Threshold - Dead Reckoning - Cover
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Threshold Dead Reckoning


  • Label: Nuclear Blast/WEA
  • Laufzeit: 58 Minuten
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8.5/10 Unsere Wertung Legende
5.6/10 Leserwertung Stimme ab!

Ein einmal mehr hervorragendes Album. Immer schön, wenn man sich auf jemanden verlassen kann.

Immer schön, wenn man sich auf jemanden verlassen kann. Regelmäßig wiederkehrende Ereignisse können natürlich negativer Natur sein. So kommt der nächste Katastrophenbericht zur bevorstehenden Klimaapokalypse genauso sicher wie ein neuer „Superstar“ einschlägiger Castingshows, der mit ebenso großer Sicherheit nach einer Weile in Vergessenheit geraten und sein pseudosemiprominentes Dasein im Unterschichtenfernsehen zu erhalten versuchen wird. Es gibt aber auch Zuverlässigkeiten, die man voller Vorfreude erwarten kann. Zum Beispiel ein erneutes Meisterwerk der Gerade-noch-so-Prog-Metal-Gruppe Threshold, die seit Anbeginn ihrer Zeitrechnung ein Geniestreich nach dem anderen veröffentlicht. Ob „Hypothetical“ (2001), „Critical Mass“ (2002) oder „Subsurface“ (2004). Die Kritiker überschlagen sich; der Titel „Album des Monats“ ist für ein neues Threshold-Ablum in den einschlägigen Fachzeitschriften lange im Voraus gebucht. Selbstverständlich verhält es sich auch mit dem neuesten Werk namens „Dead Reckoning“ so.

Diese Band kann einfach kein schlechtes Album veröffentlichen. Im Laufe der Zeit hat sie ihren unverwechselbaren Stil derart gefestigt und perfektioniert, dass die Alben zwar alle im Wesentlichen gleich klingen, aber eben gleich gut. Und so wundert es nicht, dass man Änderungen im Soundgewand auf „Dead Reckoning“ mit der Lupe suchen muss. Dezent eingesetzte Crowls eines gewissen Dan Swanö in zwei der neun bzw. zehn Songs sind für Threshold-Verhältnisse geradezu revolutionär. Ansonsten: alles wie man es kennt, alles wie man es mag. Die Harmonien und Melodien sind einmal mehr von solch verflixter Ohrwurmartigkeit, dass man sich zwangsläufig fragt, warum darauf nicht längst jemand anderes gekommen ist. Vielleicht gingen es Ihnen auch schon einmal so, lieber Leser, dass Sie eine Melodie vor sich hinsummten und sich plötzlich darüber klar wurden, wie simpel aber effektiv diese Melodie ist und sich insgeheim ärgerten, nicht selbst darauf gekommen zu sein und sich eine goldene Nase verdient zu haben. Solche Erlebnisse hat man beim Hören eines Threshold-Albums ständig. Nun handelt es sich bei den auf „Dead Reckoning“ vertretenen Songs natürlich mitnichten um Kinderlieder, aber es ist schon immer wieder erstaunlich, wie einfach es offensichtlich sein kann, Musik zu schreiben, die man für alle Ewigkeit im Kopf behält.

Die einzige Frage, die sich im Vorfeld stellte, war, ob es Threshold gelingt, die bisherige Krönung ihres Schaffens, nämlich den 2004er-Output „Subsurface“, zu übertreffen. Diese Frage muss man eher verneinen, da die ganz, ganz großen Momente, die ein ohnehin schon überragendes Album zum Meilensteinstatus verhelfen, auf „Dead Reckoning“ rarer gesät, jedoch immer noch zu Genüge vorhanden sind. Das epische „Pilot in the sky of dreams“ ist dafür ein hervorragendes Beispiel, selbst wenn der Refrain nicht mit ähnlicher Urgewalt aus den Socken haut wie etwa der von „The art of reason“. Das Lied wurde auch als Single ausgekoppelt, zu diesem Zweck jedoch auf kümmerliche vier Minuten gestutzt, wodurch es Einiges an Qualität einbüßt. Besser wäre es gewesen, ein ohnehin kurzes und eingängiges Lied als Single zu wählen. Wie etwa den Opener „Slipstream“, der für die vorstehende Beschreibung des thresholdschen Stils ein Paradebeispiel ist. Sowohl eine leicht gekürzte Fassung von „Splitstream“ als auch die Single-Version von „Pilot in the sky of dreams“ kann man sich übrigens auf der Bandhomepage anhören.

Die Sonderausgabe des Albums (als Digipak) enthält ein besonderes Schmankerl. Offenbar tragen auch Threshold der derzeitigen Muse-Hysterie Rechnung und covern deren Song „Supermassive Black Hole“ aus dem aktuellen Album „Black holes & Revelations“. Um es diplomatisch auszudrücken: Fans der beiden Gruppen werden vermutlich die jeweilige Version ihrer Lieblinge bevorzugen. Es ist unwahrscheinlich, dass Threshold mit diesem Album neue Fankreise erschließen, aber wer der Band schon immer die Treue hielt, kommt auch an „Dead Reckoning“ nicht vorbei. Ein einmal mehr hervorragendes Album. Immer schön, wenn man sich auf jemanden verlassen kann.

Anspieltipps:

  • Hollow
  • Disappear
  • Slipstream
  • One degree down
  • Fighting for breath
  • Pilot in the sky of dreams
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