Scorpions - Humanity Hour I - Cover
Große Ansicht

Scorpions Humanity Hour I


  • Label: Ariola/SonyBMG
  • Laufzeit: 49 Minuten
Artikel teilen:
7.5/10 Unsere Wertung Legende
6.2/10 Leserwertung Stimme ab!

„Humanity – Hour I“ ist eine faustdicke Überraschung, die den Hannoveranern von vielen Rockfans nicht mehr zugetraut wurde.

Eigentlich war die Veröffentlichung von „Humanity – Hour I“, dem 21. Studioalbum der Scorpions, bereits für Ende 2006 geplant. Doch die Hannoveraner ließen sich von dem vermeintlichen Termindruck nicht aus der Ruhe bringen und arbeiteten unbeirrt vier Monate lang in verschiedenen Studios in Los Angeles zusammen mit dem Produzenten-Duo Desmond Child und James Michael, sowie diversen Songschreibern, am neuen Sound der Scorpions. Eine goldrichtige Entscheidung, wie sich schon nach den ersten Höreindrücken herausstellt.

Vor allem die Verpflichtung des Hit-Komponisten und Produzenten Sir Desmond Child (bürgerlich John Charles Barrett) stellt einen genialen Schachzug dar, der die Band mit Sicherheit aus dem verweichlichten „Wind of change“-Strudel herausholen wird. Schließlich besaßen Desmond-Child-Produktionen in den Achtzigern stets ein Gütesiegel für hochwertigen Melodic-Hardrock, mit dem Acts wie Kiss, Bon Jovi, Aerosmith und Alice Cooper schwer abräumen konnten. Doch damit „Humanity – Hour I“ nicht zu einer reinen Retro-Kiste wurde, haben die Herren Schenker, Meine, Jabs, Kottak und Maciwoda mit Marti Frederiksen (Def Leppard, Aerosmith, Brother Caine), Eric Bazilian (Meat Loaf, Jon Bon Jovi, Amanda Marshall) und Andreas Carlsson (Britney Spears, Def Leppard, Bon Jovi) noch ein paar zusätzliche Ideengeber ins Studio geholt, die für eine ausgewogene Mischung aus den bewährten Scorpions-Trademarks und modernen Einflüssen sorgten. Als Gäste sind außerdem Billy Corgan (The Smashing Pumpkins), der zu „The cross” Background Vocals beisteuerte, und John 5 (Marilyn Manson), der auf „Hour I“ Gitarre spielt, vertreten.

Das Konzept aus Sound und Text („Humanity – Hour I“ basiert auf einer Vorlage des Autoren Liam Carl, der den Untergang der Welt durch einen Krieg zwischen Mensch und Maschine heraufbeschwört) ist absolut stimmig. Deshalb dürfen in Anbetracht des düsteren Weltuntergangsszenarios die Gitarren etwas tiefer klingen und Sänger Klaus Meine muss nicht mehr in jedem Lied die Tonleiter hinaufklettern, was nach 35 Jahren Rock’n’Roll auch nicht mehr ganz so einfach ist. Zudem hat sich das Quintett getraut, die weltberühmten Powerballaden hinten an zustellen und schlicht mehr Gas zu geben. Damit legen die Scorpions nicht nur ihr härtestes Album seit wer weiß wann vor – nein, sie machen auch verlorenen Boden bei alten Fans gut, die experimentelle Ausritte á la „Eye II Eye“ (1999) und unnötige „Rock goes Klassik“-Anbiederungen wie „Acoustica“ (2001) nicht mehr mitgetragen haben.

Die alten Herren des Hardrock lassen die Gitarren mächtig braten („Hour I“), zaubern dabei grandiose 80er-Jahre-Refrains hervor, die natürlich ein bisschen an den eigenen Backkatalog gemahnen (einfach mal beim starken „The game of life“ genau hinhören!) und machen sofort wieder Druck, sobald der kleinste Balladenverdacht aufkommt („We were born to fly“). Okay, ganz ohne Schmacht- und Powerballaden können die Jungs mit dem gefährlichen Stachel auch auf „Humanity – Hour I“ nicht auskommen. Es gibt ja nicht ohne Grund ein Album namens, hüstel, „Gold Ballads“ von den Scorpions. Trotzdem: Sanftere Stücke wie „The future never dies“ und „Love will keep us alive“ sind bei weitem nicht so seicht und klebrig wie z.B. „Send me an angel“. Sie passen perfekt in das Verhältnis aus Härte, Eingängigkeit (exemplarisch: „321“) und gemäßigteren Songs, die „Humanity – Hour I“ zu einer faustdicken Überraschung machen, die den Hannoveranern von vielen Rockfans nicht mehr zugetraut wurde.

Anspieltipps:

  • 321
  • Humanity
  • The cross
  • The game of life
  • The future never dies
Neue Kritiken im Genre „Hardrock“
Diskutiere über „Scorpions“
comments powered by Disqus