Blackfield - Blackfield II - Cover
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Blackfield Blackfield II


  • Label: Snapper Music/SPV
  • Laufzeit: 43 Minuten
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9.5/10 Unsere Wertung Legende
6.7/10 Leserwertung Stimme ab!

Kennen Sie dieses Gefühl, wenn das Herz anfängt zu poltern, man am ganzen Körper zittert und sich der Brustbereich merkwürdig weich anfühlt? Wenn ja, dann waren Sie entweder schon mal verliebt oder haben Musik gehört, für die Sie keine Worte mehr fanden. Sie mögen dieses Gefühl? Sie können es jetzt jederzeit haben!

Blackfield ist die Bezeichnung für die Kollaboration zwischen Porcupine-Tree-Mastermind Steven Wilson und dem in seiner Heimat Isreal überaus populären Sänger Aviv Geffen, welcher aufgrund seines Engagements für den Frieden im Nahen Osten vor Allem unter der Jugend als Idol gilt. Ursprünglich wollten die beiden nur ein einziges Album aufnehmen, aber nach dem großen Spaß, den sie während des Entstehungsprozesses hatten, und den unerwartet großen Erfolg des Erstlings im Jahr 2004, war wohl beiden klar, dass diese Bindung von längerer Dauer sein wird.

Trotz der Teilnahme von Steven Wilson machen Blackfield weder Prog im engeren noch im weiteren Sinne, sondern lupenreinen Pop mit mehr oder weniger subtil eingesetzten Rockelementen, wobei stilistische Parallelen zu Porcupine Tree (insbesondere im Vergleich mit den Balladen der Band) natürlich nicht von der Hand zu weisen sind. Dennoch handelt es sich bei Blackfield um eine mainstreamorientierte Konsenspielart der Musik, die alle Hörer von Indie über Pop bis zu Prog in eine große, glückliche Gemeinschaft verwandeln könnte. Sämtliche Lieder sind von bemerkenswerter Eingängigkeit und weisen eine gleichermaßen leichtfüßige wie positiv-melancholische Dichte auf, die ihresgleichen suchen dürfte.

Die Ausgangsfrage, die sich bei „Blackfield II“ unweigerlich stellt, ist: wie kann man perfekte Ohrwurmmusik noch besser machen? Und geht das überhaupt? Und wie das geht! Schon das Debütalbum zeichnete sich durch Kompositionen aus, deren Melodiebögen und teils stadiontaugliche Refrains sich mit verflixter Effektivität ins Ohr bohrten. Dabei gelang es Wilson und Geffen zu jeder Zeit authentisch, bodenständig und weltgewandt zu bleiben. Anders ausgedrückt: plakativen Schönheitskitsch suchte man glücklicherweise ebenso vergebens wie ästhetisch-langweiliges Gedöns der Marke „Presets“ von Sylvan. Mit 35 Minuten Spielzeit war das Ganze jedoch ein bisschen kurz geraten.

Die erwähnten Eigenschaften treffen im Prinzip auch auf den zweiten Streich des Duos zu. Allerdings wirkt das Album noch eine Ecke geschlossener, reifer, erwachsener – und spannender. „Blackfield II“ ist gespickt mit Highlights, aber der ultimative Song lauert sozusagen als krönender Abschluss erst am Ende des Albums. „End of the world“ ist ein vor Erhabenheit berstendes Wunder der Musik Das Pianospiel – von betörender Schönheit. Der Refrain – ein Augen- bzw. Ohrenöffner. Die Gänsehaut – meterdick. Definitiv einer dieser Übersongs, die für alle Ewigkeit im Gedächtnis verankert bleiben. Die größte Überraschung dabei ist, dass das Lied nicht aus der Feder von Steven Wilson stammt. Der Erstling wurde von vielen nicht zu Unrecht als ein „Steven Wilson featuring Aviv Geffen“-Album bezeichnet, da man den Anteil des Isrealis mit der Lupe suchen musste. Entsprechend klang „Blackfield I“ in den Ohren vieler Hörer als die Lightversion von Porcupine Tree. Dagegen dominiert auf „Blackfield II“ Aviv Geffen, der sich mit Ausnahme von „Once“, „Christenings“ und „My gift of silence“ für den Großteil der Songs verantwortlich zeichnet. Das dadurch entstandene Spannungsfeld dürfte für eine deutlich längere Halbwertszeit sorgen als bei „Blackfield I“, das sich auf Dauer doch ein wenig abnutzte.

Neben dem grandiosen „End of the world“, vor dem alle anderen Lieder des Albums beinah verblassen, sind es vor Allem atmosphärische Schwergewichte wie „1000 people“ und „This killer“ für die man Geffen die Füße küssen möchte. Ganz großes Kino ist auch „Miss U“, bei dem Geffen beweist, dass er nicht nur tolle Songs schreiben, sondern auch hervorragend singen kann. „Epidemic“ würde sich dagegen gut auf jedem Rock-Sampler machen. Die in diesem Text nicht explizit erwähnten Titel sind nicht etwa Ausfälle, sondern fügen sich mit ihren ebenfalls vor Harmonie platzenden Arrangements viel mehr nahtlos in die kuschelige Stimmung ein.

Man weiß eigentlich nicht, an welcher Stelle man Kritik anbringen soll, zumal sich auch die Spielzeit mit einer knappen Viertelstunde im durchaus akzeptablen Bereich bewegt. Allerdings thront „End of the world“ derart übermächtig über den Rest des Albums, dass dieser schon beinah zur Gewöhnlichkeit verdammt ist, was objektiv gesehen natürlich nicht zutrifft. Man kann eigentlich nur niederknien vor diesem fantastischen Kleinod, das es verdienen würde, groß zu werden. In einer perfekten Welt würden die ersten zehn Plätze der Charts aus den zehn Titeln dieses Album bestehen. Aber die Welt ist nicht perfekt, wie mittels aufwändiger empirischer Studien herausgefunden wurde. Allerdings kann sich dank „Blackfield II“ jeder für 43 Minuten in eine perfekte Welt begeben. Die Veröffentlichung in der Woche des Valentinstags könnte nicht passender sein.

Anspieltipps:

  • Once
  • Miss U
  • Epidemic
  • This killer
  • 1000 people
  • End of the world
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