Korn - MTV Unplugged - Cover
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Korn MTV Unplugged


  • Label: Virgin/EMI
  • Laufzeit: 45 Minuten
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9/10 Unsere Wertung Legende
5.3/10 Leserwertung Stimme ab!

Gerade als so etwas wie kreative Stagnation bei Korn bemerkbar machte, ist ihnen mit „MTV Unplugged“ ein Befreiungsschlag gelungen.

Seit seiner Entstehung Ende der Achtziger war „MTV Unplugged” eine Plattform für Musiker, auf der sie die Möglichkeit haben in intimer Atmosphäre ihre Songs akustisch zu präsentieren. Bisher traten schon Bands wie Nirvana, KISS oder in Deutschland Die Ärzte in der Reihe auf, doch keiner dieser Künstler schaffte es sich derart neu zu definieren, wie Korn es mit ihrem neuesten Werk schaffen. Was die Jungs um Fronter Jonathan Davis hier abliefern grenzt an Perfektion.

Doch obwohl alle Songs ihre Grundmelodien und Ausrichtungen behalten, sollten sich Puristen darauf gefasst machen ihre Scheuklappen abzunehmen. Von der ursprünglichen Brachialität der Lieder bleibt naturgemäß nicht viel übrig, alle Arrangements wurden komplett überarbeitet. Was früher durch den Einsatz von Distortions und anderen Effekten erreicht wurde, wird nun mit verschiedensten Instrumenten erzeugt. Die Band verrät dabei nie ihre alten Ideale, vielmehr werden die Songs einfach auf eine andere Ebene erhoben. Nicht besser oder schlechter, einfach nur anders.

Der Einstieg des Konzerts ist mit „Blind“ schon ungewöhnlich genug. Flamenco-Gitarren, Piano, hypnotische Percussions und mehrstimmiger Gesang vermengen sich zu einem genialen Ganzen. Bei „Hollow Life“ kommen dann noch ein sanftes Glockenspiel (!) und ein Streichorchester hinzu. Davis gibt dabei die Gesangsleistung seines Lebens ab und fällt nie aus dem Rahmen. Die größten Überraschungen des Albums sind aber die Gäste, so singt Evanescence-Sängerin Amy Lee bei „Freak On A Leash“ mit Davis im Duett. Man mag von ihrer Hauptband halten was man will, aber hier passt sie wie die sprichwörtliche Faust aufs Auge und veredelt den Track zu einer wunderschönen Ballade. Wahre Giganten haben sich Korn für den zweiten Gastauftritt ins Boot geholt. Die Goth-Pioniere von The Cure stehen ihnen bei einem Medley aus „Make Me Bad“ und dem Cure-Klassiker „In Between Days“, das sich nahtlos in den Sound des Unplugged-Albums einreiht, zur Seite.

Weitere Hightlights sind das mit Handglocken versehene „Falling Away From Me“ und „Love Song“ mit dramatischem Piano und Harmonika. Mit „Creep“ gibt es noch eine Coverversion eines Radiohead-Hits. Qualitativ fällt „Twisted Transistor“ dann etwas ab, der Song war einfach nie wirklich stark, da rettet ihn auch ein gelungenes Arrangement nicht. Aus den Vollen schöpfen Korn noch einmal mit dem abschließenden „Throw Me Away“, bei dem sich nicht nur eine singende Säge dem Ensemble anschließt sondern auch eine Truppe von japanischen Taiko-Schlagwerkern, die dem Song noch einmal eine völlig eigene Note verpassen.

Gerade als so etwas wie kreative Stagnation bei Korn bemerkbar machte, ist ihnen mit „MTV Unplugged“ ein Befreiungsschlag gelungen. Gespannt darf man jetzt auf das nächste Album warten, auf dem Drummerlegende Terry Bozzio (Frank Zappa, Fantomas) die Kessel bedienen wird, der ursprüngliche Schlagzeuger David Silvera nimmt derzeit eine Auszeit von Korn, er ist auch auf dem Unplugged-Album nicht zu hören.

Anspieltipps:

  • Blind
  • Freak On A Leash
  • Falling Away From Me
  • Throw Me Away
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