The Used - Berth - Cover
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The Used Berth


  • Label: Reprise/WEA
  • Laufzeit: 183 Minuten
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6/10 Unsere Wertung Legende
5.4/10 Leserwertung Stimme ab!

Wer sich beim gegenseitigen Popel aus der Nase essen filmen lässt, bekommt nach der guten halben Stunde namens „Berth“ auf jeden Fall wieder einen Punkt dazu.

War der CD/DVD-Output „Maybe memories“ (Juli/2003) die Draufgabe zum Debüt „The Used“ (März/2003), so ist die neueste Veröffentlichung „Berth“, die sich ebenfalls aus einer Live-CD und einer kunterbunten DVD zusammensetzt, nicht etwa der Begleiter für das zweite Werk „In love and death“ (Januar/2005) geworden, sondern versucht sich als Anheizer für das bald erscheinende, noch unbetitelte dritte Album der Hardcore Rocker aus Orem, Utah. Nichtsdestotrotz setzt „Berth“ dort an, wo „Maybe memories“ aufgehört hat und bietet einen Einblick in die Geschehnisse rund um die Entstehung der zweiten Platte und abgesehen vom Live-Konzert, das in Vancouver, Kanada aufgezeichnet wurde, etliche andere abgedrehte Banalitäten.

Das fängt schon beim ersten, schlicht „Berth“ betitelten Programmpunkt der DVD an, der sich leider entgegen der heutigen Standards lediglich in PCM Stereo präsentiert anstatt druckvoll mit 5.1-Sound aus der heimischen Anlage zu schmettern, womit sogleich der erste und größte Kritikpunkt geklärt wäre, denn in welcher Qualität sich der eine oder andere Videoschnipsel präsentiert, ist wirklich erbärmlich. Daher auch gleich ein Verbraucherhinweis: Wenn die Boxen bei der etwa einminütigen Einspielung von Linkin Park, die The Used auf einer der Touren als Vorband begleiteten, krachen und sich alles andere als hörbar gebärden, so liegt das weder am Abspielgerät noch an den Lautsprechern selber. Scott Levitin von den Warner Studios hat bei seiner Abmischung der kleinen Tourdoku anscheinend einfach nur vergessen, die ekelhafte Tonqualität ein wenig zu kaschieren.

Aber sei´s drum. Wer sich beim gegenseitigen Popel aus der Nase essen filmen lässt oder solch herrlich abgedrehte und amüsante Studioarbeiten wie zu „In love and death“ veröffentlicht, bekommt nach der guten halben Stunde namens „Berth“ auf jeden Fall wieder einen Punkt dazu. Oder hat man jemals sonst von einem Sänger ein gefühlvolleres Ständchen in der Aufnahmekabine zu Gesicht bekommen, in der er sich die Brustwarzen durchs T-Shirt reibt und dabei folgende Zeilen von sich gibt: „It´s right here in my nipples, every second I feel it“? Eben! Bert McCracken ist halt ein aufgeweckter Kerl und das auch dem Rest der Truppe der Job als Musiker nicht zum Hals heraushängt, merkt man in jeder Sekunde (“I love touring so much. There´s nothing better than that. I do it everyday ´til I die and be happy”) - selbst beim mühseligen Interviewmarathon in Tokio, den die Band bei unzähligen Radio- und Fernsehsendern absolviert hat.

Hinter „Rock“ verbirgt sich auf dem Silberling dann die Aufzeichnung aus dem PNE Forum in Vanouver, Kanada, wo der Vierer am 25. September 2005 Halt machte und die Bude zum Kochen brachte. Im Gegensatz zur beigelegten CD ist die Setlist hier jedoch, abgesehen vom „Intro“, das die Bühnenaufbauarbeiten und das Hereinströmen der Fans im Zeitraffer zeigt, um die Tracks „A box full of sharp objects“ und „On my own“ erweitert worden. Trotzdem dauert der Auftritt nur etwas über eine Stunde, was letzten Endes doch ein wenig mager ist. Die CD bringt es sogar nur auf 36 Minuten und ein paar Zerquetschte. Das haben My Chemical Romance auf „Life on the murder scene“ (März/2006) zwar auch nicht besser hinbekommen, dort gab es dafür aber eine zweite DVD. Wenigstens präsentiert sich Sänger Bert in zerfetztem Shirt als geborene Rampensau, die stimmlich z.B. im eingebauten Refused-Cover „New noise“ („Maybe memories“) ordentlich auf die Glocke haut. Der Sound hat es hier jedoch gelegentlich versäumt nach einem Live-Auftritt zu klingen, wodurch sich das richtige Feeling trotz unterschiedlichster Kameraperspektiven, von denen die Aufnahmen aus der (grob geschätzt) letzten Reihe allerdings wenig bis gar keinen Sinn machen, nicht wirklich einstellen will.

Als Abschluss gibt es noch den Programmpunkt „Junk“, der die Videos zu „Take it away“, „All that i´ve got“ und „I caught fire“ beherbergt und die Band dabei zeigt, wie sie von Fans gestellte Fragen beantwortet (inoffiziell heißt dieser Teil „Answering your fucking questions“). Das ist eine durchaus nette Idee, allerdings nicht unbedingt neu. Durch dieses Sammelsurium gerät „Berth“ zu einem sowohl witzigen als auch total durchgeknallten Beitrag, bevor das neue Werk die Läden entert.

Anspieltipps:

  • I´m A Fake
  • Take It Away
  • Maybe Memories
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