John Mellencamp - Freedom´s Road - Cover
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John Mellencamp Freedom´s Road


  • Label: Republic/UNIVERSAL
  • Laufzeit: 49 Minuten
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7/10 Unsere Wertung Legende
5.6/10 Leserwertung Stimme ab!

Mit kernigem Roots- und Folkrock sowie bissigen Texten schafft Mellencamp nach zuletzt zahnlosen Werken einen Turnaround.

Mit seinem letzten Album „Trouble No More” (2003) hatte sich Roots-Rocker John Mellencamp in Teilen seiner amerikanischen Heimat ziemlich in die Nesseln gesetzt. Der 55-Jährige interpretierte darauf klassische Folk- und Bluessongs von Legenden wie Robert Johnson, Woody Guthrie und Willie Dixon, was prinzipiell nichts Außergewöhnliches darstellt. Mellencamp erlaubte sich jedoch für zwei als unantastbar geltende Traditionals neue, eigene Texte zu verfassen, in denen er US Präsident George Bush heftig angriff.

Das kam vor allem im Mittleren Westen der USA gar nicht gut an, wo „Trouble No More“ weitgehend boykottiert wurde. Doch ein John Mellencamp lässt sich den Mund nicht verbieten. Schließlich war er in den Achtzigern eine echte Rock’n’Roll-Raubkatze („Cougar“). Und so ist sein neues Album, „Freedom’s Road“, ein einziges politisches Statement geworden, in dem er sich kritisch zur Lage der Nation äußert und seinen Präsidenten im finalen Hidden Track als „Rodeo clown“ bezeichnet. Doch nicht nur deshalb wird „Freedom’s Road“ in den USA, wo die Platte bereits Ende Januar 2007 erschien, heftig diskutiert.

Da wäre zum einen der von vielen als Fauxpas angesehene Schachzug, die erste Singleauskopplung „Our country“ an die Werbung zu verkaufen (Chevrolet Motors bewirbt mit dem Song ein neues Fahrzeug), um landesweit Gehör zu finden und nicht wie der stilistisch verwandte Kollege Tom Petty mit seinem letzten Album „Highway Companion“ (07/2006) kommerziell böse baden zu gehen (John Mellencamp: „Nobody played the fucking record!”). Schön und gut, doch warum musste es ausgerechnet die Automobilindustrie sein? Wie passt das zu den sozialkritischen Ansprüchen der Platte? So bekommt ein an sich guter Song einen faden Beigeschmack, den er nicht verdient.

Ein weiterer Kritikpunkt ist die in manchen Augen eingeschränkte lyrische Fähigkeit von John Mellencamp, der mit seinen zwischen Patriotismus und Protest angesiedelten Texten allenfalls das Niveau von Mr. Textbaustein himself, Jon Bon Jovi, erreicht. So ist Gott sei Dank nicht alles düster und verfahren („Ghost towns along the highway“), sondern durchaus Hoffnung am Firmament zu erkennen („Freedom’s road“). Aber wie es nun mal so ist, leistet sich John Mellencamp, der für die einen die Miniausgabe des Arbeiterklassehelden Bruce „The Boss“ Springsteen darstellt und für die anderen Amerikas Antwort auf den kanadischen Formatradiorocker Bryan Adams verkörpert, mit „The Amercians“ zwischendurch ein (wie es scheint) populistisches Friede-Freude-Eierkuchen-Bekenntnis, das musikalisch wirklich fein ist, weil eingängig komponiert und erdig dargeboten, aber den Hörer, wie schon Bruce Springsteen mit „Born In The USA“, auf eine falsche Fährte lockt („I’m an American / I respect you and your point of view / I’m an American / And I wish you good luck with whatever you do“). Bei der mellencampschen Ironie heißt es eben aufgepasst!

Trotzdem zieht sich John Mellencamp mit „Freedom’s Road“ wenigstens ansatzweise am eigenen Schopf aus der künstlerischen Krise, die nach dem herausragenden „Human Wheels“-Album (1993) und dem starken Nachfolger „Dance Naked“ (1994) nicht mehr wegzudiskutieren war. Mit kernigem Roots- und Folkrock und bissigen Texten schafft er nach zuletzt zahnlosen Werken einen Turnaround, der wieder aufhorchen lässt. Mal schauen, was Mellencamps neues Label Republic/Universal, bei dem der Rocker nach Mercury Records und Columbia Records nun unter Vertrag ist, daraus macht. Schließlich legt der aus Indiana stammende Musiker sein bestes Songmaterial seit vielen Jahren vor, das sich artig ein „gut“ als Bewertung abholt.

Anspieltipps:

  • Someday
  • Rural route
  • Our country
  • The Americans
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