Liquido - Alarm! Alarm! - Cover
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Liquido Alarm! Alarm!


  • Label: Virgin/EMI
  • Laufzeit: 54 Minuten
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4/10 Unsere Wertung Legende
5.1/10 Leserwertung Stimme ab!

Das dritte Album der Band, die den Ohrwurm „Narcotic“ schrieb, ist draußen! Könnte man diesem Satz ablesen, dass die Erwartungen an diese Band nicht all zu groß sind? Könnte es gar sein, dass Liquido bereits in einer Schublade gelandet sind? Das gilt es zu klären. Viele dürften jedenfalls überrascht sein, wenn sie hören, dass „Alarm! Alarm!“ bereits das dritte Liquido-Album ist. Falsches Marketing oder einfach nur ein missglückter Releasetermin, das ist völlig gleich. Wer in einer „Pringles“-Werbung das erste Mal seit Jahren wieder an die Öffentlichkeit kommt, kann nicht all zu viel Erfolg gehabt haben. Das klingt alles hart und selbstverliebt, aber leider machen die Heidelberger gleich mit der Debütsingle „Stay with me“ klar: Alarm! Alarm! Wir schaffen es nicht, die Schublade zu verlassen.

Es rumort sowieso zwischen Plattenfirma und Band. Die Künstler wollen endlich zeigen, dass sie eigentlich viel härtere Musik machen können. Das Label ist mit dem gefundenen Stil dagegen recht zufrieden. Wer will auch Denkmäler bauen, wenn sich Obst und Gemüse genauso gut verkaufen. Komischer Vergleich, aber von einem gewissen Anspruch darf der Konsument sehr wohl ausgehen. Gitarrenrock, der dem Ohr schmeichelt und ein paar nette Balladen kann jede Band schreiben. Es geht darum, das gewisse etwas in die Songs zu bringen und das gelingt den Jungs aus Heidelberg nicht so recht.

Der Opener lässt den treuen Fan sogar noch hoffen, denn „7““ ist nach dem beliebten Liquidostrickmuster gestrickt. Ein Lied, das sich mit Schrödls weicher Stimme in die Gehörgänge des Hörers schmeichelt, um am Ende von einem Crescendo zerfressen zu werden. Das ist solide, das ist nicht falsch, nur ist das leider auch nichts Neues. Die Vorab-Single gesellt sich mit ihrem Synthierock zu wenig abwechslungsreichen Songs wie „Why are you leaving?“ und „Not again“. Jedes Stück schmeichelt dem Fan, aber es fesselt nicht mal diesen. Es gibt nicht viel an den Songs zu entdecken und das ist wirklich schade, wenn man bedenkt, dass das Debüt der Band damals gar nicht so schlecht war.

Härter wollten Liquido natürlich auch klingen. Es gibt viele härtere Riffs, unter denen der ein oder andere durchaus Potenzial hat, doch die Gesamtumsetzung ist leider nicht sehr gelungen. Wenn man bei einem Song („All dead wrong“) ruhigen Gesang mit härterem Stoff paart, ist das ja mal eine nette Idee (wenn auch wieder nicht gerade neu), aber wenn sich das dann wieder bei mehreren Nummern wiederholt, steht man als Hörer etwas angesäuert vor der Anlage, in dem Wissen, dass zwei Drittel der LP nach demselben Muster gestrickt sind.

Was rettet dieses Album noch vor der totalen Katastrophe? Liquido zeigen (wenn man auf den Aufbau der CD guckt, vielleicht sogar unbewusst), dass doch noch irgendwas geht. „Shoot me I’m a fool“ ist ein vielleicht ein wenig überzogener Popsong mit Geigen und Co., aber man hört sich diesen Song doch gerne an. Die Stimme von Sänger Schrödl eignet sich nun einmal für diese ruhige Art mehr, als für Rockfetzer. Die Pop-Nummern sind allesamt keine Meisterwerke, aber sie gehen dem Hörer doch ein wenig mehr ins Ohr. Bei What’s next“, zeigt sich auch noch, dass der hier bevorzugte Sänger auch durchaus Gefühl in seine Stimme bringen kann und der letzte Track „Take off, go far“ läuft immerhin unter dem Motto „Viel Aufwand, große Kulisse“. Es fehlt an der letzten großen Idee. Wie war das mit Innovation?

Anspieltipps:

  • Stay With Me
  • Shoot Me I’m A Fool
  • What’s Next?
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