The Earlies - The Enemy Chorus - Cover
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The Earlies The Enemy Chorus


  • Label: Grönland/CARGO
  • Laufzeit: 50 Minuten
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6/10 Unsere Wertung Legende
4.5/10 Leserwertung Stimme ab!

Tagtäglich lassen uns die Auswüchse des Internets den Kopf schütteln oder zumindest verwundert staunen, wie diese virtuellen Räume persönliche Kontakte ausgleichen wollen. So auch im Falle von Brandon Carr, dem Sänger der Earlies. Dieser nahm in seiner amerikanischen Heimat die Gesangsspuren für deren Debüt „These Were The Earlies“ auf, während der Rest der Band in England an der Musik arbeitete. So veröffentlichten The Earlies ihren ersten Longplayer, ohne jemals ihren Sänger in Augenschein genommen zu haben. Bis zu der letzten Aufnahme zu dem nun vorliegenden „The Enemy Chorus“ sollte das auch so bleiben und stattdessen das Internet und Telefon als Kommunikationsbasis herhalten. Glücklicherweise verstand man sich gleich beim ersten realen Treffen und konnte so mit bestem Gewissen die weiteren Schritte als The Earlies gehen. Bevor es im März zu vier Deutschland-Auftritten als zehnköpfiges Live-Orchester kommen wird, gilt es, der Konserve zu lauschen.

Was sich auf dieser abspielt, ist nicht nur nach dem ersten Hören höchst verschwommen und nur schwer zu orten. Selbst nach eingehender Beschäftigung mit „The Enemy Chorus“ kommt man zu keinem manifesten Entschluss, was sich uns da außer psychedelischer Versponnenheit und entrückter, keinem roten Pfaden folgenden Eskapaden in den Weg stellt. Auf das klassische Gitarre/Bass/Schlagzeug-Schema wird zugunsten von unruhig flatternden Bläsereinsätzen, synthetischen Auswüchsen und partieller Pop-Affinität mit einem stimmlich wunderbar aufgelegten Brandon Carr verzichtet. Das macht die Sache schwer, doch nicht unlösbar. Denn immerhin stechen Fixpunkte wie „The Ground We Walk On“ hervor, bei dem der Hörer von der minimalistischeren Instrumentierung aus Akustikgitarre und leichten Synthesizer-Verzierungen profitiert, während er bei so manchen Beiträgen aus dem Hause der Earlies erschrocken hochfährt und sich zurecht fragt, ob man diesen träumerisch schwebenden Klangteppichen immer wieder aufs Neue Disharmonien entgegen setzen muss.

Das ist dann auch schon der Knackpunkt, bei dem die Earlies zu viel wollen und eher verstören als faszinieren, obwohl sie durchaus das Potential dazu haben, es nur viel zu selten unter Beweis stellen. Insgesamt gibt es tolle Momente, die meistens in den leichter zugänglichen, auch als Anspieltipps gewählten Songs zum Tragen kommen und fragwürdig „kunstvolle“ Exkursionen, in denen Zerrissenheit den Ton angibt, ohne sich am Ende zu einer komplett mitreißenden Traumreise zu fügen.

Anspieltipps:

  • The Ground We Walk On
  • Bad Is As Bad Does
  • When The Wind Blows
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