Finkenauer - Beste Welt - Cover
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Finkenauer Beste Welt


  • Label: Gun/SonyBMG
  • Laufzeit: 42 Minuten
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7/10 Unsere Wertung Legende
5.4/10 Leserwertung Stimme ab!

Licht dominiert den Schatten.

Dass Pascal Finkenauer mittlerweile auch den Menschen, die ausschließlich die Media-Control-Charts verfolgen, ein Begriff ist, liegt an seiner Kollaboration mit den HipHip-Heroen Fettes Brot für deren Single „An Tagen Wie Diesen“. Doch der wortgewandte Musiker mit Hang zu Genre-Sprüngen und lyrischer Gesellschaftskritik war auch Sänger der Band JAW, die mit „Creature Of The Masquerade“ und „Alec Is Amused“ zwei fabelhafte Singles und ein einziges, genau so fabelhaftes Album mit dem Titel „No Blue Peril“ herausbrachten. Danach spielte Finkenauer bei The Black Cherries und kam schließlich zurück zu seiner Solokarriere, die mit dem selbstbetitelten Debüt aus dem Jahr 2004 ein nachhaltig beeindruckendes Werk bereit hielt, dem man eine spannungsvolle, musikalische Offenheit und Texte, die kryptisch und doch wohlig zündend sind, unterstellen darf. Nach zwei Jahren, in denen Pascal Finkenauer unter anderem mit Fettes Brot Stadien füllte, ist er wieder zurück und glänzt mit einem musikalisch abwechslungsreichen Album.

„Hab Ich Dir Schon Erzählt?“ eröffnet den Reigen mit rhythmisch vertrackten Arrangements, die trotz ihrer pianolastigen Spielerei für einen eingängigen Groove sorgen, dem man getrost eine Nähe zum R´n´B nachsagen kann, obgleich der Refrain sich kraftvoll in Richtung anspruchsvoller Rockmusik bewegt, ohne laute Gitarren zu benötigen. Die als Appetizer Anfang Januar veröffentlichte Single „Manchmal Zwischen Den Gebäuden“ lässt kurz danach die Faszination wieder etwas erkalten, denn obwohl Cello (gespielt von Hagen Kuhr) und Violine (Jansen Folkers) für Wärme sorgen, ist der Refrain in seiner kindlichen Einfachheit eher eine Last, bei der sich Melodie und Text nicht vertragen wollen.

Zum Glück entledigt sich das Album dieser Last auch wieder recht schnell, so dass vor allem „Hand In Hand“ mit hintergründiger Hektik im Rhythmusgefüge durch die stakkato-artige wie auch hymnische Intonation Finkenauers zu einer wechselseitigen Wohltat wird, die vom Spiel zwischen melancholischer Eingängigkeit und sprudelnder Euphorie lebt. Auch hier tut das Piano sein übriges, um nicht nur die gehaltvollen Texte aus dem Alltag als Beobachter für einige Zeit im Hinterkopf zu bunkern, sondern auch die spannungsvolle, mal brodelnde und mal schwelgerische Musikalität (in Zusammenarbeit mit einigen Gastmusikern geformt). Leider kommt nach dem nahezu brachialen Swing in „Ich Kann Dir Nicht Widerstehen“ mit dem pathetischen „Geschrien“ eine Bauchlandung, die balladesk eine Prise zuviel des Leidens verstreut und sich im Angesicht des Albumkontextes zu weit aus dem Fenster lehnt. Im weiteren Verlauf von „Beste Welt,“ wird jedoch schnell klar, dass Licht den Schatten dominiert und mit dem zwischen verschiedenen musikalischen Grundrichtungen pendelnden „Schöne Neue Welt“ sowie der herzerweichenden, von Piano und Akustikgitarre getragenen Ballade „Scherben“ ein Resultat geformt wurde, dass überaus positiv ausfällt und ohne Quantensprünge den interessanten Weg von Pascal Finkenauer auf seinem zweiten Album weiter verfolgt.

Anspieltipps:

  • Brunnen
  • Hand In Hand
  • Ich Kann Dir Nicht Widerstehen
  • Schöne Neue Welt
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