Chris Caffery - Pins And Needles - Cover
Große Ansicht

Chris Caffery Pins And Needles


  • Label: Metal Heaven
  • Laufzeit: 57 Minuten
Artikel teilen:
5.5/10 Unsere Wertung Legende
4.7/10 Leserwertung Stimme ab!

Wenn man den Worten Jon Olivas Glauben schenken darf bzw. muss, dann steht das endgültige Ende von Savatage kurz bevor. Die 25jährige Bandhistorie soll im Jahr 2007 mit einem Abschlusskonzert gekrönt werden. Danach will sich Mr. Oliva ganz seiner Solokarriere und seinem Trans-Siberian-Orchestra widmen. Bedenkt man, dass die letzten Savatage-Veröffentlichungen im Kontext der eigenen Diskographie bestenfalls als akzeptabel durchgingen und Jon Oliva selbst an die Tradition dieser einst großen Band mit seinem Pain-Projekt eindrucksvoll anknüpft (veröffentlichte er doch erst 2006 mit „Maniacal Renderings“ ein absolutes Meisterwerk, welches es mühelos mit sämtlichen Savatage-Klassikern aufnehmen kann) kann man die bevorstehende Auflösung sicherlich verschmerzen, zumal auch Zak Stevens mit Circle II Circle und eben Chris Caffery längst an neuen musikalischen Ufern gelandet sind. Letzterer bringt in diesen Tagen mit „Pins and needles“ sein inzwischen drittes Soloalbum nach „Faces“ (2004) und „W.A.R.P.E.D.“ (2005) heraus.

Dem ersten Eindruck nach ist „Pins and needles“ vor allem eines: verstörend. So viel Abwechslungsreichtum und Ideenvielfalt hätte man dem Blondie gar nicht zugetraut, obgleich sein 2005er-Opus „Faces“ ein beachtliches Stück Musik war. Man ist nach den ersten Hördurchgängen durchaus geneigt, einen lustlosen Verriss zu schreiben und das Album in die Ecke zu pfeffern, auf dass es vor sich hin verstauben möge. Es braucht schon einigermaßen strapazierfähige Ohren und einen ausgeprägten Sinn für wahrhaft progressive Musik, um „Pins and needles“ eine faire Chance zu geben, denn hinter der kopflos und ungestüm wirkenden Zerfahrenheit verbergen sich komplexe, mit allerlei Einfällen angereicherte Kompositionen, an denen Freunde ambivalenter Klänge durchaus Gefallen finden könnten.

Natürlich ist „Pins and needles“ deswegen noch lange kein Album, das es etwa mit dem letzten Pain of Salvation – Album „Scarsick“ aufnehmen kann, denn so randvoll mit tollen Ideen das Album auch sein mag, hat es Caffery einfach verpasst, diese in wirklich überzeugende Songs umzusetzen. Der berühmte rote Faden ist nur in Fragmenten erkennbar. Es beschleicht einem der Gedanke, Caffery hätte seine Ideen nach dem Prinzip Zufall zusammengemixt und auf Platte gebannt. Songdienliches Writing scheint nicht stattgefunden zu haben. Lediglich der Opener „Pins & needles“, das ziemlich düstere „Walls“ sowie „Chained“ weisen noch so etwas wie eine erkenn -und nachvollziehbare Struktur auf. Aber selbst hier lässt sich Caffery zu oft zu Instrumentalexzessen hinreißen, die dann so gar für abgestumpfte Gehörgänge zu viel des Guten sind. Auch der leicht krächzige Gesangsstil dürfte nicht jedermanns Sache sein. Von Totalausfällen á la „Sad“ und experimentellen Sondermüll wie „Qualdio“ ganz zu schweigen.

„Pins and needles“ - ein Album, nach dessen Anhören man sich fühlt, als hätte man sich mit eben diesen pins and needles die Gehörgänge gereinigt. Freunde harmonischer, melodieträchtiger Klänge machen den weitestmöglichen Bogen um dieses Werk und auch Prog-Fanatiker mit einem gewissen Hang zum Masochismus sollten vor dem Kauf probehören. Leider nur bedingt empfehlenswert.

Anspieltipps:

  • Walls
  • Chained
  • Pins & Needles
Neue Kritiken im Genre „Progressive Metal“
Diskutiere über „Chris Caffery“
comments powered by Disqus