Arctic Monkeys - Favourite Worst Nightmare - Cover
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Arctic Monkeys Favourite Worst Nightmare


  • Label: Domino Records
  • Laufzeit: 38 Minuten
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8/10 Unsere Wertung Legende
6.4/10 Leserwertung Stimme ab!

Die Arctic Monkeys machen im guten alten „Kick and Rush“-Stil weiter.

Der April 2007 ist wieder so ein Monat, in dem jede Woche mindestens ein potenzieller Kandidat auf das Album des Jahres erscheint. Das ist mitunter ziemlich undankbar für den einen oder anderen Künstler, denn durch diese Hatz durch die Höhepunkte bekommt mit Sicherheit nicht jede Produktion die Aufmerksamkeit, die sie (vermutlich) verdient hat. Außerdem strapaziert diese Ballung hochkarätiger Themen das Portemonnaie eines jeden aufgeschlossenen Musikhörers, der nicht innerhalb eines Genres gefangen ist und über den Tellerrand hinausschaut.

Auf den Tag genau 15 Monate nach dem Debütalbum der Arctic Monkeys aus Sheffield („Whatever People Say I Am, That’s What I’m Not“), steht mit „Favourite Worst Nightmare“ der ersehnte Nachfolger in den Verkaufsregalen. Und mit ihm die bange Frage, ob die jungen Kerle dem Erfolgsdruck (bester Erstverkaufstag in der Musikgeschichte Englands) standhalten und einen ähnlich grandiosen Silberling auf uns loslassen können. Denn das erste Opfer gibt es bereits. Urbassist Andy Nicholson hat die Band verlassen und wurde durch Nick O’Malley, einem Freund aus der Nachbarschaft, ersetzt. Somit scheint im Arctic-Monkeys-Kosmos alles normal geblieben zu sein. So wie die 12 Tracks des neuen Albums, die in nicht mal 40 Minuten über den Hörer hinwegfegen. Viel länger dauern die Bühnenauftritte von Alex Turner (Gesang, Gitarre), Jamie Cook (Gitarre), Matt Helders (Drums) und Nick O’Malley (Bass) allerdings auch nicht. Also auch hier alles im Lot.

Früher wurde der Fußball von der britischen Insel als „Kick and Rush“ verunglimpft. Das war zu Zeiten, als in den englischen Ligen kaum Ausländer spielten und „Kick and Rush“ als Fußballkultur der Engländer galt. Inzwischen ist die Premier League ein Sammelbecken internationaler Topstars und die Spielkunst der Top-Mannschaften eine gänzlich andere. Übertragen auf die Musik, machen die Arctic Monkeys im guten alten „Kick and Rush“-Stil weiter. Denn die ersten vier, fünf Songs auf „Favourite Worst Nightmare“ preschen mit wilder Entschlossenheit nach vorne, befeuert von einer entfesselt aufspielenden Rhythmusfraktion, die sich erst bei „Only ones who know“ eine Erholungspause gönnt und auf balladesk schaltet. Damit wird die zweite Albumhälfte eingeläutet, die sich deutlich von der ersten Hälfte unterscheidet – eine von der Band selbstgewählte Dramaturgie, entsprechend einer Vinylplatte, die der Hörer mühsam umdrehen muss und sich plötzlich in einer anderen Welt wiederfindet.

Okay, ganz so tragisch ist die Situation nicht. Aber es fällt schon auf, wenn die Gitarre in „Do me a favour“ bis zum hitzigen Finale auf einmal eine untergeordnete Rolle spielt und der nordenglische Akzent, der anderen Europäern die Fußnägel aufrollt, in gut zu verstehenden, sanften Gesang umschwenkt. Dann zeigen die Monkeys ihre sanfte Seite, die nichts mit dem partytauglichem Beat-Punk ihres Debüts zu tun hat. Zum Glück, möchte man sagen, knüpfen die Vier in Riff-Rock-Knallern wie „This house is a circus“ und „505“ wieder an ihr Sound-Markenzeichen an und kaschieren damit die maximal zwei Songs, die auf dem „schweren zweiten Album“ nicht ganz so geglückt sind. Unterm Strich eine starke Quote.

Anspieltipps:

  • 505
  • Balaclava
  • Teddy Picker
  • This house is a circus
  • Fluorescent adolescent
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