Last Days Of April - Might As Well Live - Cover
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Last Days Of April Might As Well Live


  • Label: Bad Taste Records
  • Laufzeit: 36 Minuten
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7.5/10 Unsere Wertung Legende
5.3/10 Leserwertung Stimme ab!

Last Days Of April haben einst Emocore gespielt. Heute tun sie das nicht mehr. Vielmehr haben sie sich mit fortschreitender Bandgeschichte in Richtung Pop bewegt. Emotional ist ihre Musik immer noch wenngleich man nicht vom typischen 08/15-Emo sprechen kann, der in der Rockwelt immer mehr an Bedeutung gewinnt und zu einer der belanglosesten Modeerscheinungen überhaupt geworden ist. Insofern muss diese Entscheidung der Schweden nicht unbedingt als negativ erachtet werden.

Hört man den Opener „Lost and found“ fühlt man sich geborgen. Man fühlt sich, als würde man in ein monströses, superweiches Kissen fallen und bekommt trotz der starken Melancholie ein zartes Lächeln ins Gesicht gezaubert – so zart wie dieser Song. Die Stimme von Karl Larsson schwebt quasi durch den Track und wird getragen von einer anfangs fast nicht zu hörenden Instrumentalisierung, die sich im Verlauf des Songs immer mehr zu einem hymnischen Songkleid steigert, ohne dabei die wunderschöne Zerbrechlichkeit dieses Songs zu gefährden.

Die Texte der Stockholmer drehen sich jedoch in den meisten Fällen um das Ende einer tragischen Beziehung. Gleichzeitig verstehen sie es aber auch diese Schwere und in der Musik selten gelungen umschriebene Thematik mit einer gehörigen Portion Humor zu versüßen, ohne den oft gemachten Fehler zu begehen, in zu viel Eigenmitleid zu verfallen. Das beste Beispiel hierfür ist der Song „Who’s on the phone?“: Ständig fragt Leadsänger Larsson seine Freundin, wer am Telefon ist: „I gotta know / Who’s on the phone / Who are you speaking to / When you’re on your own?“. Etwas ernüchternd stellt er am Ende des Songs fest: „If I gotta kill someone / He’s the one / Who’s on the phone”. Und schon sind wir wieder beim eben angesprochenen Lächeln.

Immer wieder untermalen Last Days Of April ihre Musik mit subtilen und geschickt platzierten Gitarrensoli, die den meist forsch instrumentierten Stücken eine gewisse Tiefgründigkeit verleihen, die sie leider mit ihrem begrenzten Themenfeld nicht erzeugen. So ersticken sie eine drohende Monotonie im Keim und machen „Might As Well Live“ zu einem locker leicht bekömmlichen Hörerlebnis.

Somit gelingt es der Band aber auch Musik für Jedermann zu machen. Die Songstrukturen sind intelligent und jeder einzelne Song der Platte ist auf den Punkt zu Ende gedacht. Zumindest musikalisch ist ihre Musik vielschichtig, was in der hart umkämpften Popwelt selten geworden ist. Vielleicht würde es dieser gut tun, wenn es mehr von diesen nicht kommerziellen Bands geben würde. Für viele wäre das Album aber wohl doch in gewisser Weise zu belanglos und somit ist es eher Musik zum nebenbei Hören, bei Hausarbeiten oder einfach zum Abschalten.

Anspieltipps:

  • Lost And Found
  • Who’s On The Phone
  • Two Ply Glass
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