Kamera - Resurrection - Cover
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Kamera Resurrection


  • Label: Sound Pollution/Rough Trade
  • Laufzeit: 41 Minuten
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4/10 Unsere Wertung Legende
5.1/10 Leserwertung Stimme ab!

Der schwedische Fünfer Kamera erblickte im Frühling 2000 das Licht der Welt und erschafft mit seinem strahlenden, manchmal melancholischen Wave-Pop der alten 80´er Schule ebensolche frühlingshafte Musik, die 35.000 Menschen in Stockholm als Support von Robbie Williams genau so wie nur knapp 100 Leute in verrauchten Clubs wahrnahmen und sicherlich die ein oder andere deutliche (!) Parallele zu New Order und Co. feststellten. In der schwedischen Heimat reichte es mit dem selbstbetitelten Debüt aus dem Jahr 2003 und diversen Singles zu flächendeckendem Airplay, so dass die Reichweite mit dem Zweitwerk „Resurrection“ und dem neuen Partner Sound Pollution als Label weiter reichende Kreise ziehen soll und nach zwei Umbesetzungen an Gitarre sowie Keyboard der Weg von Kamera als frische Alternative zu den unaufhaltsam alternden Helden der synthetisch eingängigen Achtziger hinter den vielen Türen des unübersichtlichen Musikmarktes wartet.

Ob dieser Weg jedoch mehr als eine Hand voll Passanten findet, sei nach dem Hören von „Resurrection“ in Frage gestellt. Die Songs sind höchst eingängig, strahlen so etwas wie eine positive Melancholie aus, lassen einen je nach Stimmung tanzen oder träumen und kommen doch nicht über das Prädikat „nett“ hinaus. Viel zu sehr wird sich in gemachte Betten gesetzt, die vor allem britische Bands für sich beansprucht haben, und das eigenständige Songwriting vernachlässigt. Da pulsieren charmante Beats, tänzeln synthetisch erzeugte Hooklines und dunkle Gitarren/Bass-Einsätze, werden von Sänger Joakim Hjelm mit durchschnittlichen Herzschmerz-Lyrics ordentlich untermauert und verhallen recht schnell im Nirwana der stets von Retro-Trends infizierten Musikwelt.

Alles scheint vollkommen auf den Retro-Klang reduziert und vor atemloser Anbetung der alten Helden schier eingeengt und ehrfurchtsvoll in den eigenen Möglichkeiten beschränkt, dass beim Hören keine große Leidenschaft aufkommt und lieber im Regal zu diversen prägenden New Order-Scheiben gegriffen wird, anstatt sich eine Art Cover-Band mit vermeintlich eigenen Songs ins Haus zu holen. So lautet leider das Resümee einer Scheibe, die trotz netter Melodien, ohrwurm-relevanter Songs für den nahenden Frühling einen bitteren Nachgeschmack auf dem goldenen Teller serviert. Trotz gefälliger Momente und der scheinbar innigen, nicht verachtungswürdigen Beziehung zu oben mehrfach genannter Band ein laues Lüftchen, dem ein starker Gegenwind in Form von wöchentlich auf uns herunter prasselnden neuen CDs entgegen bläst.

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