Melotron - Propaganda - Cover
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Melotron Propaganda


  • Label: Synthetic/SPV
  • Laufzeit: 55 Minuten
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6.5/10 Unsere Wertung Legende
5.6/10 Leserwertung Stimme ab!

Seit mittlerweile 9 Jahren bestätigen Melotron ihre feste Größe im elektronischen Pop-Sektor, ohne über die so genannten Szene-Grenzen hinaus für erhöhte Windstärke zu sorgen. Dass es sich durch den diesjährigen Bundesvision Song Contest begünstigt ändert, ist auch eher unwahrscheinlich. Denn Melotron machen lupenreinen Electro-Pop, für den trotz der immer auf´s Neue erobernden Synthie-Sounds und stilvoll von Andy Krüger vorgetragenen, fast ausschließlich deutschsprachigen Texten die Wiederkehr in höhere Chartregionen derzeit in weiter Ferne erscheint. Doch das soll die Freude über den sechsten Longplayer mit dem auffällig angriffslustigen Titel „Propaganda“ im weltweit vertretenden Fanlager natürlich nicht in Ansätzen schmälern.

Deutlich bissiger als zuletzt präsentieren sich manche Texte, die mit kranken Auswüchsen der scheinbar modernen Welt abrechnen („Wenn die Brust–OP beim Essen mir den Magen verdirbt. Und mein Nachbar sich beim Scheißen auf Toilette filmt.“ aus „Gerade Heute“) und im schmalen Grad zwischen glatt gebügeltem Patriotismus und klarer politischer Ansage nicht immer punktgenau den kritischen Nerv treffen. („Ich trink auf dich, du braune Vergangenheit, auf das dir niemand mehr verfällt. Ich trink auf dich, du todkranke Gegenwart, auf das kein Arzt dich mehr verschont.“ „Vaterland, was ist aus dir geworden. Vaterland, noch gebe ich dich nicht verloren.“ aus „Vaterland“)

Musikalisch bleibt es solide, so dass wieder einmal auf tanzbare Eingängigkeit und ruhige, variantenreiche Beats gesetzt wird, die von Piano-Einsätzen genauso wie von orchestralen Streicher-Sounds verziert werden. Als erste Single und Bundesvision Song Contest-Beitrag wurde etwas unglücklich „Das Herz“ ausgewählt, obwohl der Song nicht nur für potenzielle Neu-Fans mit seinem trockenen Stakkato-Beat einige Anläufe mehr braucht, um seinen opulent ausufernden Refrain hervorstechen und somit punkten zu lassen. Als Ohrwurm prädestiniert behält „Arroganz Der Liebe“ trotz etwas störender Soundspielereien eindringliche Harmonien im Fokus und erfreut durch warmen Electro-Pop, der sich selbstbewusst den Ballast der Synthie-Hochzeit in den Achtzigern von der Seele tanzt und, wie das gesamte Album, den Durchschnitt auf ähnlich gleich bleibender Entfernung vom Leib hält, wie es die immer näher rückende Entbehrlichkeit anpeilt.

Anspieltipps:

  • Arroganz Der Liebe
  • Gerade Heute
  • Broken
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