Anajo - Hallo Wer Kennt Hier Eigentlich Wen - Cover
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Anajo Hallo Wer Kennt Hier Eigentlich Wen


  • Label: Tapete/INDIGO
  • Laufzeit: 42 Minuten
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7.5/10 Unsere Wertung Legende
6/10 Leserwertung Stimme ab!

Der Legende nach hat den Titel des aktuellen Anajo-Albums ein verwirrter, opernsingender Obdachloser aus Augsburg erfunden. Kreativität fängt eben da an, wo der Verstand aufhört das Denken zu behindern! Anajo kommen aus Augsburg und ihre Entwicklung entspricht in etwa der des dort ansässigen Fußballclubs. Der ist nämlich im vergangenen Jahr in die zweite Bundesliga aufgestiegen. Vermutlich eine Folge von Fleiß und unbeirrtem Glauben an sich selbst. Anajo erkämpften sich mit ihrem feudalen Debütalbum „Nah Bei Mir“ und unzähligen Konzerten in kleinen Dörfern die Meisterschaft im deutschen Indie-Pop, haben auf ihren Aufstieg (in Form eines Wechsels zu einem Major-Label) jedoch dankend verzichtet. Im Titelsong liefern die Jungs auch gleich die Erklärung für ihre Entscheidung: Sie müssen noch zahlen!/ Bezahlen womit?/ Vielleicht mit der Karte/ Vielleicht mit dem Glück! Anajo dürfen nun entspannt ihren Titel verteidigen, der FC hingegen kämpft tapfer gegen den direkten Wiederabstieg.

Auf „Hallo, wer kennt hier eigentlich wen?“ vertrauen Anajo ihrem Erfolgsrezept und ändern ihre Spielweise nicht im Geringsten: Da werden Vokale bis zur Unkenntlichkeit überdehnt, da reimt sich wie selbstverständlich „Satt“ auf „Studienrat“ – alles ist erlaubt, wenn es der Melodie dient! Ob als Kinderlied (Gleis 7, 16 Uhr 10), mit Anleihen in der Neuen Deutsche Welle (Herz Ass) oder eingeleitet durch dunkle Westerngitarren (Mein Lieber Herr Gesangsverein), letztendlich funktioniert jeder Song vor allem durch einen Refrain, der spätestens nach dem zweiten Durchlauf mitgesungen werden muss! „Franzi +2“ lässt dann auch jene „Yeah, Yeahs“ erklingen, die auf der Tanzfläche für gewagte Choreographien sorgen, der Text behandelt die gnadenlose Androhung eines Überraschungsbesuches (Der Kühlschrank im Backstage/ Ist unser Revier/ Bei lecker Discoschorle/ Kalter Pizza und Bier/ Wir kommen vorbei!).

Rosa Zuckerwatte gibt es obendrein, die erste Single „Wenn Du Nur Wüsstest“ klebt fürchterlich, schmeckt aber unwiderstehlich gut! Eine durchaus fragwürdige debile Glücksseligkeit vermögen Anajo mit ihren Melodien zu verursachen, doch wer für das Goethe-Institut eine Konzertreise nach Russland unternehmen durfte ist gefälligst freizusprechen von jedem Verdacht, auch nur im Ansatz der Anspruchslosigkeit oder des seichten Liedguts schuldig zu sein!

Ob Oliver Gottwald (Gesang und Gitarre), Michael Schmidt (Bass und Tasten) und Ingolf Nössner (Schlagzeug) im Übrigen wirklich so lieb sind wie ihre Musik, dies lässt sich recherchieren. Denn dann haben die Jungs den obdachlosen Opernsänger für seinen Anteil an ihrem bemerkenswerten Zweitwerk gebührend entlohnt. Mindestens mit lecker Discoschorle, kalter Pizza und Bier!

Anspieltipps:

  • Hallo, Wer Kennt Hier Eigentlich Wen?
  • Wenn Du Nur Wüsstest
  • Spätsommersonne
  • Am Anfang
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