläsern bestimmtes Rap-Festival und zu guter letzt ist da ein weiterer Höhepunkt des Albums mit „Latin Simone“. Feinste südländische Rhythmen und ein begeisternder Sänger (sowie auch der Bläser) setzen der Experimentierfreude die Krone auf. Mundharmonika und Beats sorgen letztendlich dafür, dass auch dieser Song dem Gorillaz-Universum nicht entkommt. Am Ende weiß auch noch das liebliche Keyboard in „Slow Country“ zu gefallen, bevor mit „M1 A1“ die LP („offiziell“) endet. Die beiden letzten Songs sind lediglich Remix-Versionen der Songs „19-2000“ und „Clint Eastwood“, wobei erstere wirklich gut gelungen ist und auf Dauer mehr Spaß als das schleppende Original macht.

Dieses dub-geladene, eingängige Album ist nun sicher nicht das Album des Jahres 2001, aber es ist ohne Frage ein gutes. Damon Albarn, ähem, natürlich den Gorillaz, gelingt es trotz ein wenig Eintönigkeit und schwächeren Songs („Double Bass“, „M1 A1“) ein überzeugendes Debüt zu schaffen. Dieses zusammenklebende Stück von Musikexperimenten wird sich bestimmt immer mal wieder in den CD-Playern des Hörers wieder finden. Irgendwas gibt es immer noch zu entdecken.

Anspieltipps:

  • Tomorrow Comes Today
  • Clint Eastwood
  • Sound Check (Gravity)
  • Latin Simone
Neue Kritiken im Genre „Pop“
9/10

Monarchie Und Alltag (Re-Release)
  • 2017    
Diskutiere über „Gorillaz“
comments powered by Disqus