Tape - No. 2 - Cover
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Tape No. 2


  • Label: Tiefdruck/UNIVERSAL
  • Laufzeit: 46 Minuten
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4/10 Unsere Wertung Legende
4.7/10 Leserwertung Stimme ab!

Aufgrund einer einstweiligen Verfügung, in der es um die Namensrechte der Band ging, musste die Band, die einst Tape hieß, kurzfristig ihren Namen in Txxx ändern. Txxx, die ihr Debüt „#1“ (damals noch unter dem Namen Tape) 2003 beim Major-Label und Warner-Ableger East West Records veröffentlichten, mussten sich, aufgrund des Verkaufs Warner Music International an neue Investoren, die kurzer Hand einige Künstler vor die Tür setzten, von ihrem damaligen Arbeitgeber trennen. So kamen Txxx bei Tiefdruck-Musik, einem kleinen Indie-Label, unter Vertrag. Kurz darauf verließ Frontfrau Dacia die Band. Ersatz wurde in Form von Peti van der Velde, die zuvor im Musical „We Will Rock You“ gesungen hatte, gefunden. Stimmlich steht Peti der Ex-Frontfrau in Nichts nach – die Stimmen ähneln sich sogar etwas.

Nachdem „#1“ der Band viel Zuspruch einbrachte und sich auch die Single „Yeeha“ erfolgreich verkaufte, war der Druck von Außen für das neue Album enorm. Aber auch Txxx selber wollten sich nicht mit Gewöhnlichem zufrieden geben und tüftelten lange Zeit an den einzelnen Songs, bis sich das Ergebnis ihrer Ansicht nach hören lassen konnte. Über drei Jahre sind also vergangen, bis der Nachfolger des Debüts in den Läden steht: „#2“ nennt sich der zweite Longplayer der Band aus Hamburg, auf dem Crossover mit breiter Nu-Metal-Schlagseite geboten wird. Das Ganze ist natürlich nichts Neues, doch die Musiker hinter Txxx spielen ihren Stiefel routiniert herunter, so dass eine stattliche Rockplatte herausgekommen ist. Im Vergleich zum ersten Album fehlt den Songs auf „#2“ leider der unverwechselbare Sound, den die teils kantigen Tracks auf „#1“ besaßen. Die Songs auf „#2“ wirken glatter und eingängiger, haben dafür aber leider etwas an Charme eingebüßt.

„24/7“ rockt gleich mit schrammelden Gitarren und tiefknarrzendem Bass drauf los und wenn Petis Stimme einsetzt, zaubert es dem Hörer ein Grinsen aufs Gesicht, in dem tiefen Glauben, dass „#2“ alle Erwartungen erfüllen kann. „Leave It All Behind“ fährt mit Txxx-typischer Sprechgesangs-Hook auf, um dann den getragenen, hymnischen Refrain mit sanfter Akustikgitarre und klarem Gesang einzuleiten. Das folgende „Playhouse“ klingt wie eine RnB-Nummer im Rockgewand und wirkt etwas blutarm. „Falling“ ist dann die typische Nu-Metal-Hymne ohne großen Wiedererkennungswert. Gesetztere Töne schlägt dann „Nothing But Lies“ an. Die Strophe mit hellem, zerbrechlichem Gesang und akustischem Unterbau bringt ein neues, warmes Klangbild in das ansonsten meist kühl und klinisch wirkende Gesamtbild der Platte. Der Refrain des Stücks ist dann aber von der Stange, was einem besonders auffällt, wenn anschließend „Suffocate“ ertönt und man meint, die Nummer schon zu kennen. Dieses liegt dann daran, dass „Nothing But Lies“ und „Suffocate“ fast den identischen Refrain besitzen. Peinlich.

„Smile“ ist dann die typische Single: Mit angenehmer, unaufdringlicher Art schmeichelt sich der Song ein und der Refrain besitzt großen Ohrwurm-Charakter. Etwas exotischer platzt dann „Mary“ aus den Boxen. So ertönt plötzlich ein kinderchorartiger Background-Gesang, der ein „La-laa-la“ zu mächtigen Gitarren beisteuert, während Peti mit knappen Vocals dem Hörer einheizt, um anschließend in eine an Pink erinnernde Strophe überzugehen. „Knock Out“ fährt hingegen mit dem härtesten Riff der Platte auf, doch die unoriginellen R&B-lastigen Parts mit ihren Synthie-Spielereien stören auf Dauer und lassen ungewollte Parallelen zu LaFee entdecken. Auch „Peek A Boo“ wirkt wie von den Pussycat Dolls geklaut um daraufhin mit einem Metal-Riff und effekt-haschender Elektronik versehen worden zu sein. „LSD“ hat dann wieder genügend Drive und das alte Tape-Flair, so dass der Hörer noch nicht völlig resigniert und enttäuscht vorzeitig den Off-Knopf betätigt. „T-Minus“ ist zum Abschluss nicht die erwartete ruhige Ballade, sondern eine groovige Midtempo-Nummer mit kurzer Swing-Einlage, aber nicht sehr bewegend.

Auch wenn drei Jahre seit dem letzten Album vergangen sind und somit die Zeit eigentlich ausgereicht haben müsste um genügend anständiges Material für „#2“ zusammengetragen zu haben, wirkt das Album unausgereifter und kraftloser als „#1“. Es gibt leider wenige erstklassige Songs auf „#2“, die meisten Stücke sind gesichtslos und wirken uninspiriert und auch die vielen R&B-Parts wirken wie aus der Retorte und können nicht überzeugen. Ständig wird man an irgendwelche MTVIVA Interpreten erinnert, was den Genuss der Platte doch arg schmälert. Die stärksten Momente hat das Album in den knapp gesäten akustischen Momenten, die zu den mächtigen Stromgitarren einen angenehmen Kontrast bilden und vielleicht kann man diese Momente auf „#3“ noch ausbauen und die gewollt wirkende R&B-Komponente des Öfteren bei Seite lassen.

Anspieltipps:

  • Leave It All Behind
  • Smile
  • LSD
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