Knorkator - Das Nächste Album Aller Zeiten - Cover
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Knorkator Das Nächste Album Aller Zeiten


  • Label: Nuclear Blast/WEA
  • Laufzeit: 41 Minuten
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1/10 Unsere Wertung Legende
5.5/10 Leserwertung Stimme ab!

Der humoristische Gehalt einer Ballermannparty.

Die tollen Musiksupermänner namens Knorkator machen Deutschland wieder (im wahrsten Sinne des Wortes) unsicher. „Die Lieder, aus denen es besteht kein Grund zur Panik, denn wir haben Tausende davon anfertigen lassen sie sich verzaubern von diesem anmutigen und wunderschönen Tag noch“ heißt es da über den Nachfolger von „Ich hasse Musik“ (2003) und hinterlässt den ehrenwerten Rezensenten angesichts dieser satztechnischen Meisterleistung schon mal sehr verdutzt zurück. Ganz anders der Opener „Alter Mann“.

Da wird nach kurzem Instrumentengeplänkel folgende Textzeile losgeblasen: „Daniela steht auf Jonas, doch Jonas liebt Vanessa. Vanessa wär gern mit Lars zusammen, doch der findet Melanie besser. Die allerdings steht eher auf Tim, Tim wiederum findet Jennifer cool, Jennifer jedoch ist verliebt in Kevin, aber Kevin ist schwul“ und schafft es doch tatsächlich ein Bein zum Mitwippen zu bewegen. Haben die Berliner wirklich geschafft ihre Scheiße gesellschaftsfähig zu machen? Ist der eingängige Rhythmus und der geradezu harmlose Spaßinhalt dieses Tracks die Ankündigung die „meiste Band Deutschlands“ in einen harmlosen Furz zu verwandeln?

Das hinsichtlich der Musik an Rammstein erinnernde „Du bist so still“ kann im Anschluss sogar einigermaßen in Richtung gesellschaftskritisch gedeutet werden. Wenn man denn will. Doch dann singt Stumpen irgend etwas, das gut und gerne als Schilderung der etwas anderen Vereinigung zwischen Mann und Frau gedeutet werden kann, doch bei genauerer Betrachtung bzw. Beschäftigung mit dem Text wird deutlich, dass jede weitere Gehirnzermaterung wenig Sinn ergeben würde, denn allein ein Blick auf die Trackliste genügt um den vermeintlich subtilen Humor im Keim zu ersticken. Nein, mit diesem Hintergrundwissen ist „Lied vom Pferd“ plump und alles andere als Comedy auf witzigem Niveau.

Ab hier ist die Untergrenze dann erreicht und Stumpen (Gesang), Alf Ator (Gesang, Keyboard), Buzz Dee (Gitarre), Tim Buktu alias Tim Beam (Bass) und Nick Aragua alias Nick Daniels (Schlagzeug) geben sich offensichtlich keine Mühe mehr das Album in irgendeiner Art und Weise, sei es musikalisch oder textlich, in scharfzüngige Bahnen wie z.B. die der Ärzte oder ähnlich gelagerter Konsorten zu lenken. Stattdessen gibt es Sinnfragen der Marke „Nur mal angenommen ich könnte meinen Körper dermaßen verbiegen, dass mein Kopf bis in den Anus hineinpassen würde“ („Nur mal angenommen“) oder billige Ideen in effekthascherischer Untermalung dargeboten: „Wenn ich ehrlich bin habe ich den Beruf des Musikers nur gewählt weil im Fernsehen Popstars den ganzen Tag von jungen Dingern umgeben sind die an ihnen herumfingern“ („Für meine Fans“).

Das hat den humoristischen Gehalt einer Ballermannparty und wird nicht einmal den niedrigsten Ansprüchen gerecht. Vom schwachsinnigen „GV“, das ausgeschrieben Geschlechtsverkehr bedeutet und mit tiefen Reimen á la Seide/Scheide geizt, wollen wir gar nicht erst reden. „Das nächste Album aller Zeiten“ ist hässlich, simpel und einfach gestrickt (man höre sich nur mal das Instrumental „Symphonische Dichtung“ an), was die musikalische Seite betrifft, und auf der Textebene geschieht außer plumpen Fäkal- und sonstigem unterstem Humor ebenfalls nichts. Da bleibt man ohne mit der Wimper zu zucken bei der „besten Band der Welt“, statt auch nur einen Blick zur „meisten Band Deutschlands“ zu werfen.

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