Blur - Best Of - Cover
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Blur Best Of


  • Label: Parlophone/EMI
  • Laufzeit: 78 Minuten
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8.5/10 Unsere Wertung Legende
5.8/10 Leserwertung Stimme ab!

Wer Blur-Fan ist, wird sich die Scheibe aus Liebe zur Band kaufen und sich über „Music is my radar“ freuen.

Es ist im Musikgeschäft üblich, dass man nach circa zehn Jahren Bandgeschichte ein „Best Of“-Album herausbringt. Wer die Chronologie seiner Lieblingsbands (oder Solokünstler) überprüft, merkt, dass das kein Vorurteil ist. Wenn die Band es nicht selber tut, so tut es die Plattenfirma und schreckt dabei auch nicht vor verstorbenen Stars zurück. Die Jungs von Blur sind natürlich alles andere als tot und haben ihr eigenes „Best Of“-Album noch miterlebt, auch wenn es letztendlich die Idee der Plattenfirma war. Aber in diesem Fall hat dieses Album eine besondere Bedeutung, weil es einen Schlussstrich unter das bisherige Banddasein von Blur zieht.

Graham Coxon, der Gitarrist und das heimliche zweite Gehirn der Band (auch wenn Damon Albarn bekanntlich Ideen für ein Dutzend Menschen hat) verlässt die Band. Das macht den Fan im Allgemeinen traurig, aber wer den Schock überstanden hat, schätzt sein Abschiedswerk „Music is my radar“ umso mehr. Der Song ist das einzig Neue an dem Album und letztendlich für den wahren Blur-Fan der einzige Grund, die CD zu kaufen – es sei denn, man sammelt aus Nostalgie oder Gefallen am CD-Cover.

Neues Material als Bonus gibt es auf „Best Ofs“ relativ selten. Dies erklärt wohl auch Blurs negative Einstellung gegenüber diesen Alben: Sie haben schlicht keinen künstlerischen Mehrwert, obwohl natürlich die besten Songs vertreten sind. Und so ist auch eine Rezension eigentlich überflüssig, mag man meinen. Nichtsdestotrotz, für Einsteiger ist dieses Album eine nette Zusammenfassung der Blur-Bandgeschichte, aber sie täuscht auch über vieles hinweg. Die Trackliste wurde garantiert nicht von der Band zusammengestellt, denn was sich da vorfindet, sind ausnahmslos „risikolose“ Lieder. Kein rockiges „Bugman“ oder doch wenigstens noch das wunderschöne „1992“. Die wirklich interessanten Stücke der Band, die sie zu ihrem Ruf des „Anti-BritPop“ gebracht haben, sind einfach nicht vorhanden und verstecken Gründe, warum es kommerziell nicht gegen Oasis gereicht hat und warum Sänger Albarn auf eine Idee wie die Comicband „Gorillaz“ kommt.

Wer das Album kauft, wird mit den bekannten Balladen und Hymnen „Tender“, „No distance left to run“, „The universal“ und vielen anderen belohnt. BritPop mit einer guten Portion Rock findet man dann bei „Country house“, „Charmless man“ und „She’s so high“. Das Beatles angehauchte Cover lügt nicht. So dicht war BritPop seit den Pilzköpfen wohl nicht mehr auf ein Album gequetscht. Gut ist das Material auch noch und falls es droht langweilig zu werden, gibt es ja doch noch die andere Seite von Blur, die dann gerade noch so durch „Song 2“, „Parklife“ und das gute, alte „Girls & Boys“ gerettet wird.

Wer Blur-Fan ist, wird sich die Scheibe ja doch aus Liebe zur Band kaufen und sich über „Music is my radar“ freuen, welches zeigt, wie interessant und experimentell die Briten mit ganz einfachen Mitteln sein können. Der Blur-Einsteiger sei dennoch gewarnt: Was hier von Blurs musikalischem Material preisgegeben wird, ist nur die oberflächliche Zusammenfassung einer der interessantesten und innovativsten britischen Bands der letzten Jahre.

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