Neal Morse - Sola Scriptura - Cover
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Neal Morse Sola Scriptura


  • Label: InsideOut/SPV
  • Laufzeit: 66 Minuten
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4/10 Unsere Wertung Legende
5.3/10 Leserwertung Stimme ab!

Dieses Album ist der Beweis, dass es keinen guten Gott geben kann.

Dieses Album ist der Beweis, dass es keinen guten Gott geben kann. Ein guter Gott hätte es nicht zugelassen, dass Neal Morse immer mehr zu einer religiösen Karikatur verkommt. „Sola Scriptura“ ist das inzwischen sechste gleiche Album, das er veröffentlicht. Der nächste Schritt kann eigentlich nur noch die Gründung einer eigenen Sekte, ein Stammplatz bei Bibel TV oder eine namentliche Erwähnung in der Heiligen Schrift sein. Letztere hätte er zumindest verdient, denn es gibt wohl keinen Musikus, der mir größerem Eifer und leidenschaftlicherer Hingabe versucht, Gottes vermeintliche Botschaft in die Welt zu tragen. Das Problem ist nur, dass es wohl kein atheistischer Morse-Fan mehr ertragen kann.

Musikalisch ist „Sola Scriptura“ hingegen in Ordnung, wenn es auch absolut nichts Neues und keine Highlights bietet. Anerkennen muss man nach wie vor, dass Neal Morse ein Meister seines Fachs ist. Und wer mit solch einer charismatischen Stimme ausgestattet ist, den verzeiht man auch gerne, wenn er im wahrsten Sinne des Wortes gebetsmühlenartig die immer gleichen religiösen Phrasen von sich gibt. Aber nicht in dieser Penetranz. Irgendwann ist das Maß einfach voll. Und mit „Sola Scriptura“ hat Morse die Grenze des Erträglichen endgültig überschritten. Textlich setzt sich Morse mit der Reformation auseinander, wobei insbesondere Martin Luther eine wichtige Rolle einnimmt. Als Füllung für historische Wissenslücken eignet sich „Sola Scriptura“ dennoch nicht, denn offenbar war Herr Morse gerade Milch holen, als dieses Thema im Geschichtsunterricht behandelt wurde. Alles in Allem wirkt es wie ein kläglicher, plakativer Versuch, das bisherige Geschwafel über Gott und die Welt ein wenig zu relativieren. Kirchliche Pseudokritik par excellence. Letztlich handelt es sich doch wieder nur um eine Fortsetzung des Altbekannten.

Als Verstärkung hat sich Morse dieses Mal Gitarrenvirtuose Paul Gilbert ins Boot geholt. Dessen nuanciertes Spiel ist im Grunde auch das einzig wirklich nennenswerte Element, welches eine nähere Beschäftigung mit „Sola Scriptura“ empfehlenswert macht. Als Trommlerjunge steht Morse wie eh und je Mike Portnoy von Dream Theater zur Seite, jedoch ist dessen Anteil an diesem Werk wegen Gewöhnlichkeit vollkommen vernachlässigbar. Neal Morse war einst vor Allem in seiner Funktion als Bandleader von Spock’s Beard der Hoffnungsträger der Prog-Gemeinde. Sah es zwischenzeitlich so aus, als wäre die Trennung Morse besser bekommen als den Bärten, hat sich diese Eindruck mittlerweile ins Gegenteil verkehrt. Die Bärte sind obenauf, wie ihr letztes Studioalbum eindrucksvoll bewies. Aber Neal Morse steht noch immer an derselben Stelle, an der er einst begann. Alle anderen sind an ihm vorbeigezogen. Nun ist er ganz allein. Gott ist tot. Und es war Selbstmord.

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