Data MC - Data Invasion - Cover
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Data MC Data Invasion


  • Label: Hamton/Rough Trade
  • Laufzeit: 41 Minuten
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7.5/10 Unsere Wertung Legende
5/10 Leserwertung Stimme ab!

Um sich heutzutage als Neuling in der Musikszene etablieren zu können, muss man entweder die richtigen Kontakte nach ganz oben haben, oder man muss in der Lage sein, etwas zu schaffen, das so neu und abgefahren ist, dass man sich mit seiner Arbeit aus dem immer größer werdenden Meer aus Künstlern herauskristallisiert. Ein beliebtes Mittel ist dabei die Kombination verschiedener Musikrichtungen, um dabei einen neuen Crossover-Sound zu schaffen, der die Massen begeistert. Zu sehen war dieser Trend vor allem in den letzten Jahren mit dem Nu-Metal Hype, der uns dank der Musikindustrie brauchbare Bands wie Linkin Park und Crazy Town, aber auch Gurken wie Lafee oder Tokio Hotel bescherte. Dass es aber auch ganz anders und erfrischend neu geht, zeigen uns DataMc aus Berlin. Sie kombinieren die beiden angesagtesten Musikrichtungen, nämlich HipHop und clubtauglichen Electro, und wollen so ihren ganz eigenen Sound schaffen, der die Leute begeistern soll. Ob das wohl aufgeht?

Die Chancen stehen zumindest mal nicht schlecht. Zum Ersten, da diese Crossover-Variante noch relativ unverbraucht ist. Bisher gab es lediglich einige wenige, nennenswerte Versuche, diese beiden Stile unter einen Hut zu bringen. So produzierten „Elektrochemie LK“ auf ihrem Debutalbum „Gold!“ in Zusammenarbeit mit „Flowin Immo“ den Track „Ein Nenner“, welcher erstmals clubtauglich HipHop und Electro miteinander kombinierte. Zum Zweiten, da hinter DataMc bekannte Köpfe stecken, die alle etwas von ihrem Handwerk verstehen. Da wären zum Beispiel MC Ono, der sich durch die Rap-Formation „Walking Large“ einen Namen machen konnte. Auf der Electro-Seite stehen Größen wie Walera Goodman, der sich bereits als Produzent etabliert hat und nun für die Background Vocals verantwortlich ist, sowie DJ San Gabriel, Mitorganisator der liveDEMO, einer der größten Partyreihen in Berlin, in der sich auch die Wurzeln von DataMC finden. Und zum Dritten waren sie bereits 2005 mit ihrem Konzept „Elektronik trifft HipHop“ Sieger bei der VW Soundfoundation. Wie man sieht, schaut das Ganze zumindest theoretisch nach einem brauchbaren Crossover aus, doch kann man damit auch eine ganze CD füllen?

Nach dem etwas merkwürdigen Intro beginnt der Track „Mad Ball“ schon mal sehr abgefahren und entwickelt sich bald zum ersten Highlight des Albums. Dreckige Basslines und abgefahrene, elektronische Klänge bilden einen faszinierenden Soundteppich, in den sich MC Ono mit seinem Rap richtig einweben kann und so fängt der geneigte Hörer schon nach wenigen Sekunden unweigerlich an, mit dem Kopf zu nicken. Dabei funktioniert der Track aus einem ganz simplen Grund: Sowohl der elektronische, als auch der gerappte Part passen ideal zusammen und wirken perfekt aufeinander abgestimmt. Würde man Electro und HipHop separat voneinander laufen lassen, würden sie in sich dennoch jeder für sich ein eigenes, gutes Lied abgeben.

Dass das leider nicht auf dem ganzen Album so funktioniert, merkt man schon an den folgenden Tracks. Zwar wirken die Gitarrenriffs im folgenden „Handsome“ ziemlich groovy, doch passen sie nicht in das Konzept des Liedes und schneiden sich mit dem Raps, so dass das ganze klingt als hätte man es separat voneinander produziert und dann einfach zusammengeklatscht, ohne zu versuchen, das ganze aufeinander abstimmen, wie es in „Mad Ball“ der Fall war. In „What About It“ steht stärker der HipHop im Vordergrund, der nur mit einer Bassline und geringem elektronischem Background unterlegt wird. Erst gegen Ende schraubt sich der Electro wieder nach oben und man beginnt langsam wieder damit, seinen Kopf zu nicken.

Das Skit „Munich“ wird bei den meisten wohl einen schnellen Druck auf die „Next“ Taste auslösen. Was genau das soll, will sich dem geneigten Hörer nicht genau erschließen. Also auf zum nächsten Track „Bad Girl“, der wieder verstärkt auf Rap setzt und dabei schon von fast Reggae ähnlichen Klängen unterlegt wird, was sich allerdings sehr entspannend und interessant anhört. Wer den folgenden Track „Vanity“ zum ersten Mal zu Ohren bekommt, dem dürfte sich die Frage aufdrängen, ob er gerade einen neuen Track von den „Gorillaz“ hört. Denn zumindest die Parts von Gastsänger „Kimo Greene“ erinnern, unterlegt mit einem extrem coolen Electro-Sound, sehr stark an oben genannte Künstler. Aber spätestens wenn Mc Ono seine Parts zu Gute gibt, weiß man wieder, dass man immer noch „Data Invasion“ im Player hat.

Ab hier könnte man dann denken, dass das Album einen Stilbruch macht. Lagen bisher die Schwerpunkte mehr auf dem HipHop Part, steht nun auf dem letzten Teil des Albums mehr der Electro im Vordergrund. In „Live Forever“ dröhnen erstmals wieder dreckige Basslines in Kombination mit abgefahrenen Synthesizern aus den Boxen, welche mit dem Rap wie in „Mad Ball“ eine geniale Kombination geben, die niemanden lange ruhig halten. Mit dem folgenden „Grab your Partner“ wartet gleich ein weiterer Knaller auf den Hörer der mit coolen featured Guests wie „Maxx & Kimo Greene“ auftrumpft und sich zu einem richtigen Ohrwurm entwickelt.

Das absolute Highlight kommt allerdings fast am Ende und nennt sich „Illegal Alien“. Eine solche Perfektion in der Verbindung Electro und HipHop hat es auf der Platte bisher nicht gegeben. Hier passt einfach alles exzellent zusammen. Das liegt sowohl an der coolen Bassline, den vielen verschiedenen Rap-Parts, aber auch an den perfekt eingebauten Electro-Sounds, die den Track tierisch abgespaced klingen lassen und ihn zu 100% clubtauglich machen. Der folgende Titel „So many…“ ist dagegen ein sehr ruhiger Song, in der Ono, unterlegt mit Gitarren- und Regensounds schon fast melancholisch über alles singt (!), was ihm Quer im Magen liegt. Mit HipHop oder Electro hat das nicht viel zu tun, klingt aber dennoch ganz nett. Der letzte Track ist ein durchgeknallter Remix von „Live Forever“, der das Herz jedes Electro-Fans mit vielen Synthies und C64 Sounds höher schlagen lässt und auch auf der Tanzfläche viele den Boden mit den Füßen schrubben lassen dürfte.

Nach gut 40 Minuten ist der Spaß dann auch schon vorbei und die Platte lässt den Hörer mit gemischten Gefühlen zurück. Einerseits klingt das ganze wirklich erfrischend neu und abgefahren, allerdings merkt man vor allem zu Beginn der CD dass das Ganze noch nicht die nötige Reife hat, dauerhaft zu funktionieren. Ab und an passen hier und da Elektronik und Rap nicht zusammen, klingen einfach zu künstlich aufeinander gepresst. Zum Glück ist der Großteil der Scheibe nicht mit dieser Kinderkrankheit befallen und trumpft mit einem frischen, groovigen und abgespacten Sound auf, der kaum jemanden ruhig sitzen lässt. Wenn die drei Berliner noch etwas an sich arbeiten, ihre Stärken noch verfeinern und weitere Hammertracks wie „Illegal Alien“ oder „Mad Ball“ auf die Clubs und Hörer loslassen, werden die Jungs auf jeden Fall in vielen Discos bald in der Dauerrotation laufen.

Anspieltipps:

  • Mad Ball
  • Illegal Alien
  • Grab Your Partner
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