Jesse Malin - Glitter In The Gutter - Cover
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Jesse Malin Glitter In The Gutter


  • Label: One Little Indian
  • Laufzeit: 46 Minuten
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8.5/10 Unsere Wertung Legende
5.4/10 Leserwertung Stimme ab!

Wer zwei herausragende Alben in Folge abliefert, aber bei den Verkaufszahlen immer noch in der zweiten Liga herumkrebst, der muss irgendwas unternehmen, um in der öffentlichen Wahrnehmung zukünftig eine andere Rolle zu spielen. Vielleicht ist das Grund dafür, dass auf Jesse Malins drittem Album, „Glitter In The Gutter“, ein paar ganz heiße Namen in die Runde geschmissen werden. So tobt sich auf der Platte natürlich wieder Jesses alter Kumpel Ryan Adams (The Cardinals) aus. Dazu holte sich der New Yorker noch diverse Prominente wie den Wüstenrocker Josh Homme (Queens Of The Stone Age), Gitarrist Chris Shiflett (Foo Fighters), Jakob Dylan (The Wallflowers) und einen gänzlich unbekannten Nachwuchsmusiker namens Bruce Springsteen ins Studio.

Wenn das nicht reicht, um in der Presse erwähnt zu werden, dann ist alles zu spät. Und nur darum geht es. Denn die 13 Stücke auf „Glitter In The Gutter“ sprechen erneut für sich und stellen ein unbestechliches Zeugnis von Jesse Malin Können als Songschreiber dar, der auf dem Americana- und Mainstream-Highway eine starke Melodie nach der anderen aus dem Ärmel schüttelt, als wolle er sagen: „Radiosender dieser Welt, hier bin ich, spielt meine Songs!“

Wie es sich für die Dramaturgie eines Albums gehört, startet „Glitter In The Gutter“ gleich mit zwei stürmischen Tracks, die sich sofort ins Gehör bohren. Und nicht nur das. Hooklines wie in „Don’t let them take you down (Beautiful day!)“ und „In the modern world“ sind einfach zum niederknien und verbreiten positive Energie und gute Laune im Übermaß, wie es nur Rocksongs und Auswärtssiege in der 94. Spielminute können. Damit der geneigte Hörer aber nicht schon im ersten Drittel des Albums vor Freude durchdreht, nehmen Jesse Malin und „Der Boss“ in der Ballade „Broken radio“ das Tempo raus und geben in Erinnerungen schwelgende Rocker („I was thinking about the universe. For what it’s worth. Or the one about the Phoenix bird that died and then returned”).

Danach wird wieder hochgeschaltet und auf den Rock’n’Roll-Freeway abgebogen. Befeuert von Chris Shifletts schneidigen Riffs drückt Jesse mächtig auf die Tube und lässt mit „Prisoners of paradise“ sämtliche Vipers und Mustangs stehen. Zusammen mit Jakob Dylan wird die stampfende Hymne „Black haired girl“ aus der Hüfte geschossen und gemeinschaftlich im breitesten Akzent auf den Silben herumgekaut. Anschließend erhält Alt.-Country-Kollegin Lucinda Williams eine stilvolle Huldigung („Lucinda“), wird ein stimmiges Replacements-Cover angestimmt („Bastards of young“) und balgen sich die Titel „Happy ever after“ und „Love streams“ um die beste Melodie des noch jungen Jahres. Zum Schluss serviert Jesse Malin noch ein Gänsehautballade („Bastards of young“) und nimmt uns mit in die „NY nights“, wo wir noch Tage später mit den Folgen des Ausflugs zu kämpfen haben („Aftermath“).

Folgen hat auch dieses Album. Denn Jesse Malin macht das Tripple komplett und legt wiederum ein kleines Meisterwerk vor. Unmittelbare Auswirkungen sind süchtigmachende Melodien und ein Blick auf den Veranstaltungskalender, um herauszufinden, wo man diesen Mann live sehen kann. Und dann ist da noch der Wunsch, dass endlich ein paar Menschen mehr die Alben von Jesse Malin kaufen. Schließlich lebt der Bursche von seiner Musik. Und wir irgendwie auch.

Anspieltipps:

  • Love streams
  • Happy ever after
  • Black haired girl
  • In the modern world
  • Prisoners of paradise
  • Don’t let them take you down
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