Marilyn Manson - Eat Me, Drink Me - Cover
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Marilyn Manson Eat Me, Drink Me


  • Label: Interscope/UNIVERSAL
  • Laufzeit: 57 Minuten
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7.5/10 Unsere Wertung Legende
5.8/10 Leserwertung Stimme ab!

Markerschütternde Gitarrengewitter bilden die Ausnahme auf einem Album, das düster, aber gemäßigter und elektronischer als seine Vorgänger klingt.

Als Schockrocker Brian Warner alias Marilyn Manson am 3. Dezember 2005 die Stripperin und B-Movie-Darstellerin Dita von Teese (35) auf dem Schloss des umstrittenen Künstlers Gottfried Helnwein ehelichte, mutete die Zeremonie fast schon so bizarr an wie das berufliche Schaffen des Brautpaares. Aber irgendwie passten diese beiden extremen Menschen zueinander. Das malte sich der außenstehende Yellow-Press-Leser jedenfalls in seiner Phantasie so aus. Und trotzdem hat es nicht funktioniert. Ein Jahr nach der Hochzeit reichte Dita von Teese die Scheidung ein und verließ Haus und Hof des gebeutelten Rockstars.

Wut, Schmerz, Trauer – so bitter es klingen mag, aber gibt es bessere Triebfeder für ein Rockalbum als pure Verzweiflung und Hass? Offenbar nicht. Und so gibt Mr. Manson freimütig zu Protokoll „Ungefähr in der Mitte des vergangenen Jahres befand ich mich in einem abgrundtiefen Loch; ich war so depressiv dass ich nicht mehr weiterwusste. Mir waren die Hände gebunden. Ich konnte nichts mehr machen, und ich hatte die Hoffnung eigentlich schon aufgegeben“. Nichtsdestotrotz raffte sich Brian Warner auf und vertonte seine Gefühle der vergangenen Monate. Allerdings schränkt er ein: „Ich will nicht, dass die Leute denken, diese Platte könnte so etwas wie eine Ausbeutung und Zurschaustellung meines Privatlebens sein. Allerdings würde ich doch sagen, dass diese Platte überaus genau auf den Punkt bringt, wo ich mich gerade als Mensch befinde und was ich fühle.“ Deshalb sind die Texte natürlich schwer depressiv geraten und zwischen Mord und Selbstmord ist alles drin.

Doch Vorsicht! Wer jetzt ein derbes Industrial-Gewitter als Verarbeitung von Mansons Seelenpein erwartet, wird mit dem Ergebnis „Eat Me, Drink Me“ ziemlich überrascht werden. Zwar ist die Produktion relativ rau und weit entfernt vom treibenden Glam-Metal eines „Mechanical Animals“ (1998) und der skurrilen Story von „Golden Age Of Grotesque” (2003) – markerschütternde Gitarrengewitter bilden dennoch die Ausnahme auf einem Album, das düster, aber gemäßigter (die meisten Stücke sind im Midtempo-Bereich angesiedelt) und elektronischer als seine Vorgänger klingt.

Dabei haben Mr. Warner und Co-Songwriter/Gitarrist Tim Skold (Ex-KMFDM) weder die eingängigen (Pop-)Melodien vergessen, mit denen sich durchaus die Charts knacken lassen („Putting holes in happiness“, „They said that hell’s not hot“, „Heart-shaped glasses“), noch haben sie klassische Manson-Groover („Are you the rabbit?“, „Mutilation is the most sincere form of flattery“) und epische Horrorgeschichten („If I was your vampire“) ausgespart. Kurz gesagt: „Eat Me, Drink Me“ reiht sich reibungslos in die Galerie der düster-genialen Verrücktheiten eines Brian Warner ein.

Anspieltipps:

  • Evidence
  • Are you the rabbit?
  • Putting holes in happiness
  • They said that hell’s not hot
  • You and me and the devil makes 3
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