Virginia Jetzt! - Land Unter - Cover
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Virginia Jetzt! Land Unter


  • Label: Vertigo/UNIVERSAL
  • Laufzeit: 43 Minuten
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7.5/10 Unsere Wertung Legende
7.1/10 Leserwertung Stimme ab!

Virginia Jetzt! aus Brandenburg gelten seit ihrem Albumdebüt „Wer Hat Angst Vor Virginia Jetzt!“ (2003) als Sunnyboys der wuscheligen wie anschmiegsamen Gitarrenpop-Fraktion aus deutschen Landen. Weniger Kopf, mehr Herz – das spürte man bereits auf der EP „Pophymnen“ in 2000 und unterschied sie von den allzu verkopften Vertretern aus der so genannten Hamburger Schule. Kitsch-Vorwürfe nahmen die Jungs gelassen zur Kenntnis und formten mit zunehmendem Erfolg Wohlfühl-Pop der naiveren Sorte, was auch noch das Zweitwerk „Anfänger“ bewies. Doch dunkle Wolken zogen auf, als die EP „Bitte Bleib Nicht, Wenn Du Gehst“ im Sommer 2006 auf einmal zweifelnde Texte und rauere Arrangements parat hielt. Das ewige Verliebtsein und durch den sonnendurchfluteten Garten springen, ist vorbei, um sich ganz dem wahren Leben zu öffnen und negative Emotionen endlich auch in dem einst reibungslosen Kontext des Quartetts zu verarbeiten.

Wie immer zeichnet sich Gitarrist Thomas Dörschel auch auf „Land Unter“ für Musik sowie Text verantwortlich und überzeugt neben kraftvollem Power-Pop auch mit schwebenden Arrangements voller musikalischer Weite und menschlichen Zerwürfnissen in den Lyrics. Aufgenommen in Hamburg und Berlin erfreuen Thomas Dörschel, Nino Skrotzki, Mathias Hielscher und Angelo Gräbs mit vollmundigen Streicher-Einsätzen und ausgefeilten Songstrukturen, die zum Beispiel im rockigeren Gewand eines „Bitte Bleib Nicht, Wenn Du Gehst“ gehörig Druck erzeugen und sich bei „Die Teile Deines Lebens“ in knapp sieben Minuten filigran lodernd von dieser Welt verabschieden.

Es fällt deutlich auf, dass sich Virginia Jetzt! immer mehr finden und selbstbewusst ihre Stärken in 43 Minuten unterbringen, wobei das triumphierende Piano nicht nur bei „Singen und Singen“ für euphorische Momente seitens des Konsumenten sorgt und trotz einer erhöhten Frequenz von orchestral anschmiegenden Parts nie der Verdacht einer Überzuckerung aufkommt. Dass in Form von „Mehr Als Das“ und „Weit Weg“ auch mittelmäßiger Gute Laune-Pop vertreten ist, stört den Gesamteindruck nur unwesentlich. Dafür ist man viel zu sehr gefangen in diesen scharfsinnigen Arrangements, deren Instrumentierung so manchen Sonnenaufgang am Stück vor dem inneren Auge befielt und textlich von Wehmut in wunderbar einfachen Bildern erzählt: „Mein bester Freund ist in Australien, da scheint immerzu die Sonne. Doch im Herzen, das schreibt er nicht, ist er einsam so wie ich. Auch ich wär jetzt gern woanders, eine Insel mit zwei Bergen, ein Ort, wo traurig sein erlaubt ist. Irgendwo, aber bloß nicht hier.“ („Ich Kann Nicht Wie Die Anderen“).

Anspieltipps:

  • Bitte Bleib Nicht, Wenn Du Gehst
  • Von Einer Besseren Welt
  • Die Teile Deines Lebens
  • Mein Herz Ist Keine Wohnung
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