Brand New - The Devil And God Are Raging Inside Me - Cover
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Brand New The Devil And God Are Raging Inside Me


  • Label: Interscope/UNIVERSAL
  • Laufzeit: 55 Minuten
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9/10 Unsere Wertung Legende
5.9/10 Leserwertung Stimme ab!

Es ist dermaßen dunkel, dass man nicht einmal die eigene Hand vor Augen sieht. Angst, Verzweiflung und unbändige Wut steigen empor und man fragt sich, wie man in eine solch ausweglos scheinende Situation geraten ist? Plötzlich scheint man einen Lichtstrahl wahrzunehmen, der sich seinen Weg aus einem entlegenen Winkel des Raumes durch die Dunkelheit bahnt. Neuen Mut fassend sammelt man die letzten Energien und versucht sich der scheinbar erlösenden Lichtquelle zu nähern. Doch so schnell er auftauchte, so rasch erlischt der Schein auch wieder, und man sitzt abermals verloren und allein in diesem leeren, beklemmenden und rätselhaften Raum.

So oder ähnlich könnte man die Stimmung auf dem zugleich beängstigenden, wie auch euphorischen „The Devil and God Are Raging Inside Me“ der aus Merrick, New York stammenden Brand New in Worte fassen. Der Titel dieser Platte, inspiriert durch einen Dialog mit einem an Schizophrenie erkrankten Freundes der Band, bringt die knapp 55 Minuten dauernde musikalische Berg und Talfahrt zwischen „Himmel“ und „Hölle“ präzise auf den Punkt. Regelmäßige Wechsel zwischen Ruhe und Lärm, Wut und Freude, Anspannung und Erlösung charakterisieren dieses so fesselnde Album. Mit dem musikalischen Stil der beiden vorherigen Veröffentlichungen der Band „Your Favourite Weapon“ und „Deja Entendu“ hat dieses so gut wie gar nichts mehr gemeinsam. Weit entfernt vom Poppunk, Emorock und den Screamoanleihen vergangener Tage, haben Brand New ihren wahren Weg gefunden.

„Sowing Season“ scheint zunächst wie die erhoffte Rettung aus einer dunklen Ungewissheit. Doch den ruhigen Passagen folgen immer wieder wütende, explosionsartige Ausbrüche von Gitarren, Bass und Drums. Aber diese ständig wiederkehrende Aufgewühltheit scheint bereits in „Millstone“ wieder abzuschwächen. Auch die im Anschluss auf „Jesus“ behutsam angeschlagene Akustikgitarre bremst die aufbrausenden Emotionen erneut und es scheint als würde „God“ so langsam die Oberhand gewinnen. Etwas ruhiger, melodiöser vorgetragen und eingängiger als seine Vorgänger, ist dieser Song aber nur eine kurze Zwischenetappe auf dem Weg zu einem weiteren teuflisch anmutenden und orkanartigen Ausbruch. Der Kinderchor In „Degausser“ wirkt zwar zunächst sehr beruhigend, aber zur gleichen Zeit baut sich eine bedrohliche Klangwand auf, die schließlich im mehrstimmigen Backgroundgesang des Refrains in sich zusammenbricht, und einen im wahrsten Sinne vom Hocker fegt.

In dem darauf folgenden Achtminüter „Limousine“, mit seinen verschachtelten Gitarrenparts und seinem episch angehauchten Soundgewand, stets zwischen Rage und Intimität hin und her schwankend und dem mit Streichern begleiteten „You Won’t Know“, wird die ständige Zerrissenheit dieser Platte aufs Neue offenbart. Leise Töne erklingen, um in der nächsten Sekunde schon wieder in Grund und Boden gespielt zu werden. Das Instrumental „Welcome To Bangkok“ läutet dann einen neuen Abschnitt auf „The Devil And God Are Raging Inside Me“ ein. Mit „Not The Sun“ und „Luca“ kehrt eine rockige Beständigkeit ein, die im Gegensatz zu den Gefühlswirren der ersten Albumhälfte steht.

Die Lieder erklingen jetzt auf bestimmte Art und Weise selbstbewusster, fordernder und gelassener. Die Stimmungsschwankungen der vorherigen Songs, bestechend interpretiert von Leadsänger und Ex-Taking Back Sunday Mitglied Jesse Lacey, verschwinden zusehend. „Untitled“ wie auch dass mit eingängigem Refrain versehene, berauschende „The Archers Bows Have Broken“ sind zwar genauso energiegeladen und überzeugen durch treibenden Rhythmen, jedoch ist das Gefühl der Verlorenheit einer trotzigen positiveren Einstellung gewichen. Mit dem durch Cellos unterstützten „Handcuffs“ beschließen Brand New ihr kleines Meisterwerk, mit dem sie ihr neues Gesicht eindrucksvoll in unser Ohr und Hirn eingebrannt haben.

The „Devil And God Are Raging Inside Me“ ist ein wegweisendes Rock Album abseits von Mainstream und der Anpassung an übliche Rock Muster. An dieser Scheibe werden sich alle künftigen und auch selbsternannten Rockheroen messen müssen. Wahrscheinlich nicht an den Verkaufszahlen, aber mit Sicherheit an der Qualität dieser hier so brillant aufspielenden Band.

Anspieltipps:

  • Sowing Season
  • Degausser
  • Limousine
  • You Won't Know
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