The Hold Steady - Boys And Girls In America - Cover
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The Hold Steady Boys And Girls In America


  • Label: PIAS/Rough Trade
  • Laufzeit: 40 Minuten
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8/10 Unsere Wertung Legende
5.2/10 Leserwertung Stimme ab!

Merkwürdiger Name, schreckliches Cover. Ganz klar: es kann sich nur um eine Indie-Band handeln. Genauer gesagt um „The Next big thing“, wenn man der einschlägigen Berichterstattung Glauben schenken darf. Aber: wichtig ist auf'm Platz bzw. auf der Platte. Und die schauen wir uns jetzt mal genauer an. The Hold Steady ist eine fünfköpfige Rockkapelle aus dem New Yorker Stadtteil Brooklyn. Die Legende will es, dass die beiden Gründungsmitglieder namens Tad Kubler und Craig Finn auf dem heimischen Sofa saßen und sich Martin Scorseses „The Last Waltz“ ansahen – ein kultisch verehrter Dokumentarfilm aus dem Jahre 1978 über das gleichnamige fünfstündige Abschiedskonzert der von 1957 bis 1976 existierenden einflussreichen Rockformation The Band. Ein einmalig spektakulärer Auftritt, dem auch Musikgrößen wie Eric Clapton und Neil Diamond beiwohnten.

Der Film bzw. das Konzert markierte das Ende der Woodstock-Ära. Eine nicht unbedingt bedauernswerte Tatsache, die Kubler und Finn nicht hinnehmen wollten. Und so kam es, dass sie, wie sie da so auf dem Sofa saßen und die Vergangenheit diskutierten, beschlossen eine Band zu gründen, die in der Tradition eben dieser Woodstock-Ära stehen sollte. The Hold Steady war geboren. Nur gab es wohl nicht allzu viele Zeugen dieser Geburt, denn die ersten beiden Alben „Almost Killed Me“ (2004) und „Seperation Sunday“ (2005) fanden außerhalb des Genres kaum Gehör. Immerhin erlaubte Album Nummer zwei den Wechsel zu einem größeren Label, bei dem auch zumindest in Indie-Kreisen bekannte Künstler wie Alexisonfire und Dashboard Confessional unter Vertrag stehen. Mit dieser Unterstützung im Nacken erspielten sich The Hold Steady unter anderem einen respektablen achten Platz in den Jahrescharts 2006 des Rolling Stone Magazines. Fortan war es nur noch eine Frage der Zeit bis die Bekanntheit der Band über das europäische Festland kommen sollte.

Es ist keine Überraschung, dass The Hold Steady nun auch hierzulande überall in den höchsten Tönen gelobt werden. Doch wer dahinter einen bösen, ungerechtfertigten Hype vermutet, sollte ganz schnell den Stock aus seinem verlängerten Rückenmark ziehen und sich wieder unter seinen Stein verkriechen, denn „Boys And Girls In America" ist wirklich so gut, wie es allerorten zu vernehmen ist. Der Name, der bei einer Besprechung dieser Platte unweigerlich fallen muss, ist der vom Boss. Nein, nicht von dem im Himmel. Aber fast. Auf dem Rockolymp sitzt Bruce Springsteen schon lange und denkt auch gar nicht daran herunterzukommen. Vielleicht sollte er sich aber lieber an seinem Thron festbinden, denn die Emporkömmlinge von The Hold Steady sind drauf und dran ihn mit sanfter Gewalt von selbigen zu stürzen. Wer „Boys And Girls In America“ in seiner Gänze genießen will, sollte zunächst 20 Jahre in den USA Leben und sich dann erst die Platte kaufen, denn ohne die entsprechende kulturelle und geschichtliche Prägung dürfte das Album nicht ganz so viel Spaß machen. Das sollte allerdings nicht als Grund für den Nicht-Kauf dieser CD verstanden werden, denn aufgeschlossene Rocknaturen dürften an „Boys And Girls In America“ selbst dann ihre helle Freude haben, wenn sie die Umstände und Hintergründe der Band völlig ignorieren.

Und zwar deshalb: „Boys And Girls In America“ ist eine Old-School-Rock-Spaßrakete aller erster Kajüte. Von der Zündung bis zur Explosion zieht sie einen in den schillerndsten Farben blinkenden Schweif hinter sich her. Bereits das kurze Intro des Eröffnungstitels „Stuck between stations“ mach hellhörig. Man beginnt sofort im Takt mit dem Fuß zu wippen und dem Kopf zu nicken. Man möchte seine Freunde zusammenrufen und auf der Stelle feste feiern. Craig Finns Stimme könnte jedoch dem ein oder anderen zu exaltiert sein. Mich erinnert sie jedoch wohltuend an Bruce Springsteen (wenn er gerade nicht nuschelt) und an Social-Distortion-Frontman Mike Ness. Von „Chips ahoy!“ über „Massive nights“ und „Chillout tent“ bis „Southtown girls“" – dieses Album ist eine große Musik gewordene Party.

Fazit: Mit „Boys And Girls In America“ sind The Hold Steady den Vorschusslorbeeren vollkommen gerecht geworden. Dass sich die Strukturen der Songs im Wesentlichen ähneln und Innovationen Fehlanzeige sind, stört bei all dem Spaß, den man während der rasend schnell vergehenden 40 Minuten hat, nur noch Leute, die zum Lachen in den Keller gehen.

Anspieltipps:

  • Chips ahoy!
  • Chillout tent
  • Massive nights
  • Stuck between stations
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