Nine Inch Nails - Year Zero - Cover
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Nine Inch Nails Year Zero


  • Label: Interscope/UNIVERSAL
  • Laufzeit: 63 Minuten
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7.5/10 Unsere Wertung Legende
6.7/10 Leserwertung Stimme ab!

Leider toben hier viel zu selten die zerstörerischen Industrial-Metal-Abrissbirnen aus Trent Reznors vertonter kranker Gedankenwelt.

Ein halbes Jahrzehnt liegt zwischen „The Fragile“ (1999) und „With Teeth“ (2005). Eine Zeit, in der sich Nine-Inch-Nails-Chef Trent Reznor hauptsächlich mit Drogen und Alkohol, als mit dem Komponieren von Musik befasste und seine dürstenden Fans anstatt mit neuen Studiosongs, mit mehr oder weniger üppigen Zwischenmahlzeiten (EPs, DVDs, Live-CDs) versorgte. Inzwischen bezeichnet sich Reznor als clean. Und was das für seine Musik bedeutet, zeigt das neue Album „Year Zero“. Denn noch nie haben Nine Inch Nails so schnell einen Nachfolger vorgelegt. Aber das ist noch nicht alles. „Year Zero“ ist der Auftakt einer Album-Fortsetzungsreihe, die sich mit einer in der nahen Zukunft spielenden, apokalyptischen Verschwörungsgeschichte befasst, die schon im nächsten Jahr in die zweite Runde gehen soll. Viel zu tun für Trent und Co. Doch zunächst gibt es die ersten 16 Happen aus der düsteren Welt der Nine Inch Nails auf die Lauscher.

Mit einem düster grollendem Industrial-Intro walzt der klanggewordene „Year Zero“-Panzer auf den Hörer zu („Hyperpower!“) und lässt nach nicht mal zwei Minuten die erste Bombe platzen. Mit einem Knall befindet sich Proband in einer gewaltigen Orgie aus bollernden Beats aller Couleur („Meet your master“) und elektronischen Fisimatenten, zu denen sich verhalten tanzen lässt, weil sich etwa schleichende TripHop-Sounds unter die Industrial-Wogen mischen („The good soldier“, „Vessel“, „My violent heart“), die von Alan Moulder (Dave Gahan, The Cure, The Jesus & Mary Chain, The Smashing Pumpkins) meisterhaft abgemischt wurden und deshalb nicht selten in poppige Bereiche á la Depeche Mode vordringen („Capital G“).

Leider toben viel zu selten die zerstörerischen Industrial-Metal-Abrissbirnen aus Trent Reznors vertonter kranker Gedankenwelt (man höre „In this twillight“). Fakt ist, dass es Gitarren auf „Year Zero“ hörbar schwer haben, sich gegen die Übermacht aus elektronischen Instrumenten durchzusetzen, die zwar auch für amtlichem Lärm und undefinierbare Geräusche sorgen, aber eine gewisse klangliche Kälte nicht abstreifen können. Das ist natürlich so gewollt und passt sehr gut zu dem selbstgewählten Szenario dieser Platte, die für NIN-Verhältnisse ungewöhnlich ruhig daherkommt. Aber auch damit lässt sich klarkommen, zumal „Year Zero“ im Zusammenhang eines mehrteiligen Konzepts gesehen (und gehört) werden muss. Überhaupt gehört so ein Werk wesentlich öfter gehört, als gewisser Elektromüll, der wöchentlich auf den Markt geschmissen wird.

Am Ende noch eine kleine Notiz: Nicht nur die aufwändig gestaltete Verpackung mit dem apokalyptischen Covermotiv ist ein echter Hingucker. Auch der reine Silberling erweist sich als Überraschung, stellt er doch das (vermutlich) weltweit erste Chamäleon unter den Compact Discs dar. Auf der Oberseite pechschwarz bedruckt, wandert der Rundling in das Abspielgerät, nur um später blütenweiß wieder herauszukommen. Ist das Hexerei oder sind hier dunkle Mächte am Werk? Die Lösung bleibt allen Nicht-Chemikern vorerst im Verborgenen. Denn zurück in der Hülle verfärbt sich die CD wieder in eine schwarze Scheibe, als wäre nichts gewesen. Herr Reznor, sie machen uns Angst.

Anspieltipps:

  • Hyperpower!
  • The greater good
  • Meet your master
  • The beginning of the end
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