The Fratellis - Costello Music - Cover
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The Fratellis Costello Music


  • Label: Island/UNIVERSAL
  • Laufzeit: 44 Minuten
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8/10 Unsere Wertung Legende
5.6/10 Leserwertung Stimme ab!

„Bitte nur Leute melden, die nach der Weltherrschaft streben!“ So oder ähnlich soll Schlagzeuger Mince seine Anzeige formuliert haben, mit welcher er im Frühjahr 2005 in einem Schalplattenladen in Glasgow Gleichgesinnte suchte, um die Musikwelt zu erobern. Ob Frontmann Jon Fratelli bereits damals größenwahnsinnig war, oder ob seine heutige Selbstherrlichkeit bereits als erste Folgeerscheinung plötzlichen Ruhmes angesehen werden darf, bleibt ungeklärt. Fest steht hingegen, dass die beiden, ergänzt durch Bassist und Namensgeber Barry Fratelli, nicht einmal zwei Jahre später bereits Großbritannien eingenommen haben, wo ihr Album „Costello Music“ direkt auf dem zweiten Platz einstieg.

„Wir klauen überall und bauen die Versatzstücke wieder neu zusammen“, gibt Jon großzügig das Erfolgsgeheimnis der Schotten preis. Nicht wirklich geheimnisvoll allerdings, denn eben so versucht bisher ja wirklich jede noch so abseitige Schülerband berühmt zu werden. Die Fratellis glänzen weder durch instrumentale Virtuosität noch durch auffallend intelligente Lyrics (da hilft auch der Hinweis nicht, dass die Jungs Allen Ginsberg toll finden!). Was also bestimmt die Drei zum vermeintlichen „Next big thing“? Bereits nach den ersten 10 Sekunden von „Costello Music“ möchte man laut „Haltet den Dieb!“ rufen, doch „Henrietta“ geht sehr plötzlich unerwartet eigene Wege. Ska-Elemente verbrüdern sich mit Blues, Madness musizieren einträchtig mit T. Rex und den Kinks. „Flathead“ hält das Niveau, überraschende Tempowechsel und einen amtlichem Mitgrölrefrain inklusive.

Akustisch und emotional wird’s in „Whistle for the Choir“, diesen Titel hätten Slade kaum besser verkaufen können. Luft holen, ausruhen, bevor uns mit „Chelsea Dagger“ unverhohlene Clash-Reminiszenzen um die Ohren fliegen. Doh-Doh-Doh-Doh-Doh-Doh funktioniert hier wie selbstverständlich als tragende Textzeile. Etwas gitarrenlastiger gerät die zweite Hälfte des Debüts, doch selbst einen erstklassigen Country-Song („Vince, the loveable Stoner“) bringen die Jungs ohne Homogenitätsverlust unter. In „Cuntry Boys & City Girls“ bricht es zum Abschluss endgültig unkontrolliert über den Hörer herein, der Song packt bei den Eiern und dürfte auf Konzerten zu zahlreichen Arm- und Beinbrüchen in der Pogo-Fraktion führen. Und als wären dies nicht bereits ausreichende Argumente für die Übernahme der Weltherrschaft, gebären die Brüder (das bedeutet „Fratellis“ nämlich auf Italienisch) auch noch – kugelrund und gesund – das euphorisch-hymnische „Baby Fratelli“ in die Familie.

Mit solchem Nachwuchs muss sich eigentlich niemand Gedanken über die Zukunft machen, doch Strokes & Stripes haben bereits bewiesen, dass aller Anfang leicht ist und ein brillantes Debüt erst einmal bestätigt werden muss, um Ansprüche auf einen Eintrag in die Musikgeschichte stellen zu dürfen. Für den Moment jedoch lässt sich die folgende Empfehlung Jon Fratellis bedenkenlos unterschreiben: „Ich würde mir unser Album definitiv kaufen, wenn ich es nicht schon hätte!“

Anspieltipps:

  • Baby Fratelli
  • Whistle For The Choir
  • Chelsea Dagger
  • Cuntry Boys & City Girls
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