Grant-Lee Phillips - Strangelet - Cover
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Grant-Lee Phillips Strangelet


  • Label: Cooking Vinyl
  • Laufzeit: 48 Minuten
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8/10 Unsere Wertung Legende
5.2/10 Leserwertung Stimme ab!

Wer diesen so entspannt aufspielenden Künstler jetzt noch verschläft, ist selber Schuld.

Grant-Lee Phillips, ehemaliger Sänger der sich 1999 aufgelösten Rockband Grant Lee Buffalo ist in unseren Breitengraden bekannter als es zunächst erscheinen mag. Zumindest visuell. Spielt er doch den Troubadour in der erfolgreichen TV-Serie „Gilmore Girls“ und zieht ab und an durch die Straßen des fiktiven Städtchens „Stars Hollow“. Musikalisch ist der gebürtige Kalifornier hierzulande leider noch nicht allzu sehr in Erscheinung getreten. Und das obwohl jetzt mit „Strangelet“ sein bereits fünftes Soloalbum erscheint.

Unter „Strangelet“ versteht man in der Astrophysik eine seltsame Materie, die auf unserer Erde natürlicherweise nicht in stabiler Form vorkommt. In künstlerischen Sphären aber steht der Begriff für eine 48 Minuten lange musikalische Atmosphäre, die dank Grant-Lee Phillips sehr wohl auf unserem Planeten greifbar und hörbar ist. Und der Nachfolger seines 2006 veröffentlichten Coverversionen Albums „Nighteeneighties“, hat diesmal deutlich mehr zu bieten als neu aufgelegte Lieder aus vergangenen Tagen. Phillips exquisite Materie besteht aus akustischen Klängen, ruppigem Rock’N’Roll, rosaroten Pop-Seifenblasen, staubigem Country, pompösen BritPop, lässigen 70er-Jahre-Swing und einer Prise Songwriterattitüde á la Johnny Cash und John Lennon. Eine ganze Menge an Zutaten. Aber er schafft es in bester Chefkochmanier diese Bestandteile zu vereinen, und ein mit enormer stilistischer Bandbreite abgeschmecktes Hauptgericht zu servieren.

Flott und rockig in „Runaway“, auf einer poppigen Wolke schwebend und von schmissigem Refrain angetrieben in „Soft Asylum (No Way Out)“, oder sommerleicht von Baritonukulele flankiert auf „Fountain Of Youth“. Das macht Appetit auf mehr. Es sei „eine Platte für seltsame Zeiten“ beschreibt Phillips sein neustes Werk. Die Lieder erzählen von Herzenskummer, Auseinandersetzungen und Verlust. Jedoch werden seine Erzählungen auch mit Liebe, Zuversicht und Erlösung versehen. Es geht darum, nach einem Niederschlag wieder aufzustehen und weiterzumachen. Seine unnachahmliche weiche Stimme trägt das mit ruhigen Streichern gewürzte und am Ende orchestral ausufernde „Dream In Colour“. Und spätestens nach dem Mitklatscher „Raise The Spirit“ wird man sich der Anmut Phillips seltsamer Materie bewusst. Die melodramatisch anmutende Ballade „Return To Love“ meistert er ebenso souverän wie das lockere und eingängige Finale „So Much“.

Wer diesen so entspannt aufspielenden Künstler jetzt noch verschläft, ist selber Schuld. Es gibt viel zu entdecken in Grant-Lee Phillips musikalischem Mikrokosmos und im Gegensatz zu den Astrophysikern, kann sich auch jeder Musikliebhaber mit begrenzten naturwissenschaftlichen und astronomischen Kenntnissen, von der Schönheit dieses „Strangelet“ selbst überzeugen.

Anspieltipps:

  • Soft Asylum (No Way Out)
  • Fountain Of Youth
  • Dream In Color
  • Raise The Spirit
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