Scream Silence - Aphelia - Cover
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Scream Silence Aphelia


  • Label: Plainsong/ALIVE
  • Laufzeit: 56 Minuten
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8/10 Unsere Wertung Legende
5.2/10 Leserwertung Stimme ab!

In punkto Atmosphäre brauchte man sich bei den Berliner Dark/Gothic Rockern Scream Silence bislang noch nie beschweren. Waren schließlich bereits die Frühwerke wahre Kleinode der düsterschweren Rockmusik, so bekam Album Nummer vier nach nichtssagenden Titeln wie „The 2nd“ (2001) oder „Seven tears“ (2003) auch endlich den Namen, den ein Output des Fünfers verdient hat, nämlich „Elegy“ (2004). Schließlich wären die Songs ohne Hardy Fietings beruhigende und melancholische Stimme nur halb so schön und von keiner vergänglichen Aura behangen.

Das sechste Oeuvre erscheint nun gerade einmal ein Jahr nach „Saviourine“ (2006) und macht genau dort weiter, wo der Vorgänger aufgehört hat, denn gleich der Opener „My eyes“ schlägt galant eine Brücke zu der Schwermut der Sisters Of Mercy und schwelgt in bekanntem, jedoch nie kitschig anmutendem Leid. Überhaupt gestaltet sich „Aphelia“ (die Sonnenferne aus der griechischen Mythologie, hier symbolisiert sie ein Mädchen, das für die Zerbrechlichkeit der menschlichen Seele steht) mit einem flächendeckenden Klangbild als ein Album aus einem Guss, was vor allem durch das wunderbare Zusammenspiel zwischen den übrigen Scream Silence-Mitgliedern Robert Klausch (Gitarre), René Gödde (Gitarre), Hagen Schneevoigt (Bass) und Heiko Wolf (Schlagzeug) mit Fietings Organ seinen Reiz erhält.

Wieso bekommt „Aphelia“ dann nicht die volle Punktezahl? Natürlich stellen Songs wie das ungewöhnlich harte „Harvest“, „Kerosene“, „Nothingness“ oder „Unspoken“ Paradebeispiele für wunderschön arrangierte Musik mit einem charismatischem Sänger dar, doch auch bei Scream Silence gilt der Leitspruch „wo gehobelt wird, da fallen Späne“. So trägt „Riders“ zum Gesamteindruck rein gar nichts bei und hätte genauso gut weggelassen werden können und das abschließende, ausufernd epische „Aphelia“ strapaziert trotz seiner anfänglich zurückhaltenden, tragenden Stimmung und einem überraschenden, aus dem Hinterhalt kommenden Ausbruch mit überzogener Introvertiertheit, was in einen mehrere Minuten langen Gitarrendiskurs gipfelt, womit auch das Album endet. Außerdem hätte ein etwas weniger dünn klingender Schlagzeug-Sound nicht geschadet. Nichtsdestotrotz festigen die Berliner mit diesem Longplayer ihr deutsches Monopol im Sektor Gothic Rock.

Anspieltipps:

  • My Eyes
  • Unspoken
  • Nothingness
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