Scooter - The Ultimate Aural Orgasm - Cover
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Scooter The Ultimate Aural Orgasm


  • Label: Sheffield Tunes/EDEL
  • Laufzeit: 50 Minuten
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4/10 Unsere Wertung Legende
5.5/10 Leserwertung Stimme ab!

Ein Scooter-Album, das uns den ultimativen Ohrgasmus bringen soll? Na, wenn das mal nicht hoch gestapelt ist, Mr. Baxxter! Angesichts der letzten grottigen LP-Veröffentlichungen, von denen nicht einmal die Singles wirklich brauchbar waren, wollen uns die Techno-Proleten Scooter dieses Mal mit „The ultimate aural orgasm“ zeigen, wo die wirklich exzellenten Lyrics geschmiedet werden. Zumindest verheißt das der auffällige gelbe Sticker, der dort hingeklebt wurde, wo normalerweise der Verbraucherhinweis für jugendgefährdende Inhalte angebracht ist, was aufgrund der bisherigen Ergüsse von Vorzeige-Wasserstoffblondel Hans Peter Geerdes („It´s not a bird, it´s not a plane / It must be Dave who´s on the train“ – „Nessaja“ oder „Love, peace and unity / Sibiria the place to be“ – „Ramp (The logical song)“) schon einmal für Schmunzeln sorgt.

Doch in der Tat scheint sich Deutschlands Vorzeige-Proletarier bei den Texten zum zwölften Scooter-Werk zumindest oberflächlich etwas gedacht zu haben. „Behind the cow“, also auf Deutsch „Hinter der Kuh“, ist z.B. eine Anspielung auf das „Kuh“ in Scooter. Alles klar? Genau, aufmerksame Leser werden es schon erraten haben: Tiefer und banaler kann es nicht mehr werden. Doch Obacht! Am Ende von „Does the fish have chips?“ grölt Herr Geerdes (einmal abgesehen vom ohnehin grandiosen Titel) die Zeile „How do I get off the bus?“ ins Mikro und neben recht gefälligem Electro-House in „Lass uns tanzen“ gibt es noch die umwerfende und äußerst tiefgründige Zeile „Lass uns tanzen oder ficken oder beides, denn morgen sind wir tot“ zu bestaunen. Nein, wahrlich große Dichtkunst gibt es auch auf „The ultimate aural orgasm“ nicht zu entdecken.

Abgesehen davon bleibt dieses Mal aber zur Verwunderung recht viel über, das den neuen Scooter-Output wieder zu einer besseren Veröffentlichung macht, trotz massiven Abkupferungen bei anderen Bands. Die erste Single „Behind the cow“ ist prinzipiell zwar noch recht typisch und unauffällig geraten und bedient sich beim Blue Öyster Cult-Klassiker „Don´t fear the reaper“, doch der komplett unpassende Hip Hop-Teil von Fatman Scoop hätte trotzdem ausgespart bleiben können. In „Does the fish have chips?“ geht es weiter mit Beats der Marke The Prodigy und der Aufbau orientiert sich an Blurs „Song 2“, doch wirklich nervig ist der Track im Vergleich zu vielen anderen Stücken nicht. Das nachfolgende „The united vibe“ orientiert sich am eigenen Genre und holt sich bei DJ Isaac und Sven-r-g Anleihen, als reines Party-Futter ist der Track allerdings uneingeschränkt zu empfehlen.

Von Kraftwerks „Radioactivity“ ist die Melodie zu „U.F.O. Phenomena“ geliehen und auch hier gefällt der unter anderem Baxxter-freie Song zur Gänze durch einen sinnvollen Aufbau und erinnert damit an das bislang beste und stimmigste Scooter-Werk „Back to the heavyweight jam“ (09/1999). Die Rache von Ratty, dem Alter Ego der Band, sowie „Scarborough affair“ offenbaren einen geradezu mystischen und esoterischen Part, der an Loreena McKennitt oder Enya erinnert und sich deutlich besser entfaltet als die nervigen Pieps- und Pitchstimmen der letzten Outputs, die gerade einmal einen kurzen Auftritt in „Imaginary battle“ hat.

Der Anfang von „East sands anthem“ ist für eine Schöpfung dieser Band regelrecht unheimlich geraten, gibt es schließlich pathetische Streicher und Operngesang auf die Ohren, doch nach einer halben Minute ist der Spuk vorbei und Baxxters Stimme wird durch denselben Vocoder wie in „We are the greatest“ gejagt, gefolgt von einer Dudelsack-Melodie, die aus „I´m your pusher“-Zeiten stammt, angetrieben von pumpendem Bass. Dennoch macht der Track durchaus Laune, was wahrscheinlich daran liegt, dass sich Herr Geerdes weitestgehend zurückhält, wie auch auf dem abschließenden Trance-Track „Love is an ocean“ oder dem Rest der Platte. Das führt nicht nur zu einem positiveren Eindruck, sondern sorgt außerdem für mehr Laune beim Hören von „The ultimate aural orgasm“. Wer hätte das gedacht?

Anspieltipps:

  • The United Vibe
  • U.F.O. Phenomena
  • East Sands Anthem
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