Beatsteaks - Limbo Messiah - Cover
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Beatsteaks Limbo Messiah


  • Label: Warner Bros.
  • Laufzeit: 31 Minuten
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10/10 Unsere Wertung Legende
7/10 Leserwertung Stimme ab!

Das mittlerweile fünfte Studioalbum der nach den Ärzten zweitkultigsten Band unserer Hauptstadt findet seinen Weg in den CD-Spieler.

Die Stereoanlage prustet angeschlagen vor sich hin und aus den Boxen steigen Rauchschwaden empor. Im Zimmer sind ringsum zerfetzte Bücher, hüllenlose CDs und zerrissene Klamotten verstreut. Der Schreibtisch hängt im zerbrochenen Fenster und könnte jeden Moment einen fünfstöckigen Abgang Richtung Bordstein antreten. Das Hochbett ist in sich eingefallen und der Laminatboden hat sich nach oben gewellt. Die Gitarre aus Teenager-Lagerfeuertagen liegt verloren und zertrümmert in der Mitte des Raumes und scheint von Kurt Cobain höchstpersönlich bearbeitet worden zu sein. Die Zimmertür wurde aus den Angeln gehoben und der kleine Glastisch ist in zigtausend Scherben zersprungen. Durch ein Loch in der Wand kann man in das Badezimmer der Nachbarn spähen und die lose vor sich hinbaumelnden Kabel der abgerissenen Deckenleuchte sprühen Funken in alle Himmelsrichtungen. Was ist passiert?

Knapp 31 Minuten zuvor: Das mittlerweile fünfte Studioalbum der nach den Ärzten (noch!!!) zweitkultigsten Band unserer Hauptstadt findet seinen Weg in den CD-Spieler. Und es ist unüberhörbar. Die Beatsteaks erfinden sich mal wieder neu und schlagen ungeahnte musikalische Brücken zwischen punkiger Härte und rockiger Gelassenheit. Die Beatsteaks sind zurück. Und zwar mit einem von Haarscheitel bis Fußsohle durchströmenden, blitzartigen Energieschauer. Es reift die Erkenntnis: „Limbo Messiah“ ist völlig anders und dabei doch typisch Beatsteaks.

„As I Please“ ist irgendwo zwischen Voll-auf-die-Zwölf und bekanntem melodiösen zappelnden Sound á la „Smack Smash“ zu verorten. Shakende Gitarren, aufreibender Basslauf und die unverkennbare Unbeschwertheit des Berliner Quintetts geben die Richtung der nächsten knapp halben Stunde vor. Die erste Singleauskoppelung des Albums, „Jane Became Insane“, rockt in bester Queens-Of-The-Stone-Age-Tradition und wächst am Ende überraschend zu einem unverblümten Ohrwurm heran. Bei „Sharp, Cool & Collected“ könnte man meinen, der Drummer hätte einige Wochenenden mit dem wahnsinnigen, ans Schlagzeug angeketteten „Tier“ aus der Muppet Show verbracht. Die Drums wirbeln stürmisch durch das Stück und reißen von einer Katapultartigen Energie angetrieben, alles um, was sich in den Weg zu stellen wagt. Das im Gegensatz dazu relaxt swingende „Meantime“ kann man sich jetzt schon hervorragend als tanzbaren Sommerhit vorstellen, und das mit gefühlten 150 km/h vorbeirasende „Demons Galore“ brennt ein Stakkato-Gitarren-Punkfeuerwerk aller erster Güte ab.

Auf „Cut Off The Top“ vermischen sich Ska und Sprechgesangelemente mit eingestreuten Soundeffekten zu einer verdammt coolen Mixtur, welche die Boxen im Quadrat springen lässt. „Bad Brain“ ist schroff, hart und erbarmungslos. Bei diesem Hardcorekracher sind Pogo Orgien vorprogrammiert und es sei dringend anzuraten, sich nur mit ausgewiesenem „In die Luft springen"-Zertifikat in die ersten Reihen eines Live-Konzerts zu begeben. Soul Legende Marvin Gaye muss Pate für den wohl außergewöhnlichsten Beatsteak-Song seit Bandgründung gestanden haben. „She Was Great“ groovt noch relaxter als „I Don’t Care As Long You Sing“, und Arnim erstaunt mit ungewohntem Falsettgesang. Auf „Soljanka“ marschiert dann die Poprockarmee im Gleichschritt, um wenig später zu einem epischen Progrock Ungetüm aufzubrausen. Und das mit 80er New Wave Requisiten ausgestattete „Hail To The Freaks“, rockt mit einem mechanisch wirkenden Beat unverschämt stampfend ins Ohr.

Mit „E-G-O“ beschließen die Fünf dann ihren wahnsinnig beeindruckenden Rockorkan. Durch Klavier und Orgel angespornt, toben sich die fünf schließlich noch einmal nach Herzenslust aus. Spätestens nach dem letzten verklungenen Ton ist man sich darüber im Klaren, wer für das heillose Chaos im Zimmer verantwortlich ist. Bleibt nur noch aufzuräumen, die Spuren des Sturms zu beseitigen und durch das unausweichliche Drücken der Play-Taste, den Tornado namens Beatsteaks aufs Neue zu entfachen.

Anspieltipps:

  • As I Please
  • Bad Brain
  • She Was Great
  • Hail To The Freaks
  • E-G-O
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