Fall Out Boy - Infinity On High - Cover
Große Ansicht

Fall Out Boy Infinity On High


  • Label: Island/UNIVERSAL
  • Laufzeit: 48 Minuten
Artikel teilen:
6/10 Unsere Wertung Legende
6/10 Leserwertung Stimme ab!

Perfekte Mitgrölrefrains und gute Laune.

Die Emo-Szene scheint sich durch besonderen Einfallsreichtum auszuzeichnen, was die Songtitel betrifft. Nicht nur Panic! At The Disco, die mit ihrem Debüt „A fever you can´t sweat out” (05/2006) Stücke wie „The only difference between martyrdom and suicide is press coverage”, “Lying is the most fun a girl can have without taking her clothes off” oder „There's a good reason these tables are numbered honey, you just haven't thought of it yet” offenbart hatten, bedienen sich an elendslangen Bezeichnungen für ihre Tracks, auch Fall Out Boy, die mit ihrem letzten Output „From under the cork tree” (05/2005) in Amerika Doppel-Platin einheimsten, erfreuen sich an den überdimensionierten Titeln.

„Our lawyer made us change the name of this song so we wouldn't get sued”, „I've got a dark alley and a bad idea that says you should shut your mouth” und „I slept with someone in Fall Out Boy and all I got was this stupid song written about me” vom Vorgänger und „I´m like a lawyer with the way I´m always trying to get you off” oder „I´ve got all this ringing in my ears and none on my fingers” vom nun erscheinenden vierten Werk „Infinity on high” zeigen, dass Fiona Apples 90 Wörter langes 1999er Album „When the pawn…” wahrscheinlich nicht mehr lange im Guinness Buch stehen wird. Dabei haben es die vier Jungs aus Illinois gar nicht nötig ihre Songs künstlich aufzublasen, da sie dadurch nämlich auch nicht origineller oder besser werden.

Angefangen durch eine Einleitung von Jay-Z donnert „Thriller“ zwar noch recht gefällig aus den Boxen, Produzent Neal Avron (New Found Glory, Everclear) scheint die auf Fall Out Boy zutreffende Bezeichnung „durchschlagender Erfolg“ wohl auch musikalisch umsetzen zu wollen, doch bereits „The take over, the break´s over“ oder „I´m like a lawyer...“ suhlen sich im Anschluss in „Emo meets Maroon 5“ der durchschnittlichen, chartgeilen Sorte. Die erste Single „This ain´t a scene, it´s an arms race” kracht dafür tanzbar-punkrockig mit ultra-perfektem Mitgrölrefrain ums Eck, dass sofort gute Laune aufkommt. Nett, aber seicht wird’s mit „Hum hallelujah“, das einen ekelhaften Gospelteil in sich trägt, der jedoch dermaßen geschickt und stadiontauglich eingebaut wurde, dass man vor Patrick Stump (Gesang, Gitarre), Joe Trohmann (Gitarre), Pete Wentz (Bass, Gesang) und Andy Hurley (Schlagzeug) nur neidlos den Hut zücken kann.

Das Schmalz trieft dann mit der Pianoballade „Golden“ aus allen Poren, eine schleichende Angelegenheit, die „Thnks fr th mmrs“ mit Streichergeplänkel und melodischer Versiertheit sofort vergessen lässt, bis „Don´t you know who I think I am?“ mit Handclaps und Oh Oh´s wieder deutlich auf die Stadien dieser Welt abzieht. „The life of the party“ wandelt im Anschluss auf dem Weg des geringsten Widerstandes und kann mit seiner braven Darbietung keine Pluspunkte einheimsen, genauso wenig wie „The carpal tunnel of love“, das im Vergleich zu „Bang the doldrums“ keine Präsenz aufbieten kann. Bevor es allerdings mit „I´ve got all this ringing...“ wieder orchestraler und schmachtender ans Werk geht, dürfen „Fame < infamy” und „You´re crashing, but you´re no wave“ zeigen, dass man trotz rockiger Absichten baden gehen kann, denn keiner der beiden Songs ist wirklich überzeugend. Mit ein paar passablen Stücken und der makellosen Produktion an Bord retten sich Vier zwar über den Durchschnitt, wieso es Fall Out Boy hierzulande jedoch noch immer nicht geschafft haben durchzustarten, während die Truppe in den USA eine Platin-Auszeichnung nach der nächsten einheimst, zeigt die fehlende Konsequenz von „Infinity on high“, die experimentelle Ansätze im Keim erstickt.

Anspieltipps:

  • Thriller
  • Thnks Fr Th Mmrs
  • Bang The Doldrums
  • I´ve Got All This Ringing In My Ears And None On My Fingers
Neue Kritiken im Genre „Rock“
Diskutiere über „Fall Out Boy“
comments powered by Disqus