Kosheen - Damage - Cover
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Kosheen Damage


  • Label: Island/UNIVERSAL
  • Laufzeit: 63 Minuten
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7/10 Unsere Wertung Legende
5.4/10 Leserwertung Stimme ab!

Kosheen melden sich amtlich zurück, obgleich sie den Weg des geringsten Widerstands gehen.

Anfang der Neunziger fegte die Rave-Bewegung durch das Vereinigte Königreich und brachte eine exzessive Party nach der anderen in unterschiedlichsten Städten Englands hervor. Unter anderem war Bristol eine solche Metropole, in der sich ebenso das Subgenre TripHop etablierte und nicht nur durch Namen wie Massive Attack die Musikgeschichte belebte. Auch Darren Decoder und Markee Substance kommen aus dieser Stadt im Südwesten von England und ließen sich von neuartigen Musikstilen wie Jungle und Drum´n´Bass treiben, so dass schließlich eigene Songs entstanden und Sian Evans als Sängerin gewonnen werden konnte, um als Kosheen Drum´n´Bass eine offenere Ausstrahlung und mehr Pop-Appeal zu verleihen.

Die Singles „Hide U“, „Hungry“ sowie „Catch“ aus dem Debütalbum „Resist“ (2001) gaben dem Trio recht und schlugen nicht nur in den Clubs ein. Auch in europäischen Charts fanden sich Kosheen wieder, was sich mit dem weitaus ruhigeren und weniger elektronischen Zweitwerk „Kokopelli“ (2003) fortsetzte und fast vier Jahre danach in Form von „Damage“ erneut gelingen könnte. Trotz der im Titel angedeuteten und in den Texten weitergeführten Thematik aus Beziehungsdramatik, physischer wie psychischer Gewalt und Kriegsirrsinn sind die 14 Songs stets eingängig und voller zärtlicher Melodien, die im Zusammenspiel mit Sian Evans Stimme die bei diesem Gesang fast schon vorprogrammierte Gänsehaut erzeugen. Obwohl der Drum´n´Bass-Anteil zugunsten von Electro-Pop geschrumpft ist, knüpfen Kosheen eher beim Debüt an und ergänzen das luftige, elektronische Fundament um wenige akustische Zutaten.

Kosheen melden sich somit wahrlich amtlich zurück, obgleich sie den Weg des geringsten Widerstands gehen und „nur“ die logische Entwicklung nach dem bisherigen Geschehen präsentieren. Es wird sich auf´s Wesentliche konzentriert, was bei variablen, prägnanten Electro-Beats und einschmeichelnden Harmonien zusammen mit dem gewinnbringenden Gesang natürlich eher gut als schlecht, aber dennoch etwas mager als Entschädigung für die längere Kreativ-Pause ausfällt. Die schwebenden, ruhigen Songs wie das von Akustikgitarren und Streichern getragene „Cruel Heart“ oder das mit analogen Synthesizern spielerisch aufmunternde „Marching Orders“ sind zum Ende hin Gold wert und lassen somit einen Longplayer zurück, der in der stark gekürzten Promo-Version (25 Minuten) womöglich einen positiveren Eindruck verhindert.

Anspieltipps:

  • Chances
  • Not Enough Love
  • Cruel Heart
  • Marching Orders
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