Mika - Life In Cartoon Motion - Cover
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Mika Life In Cartoon Motion


  • Label: Island/UNIVERSAL
  • Laufzeit: 44 Minuten
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9/10 Unsere Wertung Legende
5.9/10 Leserwertung Stimme ab!

Nachdem Robbie Williams mit dem Versuch, tanzbaren Elektro-Pop zu machen fürchterlich badengegangen ist, macht uns Mika vor, wie intelligente Popmusik klingen muss.

Er sieht aus wie der Sohn, den Jim Morrison (The Doors) nie hatte und er singt wie ein Klon aus den Gibb-Brüdern (The Bee Gees), Robbie Williams und Freddie Mercury (Queen). Gemeint ist Michael Holbrook Penniman alias Mika, ein 23 Jahre junger gebürtiger Libanese mit Wohnsitz in London. Er legt mit seiner Debüt-CD „Life In Cartoon Motion“ das fröhlichste und abgefahrenste Popalbum seit langer Zeit vor, das die artverwandten Scissor Sisters (musikalisch wie sexuell...) wie eine todernste Schlechtwettercombo aussehen lässt.

Der Junge traut sich was! Er trällert im schrillsten Falsett und lässt dazu Kinder im Background singen. Er mischt Bläser, Piano und Streicher mit Discoklängen, Funkrock, Motown-Soul und Gospelchören. Dabei durchstreicht er geschätzte 30 Jahre Popgeschichte und zitiert in seinen Songs massenhaft große Namen (Beatles, Queen, Bee Gees, Prince, Elton John, Michael Jackson, etc.) und gibt der Popmusik damit ihre ureigenste Bestimmung zurück: Menschen unterhalten und gute Laune verbreiten. Kein Wunder, dass „Life In Cartoon Motion“ ein Feuerwerk aus Klamauk und großer Kunst ist, das die Hörer in zwei Lager spalten wird. Da wird es diejenigen geben, die Mika für eine schlechte Parodie halten und seine überdrehte Fröhlichkeit abgrundtief hassen werden; und auf der anderen Seite ist das Lager, das Mikas sympathisches Äußeres und seine quietschbunten Lieder vergöttern wird.

Begründet wird das Ganze relativ einleuchtend vom Mika selbst, anhand eines Beispiels: „Den Song `Love today´ habe ich geschrieben, als ich so richtig glücklich war. Und ich meine richtig glücklich! Dieses Gefühl, das man hat, wenn’s einem rundum gut geht, wenn alles wie am Schnürchen läuft, und man sich einbildet, dass alle Menschen um einen herum auch dieses Gefühl haben. Eigentlich habe ich dieses Gefühl ziemlich oft. Und darum habe ich auch einen Song darüber gemacht.“ Und nicht nur einen! Mit seiner ersten Single „Grace Kelly“ stürmte Mika nur aufgrund von Internet-Downloads auf den ersten Platz der UK-Charts und pflanzte den Briten einen unvergleichlichen, an Queen gemahnenden Ohrwurm ins Langzeitgedächtnis. „Lollipop“ macht an selber Stelle weiter. Eingängige Rhythmen und ein Text wie ein kindlicher Abzählreim sorgen dafür, dass der Song so klingt wie er heißt: Einfach süß.

Ein stückweit ernster, aber nicht minder eingängig, ist das leicht rockige, bei Robbie Williams abgeschaute „My interpretation“, während sich „Any other world“ und „Happy ending“ als großartige Balladen entpuppen, die kein Auge trocken lassen. Doch schon in „Big girl (you are beautiful)“ hat Mika wieder der Schalk gepackt. Denn in dem pumpenden Dance-Track drückt der 23-Jährige seine Bewunderung für vollschlanke Mädchen aus. Dass das Ganze nicht plump, sondern herrlich augenzwinkernd rüberkommt, spricht für Mika als Sänger und Texter.

Nachdem Robbie Williams mit dem Versuch, tanzbaren Elektro-Pop zu machen fürchterlich badengegangen ist, macht uns Mika vor, wie intelligente Popmusik klingen muss, zu der man lachen, weinen und tanzen kann. Deshalb ist „Life In Cartoon Motion“ ein Pflichtkauf für alle, die sich vorstellen können, eine kompromisslose Mischung aus Robbie Williams, Queen, den Bee Gees und den Scissor Sisters gut zu finden. Tipp: Einfach mal ausprobieren!

Anspieltipps:

  • Big girl
  • Lollipop
  • Grace Kelly
  • Happy ending
  • Any other world
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