Liquido - Liquido - Cover
Große Ansicht

Liquido Liquido


  • Label: Virgin/EMI
  • Laufzeit: 44 Minuten
Artikel teilen:
6/10 Unsere Wertung Legende
5.1/10 Leserwertung Stimme ab!

Wer hat im Winter 1998 nicht diesen Ohrwurm gehabt? Welchen? Na diesen einen! Und es war nicht „Last Christmas“! Dieser Ohrwurm sollte doch tatsächlich aus Deutschland kommen. Ist ja was ganz neues, dass wir so was können. Zumindest in ganz Europa und darüber hinaus bekannt. Wie hieß das Lied jetzt noch mal? Dieses Keyboard, dass einem nicht mehr aus dem Kopf geht. „Narcotic“, so der Titel, ist eine Droge! Still und heimlich wurschtelte sich die Newcomerband „Liquido“ damit bis auf Platz drei der Charts und in vielen anderen Ländern sah es ganz ähnlich aus. Aber wer sind diese Jungs, die sich da Liquido nennen und aus Heidelberg kommen?

An der Zahl sind es vier und sie wollen für deutschen (englischsprachigen), guten Rock stehen. Tim Eiermann (Gesang, Gitarre), Wolle Maier (Drums), Stephan Schulte (Bass) und Wolfgang Schrödl (Keyboard, Gesang) bilden die Chartstürmer. Mit den genannten Erfolgen der Vorab-Single „Narcotic“ war auf ein Album natürlich nicht lange zu warten (wobei der große Hit schon lange vor dem Album existierte). Synthesizer, flexibler Gesang und viel Gitarre. Der Trend dieser Art von Rock wurde im Veröffentlichungsjahr von den Chilischoten ja noch gestärkt, womit alle Zeichen auf kommerziellen Erfolg gestellt waren.

Musikalisch präsentiert sich der Erstling der Heidelberger sehr solide. Vom ersten Lied an ist klar, dass diese Musik jedem bekömmlich ist. Mal ein lauterer Gitarrenriff und das sehr dominante Keyboard ändern nichts am Hauptstil von Eiermann & Band. Das ist Pop-Rock wie er im Lehrbuch steht. „I Won’t Try“ hat zum Beispiel Ansätze um etwas Härteres zu sein, doch der weiche Gesang von Tim zerstört diesen Gedanken. Das ist nicht schlecht, unterstreicht aber das Pop-Rock-Argument. Um noch mal auf das Lehrbuch zurückzukommen. Dieses könnte auch ein wenig Schuld daran haben, dass Liquido doch ein wenig zu schematisch an die Sache herangehen. „Swing It“, „Clicklesley“ sowie auch „What You Keep Inside“ müssen sich die Frage stellen lassen, wo denn der Unterschied im Aufbau der Stücke ist. Leiser Anfang, jeweils mit Keyboard-Synthesizer-Anklang, bis sich die gesamte Band einschalten darf und Rock in die Sache kommt. Das ist dann leider doch ein wenig eintönig, wenngleich die Lieder immer noch gut in den Ohren liegen und keine schlechte Qualität vorweisen. Hat die Band etwa übereilt gehandelt und einfach nur zehn Songs aufgenommen, die sie dann wohl proportioniert um den Hit „Narcotic“ gestellt wurden?

So hart sollte man nicht mit Liquido ins Gericht fallen. Sie sind gewiss keine sehr innovative Band, aber das was sie machen, machen sie mit Sinn und Verstand (wenn auch ein wenig zu sehr Einbahnstraße). Nicht zuletzt gibt es auch Songs die „anders“ sind und das Album ebenfalls als Stützen tragen können. Das für Liquidoverhältnisse recht rockige „Doubledecker“ sowie das gefühlvolle „Wake Me Up“ sind Songs, die mindestens oberes Mittelfeld in der Pop-Rock-Liga spielen. „I’ll have It All Today“ sowie auch „Ticket To Anywhere“ können wenigstens mit einem melodiösen Spannungsbogen überzeugen. „Saturday Rocks“ ist dann eher ein durchwachsener Abschluss. Hier soll wohl einigen Bands gehuldigt werden, was aber nicht wirklich gelingt.

Alles in Allem ist dieses Debüt bestimmt nicht der Große Wurf, aber dennoch hat Liquido gezeigt, dass wir Deutsche nicht nur Ohrwürmer mit Posaunen und Mitklatschen gestalten können. Mal sehen was als nächstes kommt aus Heidelberg.

Anspieltipps:

  • Doubledecker
  • Wake Me Up
  • Narcotic
  • Ticket To Anywhere
Neue Kritiken im Genre „Pop/Rock“
Diskutiere über „Liquido“
comments powered by Disqus