DJ Ötzi - Sternstunden - Cover
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DJ Ötzi Sternstunden


  • Label: Polydor/UNIVERSAL
  • Laufzeit: 52 Minuten
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1/10 Unsere Wertung Legende
4.5/10 Leserwertung Stimme ab!

Was kommt heraus wenn das Schema einer Single der Hermes House Band wie z.B. „Que sera“ auf ein Album mit 13 Songs aufgeblasen wird? Natürlich, Ballermann-Feeling pur, wo jeder Refrain so deppeneinfach und von sinnloser Sinnlosigkeit durchzogen ist, dass sich sämtliche Fußnägel vor Glückseligkeit kräuseln. Wiederkehrende, simple Phrasen wie „Diri Hooooooo / Diri Ei Hoooooooo“ oder „Hey hey hey“-Gerufe, das sich der kübelweise gesoffene Sangria von selber wieder dem Körper entledigt. Beats gibt es dazu aus jedem x-beliebigen Musikprogramm, das mehrere Spuren übereinander legen kann (bevorzugt technoide Bässe und Animateursstimme).

Gerry Friedle alias der Mann aus dem Ötztal alias DJ Ötzi hat in seinem Leben zwar schon viel erlebt, aber das er einmal der erste österreichische Künstler sein wird, der eine Single in England zu Platin-Ehren führen wird, hätte er sich sicherlich nicht gedacht. „Anton aus Tirol“ hieß die gut gelaunte Alpensommer-Hymne, die sich sowohl in ihrem Entstehungsland Österreich sowie in Deutschland, Dänemark, Südafrika und eben England auf Platz 1 hieven konnte. Der Rest ist Schlagergeschichte und führt nun zum neuesten Erguss „Sternstunden“.

Darauf gibt es eigentlich nichts, was von sonderlicher Relevanz wäre, jedoch hätte das auch niemand erwartet. Zwischen Ziehharmonika-Gedudel, Techno-Bass und zünftiger Hüttengaudi mit DJ Friedle, der seinen Job als animierende Spaßkanone sehr ernst nimmt, mischen sich mäßig lustige Texte, die sich ihrer primitiven Natur in keinster Weise schämen. So grölt Herr Ötzi ungeniert „The roof, the roof, the roof is on fire“ zwischen die Zeilen von „7 Sünden“ oder erzählt äußerst interessante und gehaltvolle Geschichten aus dem wunderschönen Österreich (sic!), in dem es neben etwas festen Damen („Hintermoser Kathi (A Dirndl wie a Zelt)“) auch hübschere Geschöpfe („Die Fischerin vom Bodensee“) gibt oder schmachtet in bester Schlagermanier vor sich hin („Aber dich gibt’s nur einmal für mich“, „Was Liebe war, muss Liebe bleib’n“, „Bitte gib mir eine Chance“).

Des weiteren bietet „Sternstunden“ derartige Meisterleistungen wie „Das Kufsteiner Lied“ (eine fürchterliche Hommage an Kufstein), den „La Ola Walzer“ (wie sich das wohl anhört?!) oder Songs, die das Anbraten einer Mallorca-trunkenen, deutschsprachigen Dame in der Disco sicherlich erleichtern („7 Sünden“, „Rosamunde“ – einfach gegen Namen der Zielperson tauschen). Ja, und wer noch immer nicht überzeugt von der Qualität dieses Werkes ist und es nicht erwarten kann bis auf Malle jeder italienisch aussehende Kellner mit „Pronto Guiseppe!“ zum Tisch gerufen wird, der sollte sich ernsthaft überlegen ein Exemplar von „Sternstunden“ zu erstehen.

Anspieltipps:

  • Hintermoser Kathi
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