In The Nursery - Era - Cover
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In The Nursery Era


  • Label: ITN Corporation/Cargo
  • Laufzeit: 56 Minuten
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9/10 Unsere Wertung Legende
5.4/10 Leserwertung Stimme ab!

Klangkulissen für den alltäglichen Gebrauch erschaffen In The Nursery seit bereits 25 Jahren. Anfangs noch im Industrial verwurzelt, stiegen die Zwillinge Nigel und Klive Humberstone, die sich für den kompletten Entstehungsprozess ihrer Alben verantwortlich zeichnen, im Laufe der Zeit auf träumerische und breitflächige Soundcollagen um, die mit faszinierend intensiver Leuchtkraft aus den Lautsprechern perlen. Wo Massive Attack die eine oder andere Jazz-Struktur in ihre Songs einweben, bedienen sich die zwei aus Sheffield stammenden Brüder an klassischen Instrumenten und vermengen diese zu einer einzigartigen Melange aus einfühlsamen und gefühlsbetonten Stimmungen, die den Hörer so schnell nicht los lässt.

Auch wenn der Opener „Blueprint“ noch sehr schroff mit Tribal-Drumming aufwartet, so gemächlich offenbaren sich die nachfolgenden Stücke „Futurebuild“ und „Material & form“, welche mit filigraner Eleganz sanfte Augenblicke vorm inneren Auge erschaffen lassen, denen man sich nur allzu gern hingibt. „Silent in time“ orientiert sich im Anschluss wieder mehr am Eröffnungstitel, beinhaltet jedoch eine wesentlich düsterere Stimmung. Versöhnlich gerät im Gegenzug „Tempered wings“, das mit schüchternem Klavier und einer beherzten Frauenstimme in seinen 9 Minuten für einen erneuten Ruhepol sorgt. Für die Gesangsparts haben sich die Humberstone-Zwillinge neben Dolores Marguetite auch Sara Jay Hawley ins Boot geholt, die bereits bei den vorhin erwähnten Massive Attack für dezente, schmeichlerische Akzente im Song „Dissolved girl“ (zu finden auf „Mezzanine“) sorgte.

Mit kräftigem Einsatz von Perkussionsinstrumenten geht es in „Vantage“ weiter, jedoch wird deren Spiel immer wieder durch innehaltende Zwischenspiele unterbrochen, bis die ersten Glockentöne von „Kryptka“ erklingen, die mit einer bedrohlichen Atmosphäre bestückt werden. Das zweitlängste Stück „Imperfect design“ setzt wieder vermehrt auf den Einsatz von Klaviermotiven, die sich kaskadenartig in den 7 ½ Minuten wiederholen und den Hörer nach und nach in einen zufriedenen Sinneszustand versetzen, aus dem er sich nur schwer lösen kann. Eins muss man Nigel und Klive Humberstone lassen: Nach einem Vierteljahrhundert im Musikgeschäft mit unablässigen Veröffentlichungen noch derart geniale Stücke aus dem Hut zu zaubern, ist bemerkenswert. Abgeschlossen wird „Era“ durch die zwei, in Normalspielzeit befindlichen Tracks „Dogfight“ und „Landlost“, die sich abermals durch einen spannenden Aufbau und süchtigmachende Rhythmen in das Großhirn einprägen. Unterm Strich ein zeitloses Album, das angehört werden will und muss!

Anspieltipps:

  • Blueprint
  • Material & Form
  • Tempered Wings
  • Imperfect Design
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