Murder By Death - In Bocca Al Lupo - Cover
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Murder By Death In Bocca Al Lupo


  • Label: Cooking Vinyl/INDIGO
  • Laufzeit: 44 Minuten
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8.5/10 Unsere Wertung Legende
5.3/10 Leserwertung Stimme ab!

Es scheint als fühlten sich Murder By Death nur in wenig hoffnungsvoll anmutenden Orten erst so richtig wohl. Spielte die Band letztes Jahr noch in einer vom Teufel belagerten Kleinstadt im Westen, um danach zu fragen „Who Will Survive, And What Will Left Of Them“, so finden wir uns jetzt „In Bocca Al Lupo“ wieder. Im Maul des Wolfes. Eine nicht weniger besorgniserregende Situation als die des Vorgängeralbums möchte man meinen. Aber keine Angst. Es besteht zu keiner Zeit die Gefahr vom bösen Wolf zerfleischt zu werden.

In Wahrheit haben Leadsänger Adam Turla, Cellistin Sarah Balliet, Drummer Alex Schrodt und Bassist Matt Armstrong gerade mit ihrem Boot angedockt, und sind mit zwölf tollen Songs im Seemannsgepäck, in die Spelunke des kleinen Fischerdorfs eingekehrt. „In Bocca Al Lupo“ ist ihre bereits dritte Veröffentlichung und vereint grandiose Melodien, experimentelle Rhythmen und kontrastreichen Sound mit einer beachtlich eindrucksvollen Gelassenheit. Die Texte ihrer Lieder handeln von Sünde, Umkehr, Strafe und Vergebung. Von Tod und Leben, sowie Trauer und Hoffnung.

Gleich nachdem sie die Kneipe betreten haben, beginnen sie damit die kleine morsche Bühne mit zahlreichen Instrumenten zu dekorieren. Nach wenigen Minuten ist alles aufgebaut und ohne Umschweife musizieren sie los. Mit „Boy Decide“ und „One More Notch“ ziehen sie die sich an Ihren Maßkrügen festklammernden, schrägen Gestalten sofort auf ihre Seite. Obwohl die Nacht noch jung ist, hört man bereits jetzt die ersten Holzbeine im Takt mitstampfen. „Dead Men and Sinners“ animiert zum Mitgrölen. Allen Anwesenden ist dieses Gefühl nur allzu vertraut. Allein auf hoher See. Weit weg von der Familie und nur der Rum, der einen das alles noch erträglich erscheinen lässt. Das danach folgende ruhige und traurig vorgetragene „Dynamite Mine“ hätte zweifellos auch auf Nick Caves „Murder Ballads“ einen guten Eindruck gemacht. Währenddessen hat der Barkeeper denen sich in der Kneipe eingefundenen „Two Gallants“ und „Decemberists“ die Gläser randvoll mit Whiskey gefüllt. Auch Sie fühlen sich hier sehr wohl, der Musik von „Murder By Death“ lauschend.

Für einen Moment scheint es, als wäre Johnny Cash eben mal kurz heruntergekommen, um mit einer klar erklingenden Westerngitarre, das eindrucksvolle „Shiola“ zu zelebrieren. Gespannt folgt das Publikum den vorgetragenen Geschichten, die durch ihre musikalische Untermalung eine vertraute Atmosphäre erzeugen. Manchmal minimalistisch inszeniert wie in „Raw Deal“ oder in dem an Tom Waits erinnernden „The Big Sleep“. Und an anderer Stelle wieder wütend, rau und unbeherrscht. Wie auf dem von Orgeln begleiteten „Sometimes The Line Walks You“.

The Arcade Fire und And You Will Know Us By The Trail Of Dead haben sich jetzt noch unters Publikum gemischt und schunkeln gemeinsam zum letzten Song des heutigen Abends. „There’s Still Time To Start Again“ heißt es bei „The Devil Drives“. Wie recht sie doch haben. Melancholie vermischt sich mit einer angespannten Freude auf das was der nächste Tag wohl bringen mag. Auf das in See stechen, auf neue Abenteuer und denen zu trotzenden Gefahren. Und jeder hofft, dass Murder By Death mit an Bord sein werden.

Anspieltipps:

  • Boy Decide
  • Brother
  • Raw Deal
  • Shiola
  • The Devil Drives
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