Patti Smith - Twelve - Cover
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Patti Smith Twelve


  • Label: Columbia/SonyBMG
  • Laufzeit: 57 Minuten
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7/10 Unsere Wertung Legende
5.2/10 Leserwertung Stimme ab!

Am Anfang von Patti Smiths Karriere waren Coverversionen ein wichtiger Bestandteil ihrer Platten und Live-Shows. Unvergessen sind z.B. ihre Versionen von Van Morrisons „Gloria“ oder des The-Who-Klassikers „My generation“. Auf dem neuen Album der amerikanischen Singer/Songwritern gibt es nun zum ersten Mal ausschließlich Coverversionen zu hören. „Twelve“ heißt es, aber nicht weil es das 12. Album seit ihrem Debüt „Horses“ aus dem Jahr 1975 ist, sondern weil es 12. Coversongs enthält.

Damit schließt sich nicht unbedingt ein Kreis, denn Pattis Karriere ist ja noch nicht beendet, aber es dürfte durchaus interessant sein, was das (nun ja) frischgebackene „Rock’n’Roll Hall Of Fame“-Mitglied mit Liedern u.a. von Nirvana, The Doors, Stevie Wonder, Neil Young, The Rolling Stones, Jimi Hendrix und den Beatles angestellt hat – selbst wenn es für Nörgler eher langweilig sein könnte, wenn das Hauptaugenmerk auf Songs aus den 60er und 70er Jahren liegt. Vermutlich sind nur „The boy in the bubble“ (Paul Simon, 1986), „Everybody wants to rule the world“ (Tears For Fears, 1985) und „Smells like teen spirit” (Nirvana, 1991) auch jüngeren Hörern ein Begriff, die sich evtl. mehr darüber gefreut hätten, wenn auch ein paar Songs aus den letzten zehn Jahren zu neuen Ehren gekommen wären.

Die 61-Jährige Sängerin und ihre Stammband, Lenny Kaye (Gitarre), Tony Shanahan (Bass, Keyboards) und Jay Dee Daugherty (Drums), werden auf „Twelve“ von diversen Gastmusikern unterstützt. Darunter sind der Black-Crowes-Gitarrist Rich Robinson, Red-Hot-Chili-Peppers-Bassist Flea und der Television-Gitarrist Tom Verlaine. Aber auch Smiths Kinder Jesse und Jackson steuerten einige Gesangs- und Gitarrenparts bei. Ein richtiges kleines Familienalbum, zu dem prominenter Besuch eingeladen wurde. Wie nett. Entsprechend locker und entspannt – man könnte auch sagen pomadig – geht es los und Tracks wie „Are you experienced?“ (Jimi Hendrix), „Everybody wants to rule the world“ (Tears For Fears) und „Helpless” (Crosby, Stills, Nash & Young) absolut nichts Neues abgewonnen. Okay, das muss ja auch nicht zwingend sein, aber einfach nur nachspielen ist doch irgendwie langweilig, oder?

Deutlich mehr Kraft und richtig viel Wut transportiert die absolut großartige „Gimme shelter“-Version (Rolling Stones), mit der Patti und Band (inkl. Fleas pumpenden Bassläufen und Tom Verlaines heulender Slide-Gitarre) ordentlich auf den Putz hauen. In derselben Besetzung wird auch Jefferson Airplanes „White rabbit“ nah am Original durch den Psychedelica-Hasenstall gejagt, während man zu Bob Dylans „Changing of the guards“ herrlich schunkeln kann und Paul Simons „The boy in the bubble“ – sehr virtuos von Rich Robinson auf der Ukulele (?) vorgetragen – ebenfalls zum gepflegten Kopfnicken einlädt. Spätern unterziehen Patti und Band die „Soul kitchen“ der Doors einer Generalüberholung und wird Nirvans „Smells like teen spirit“ aus dem Grunge-Gewand gerissen und in einen sechseinhalbminütigen Hillbilly-Blues mit Banjo, Fiddle, Upright Bass und Akustikgitarre umgewandelt. Genau so muss das sein. Das lässt uns den verschlafenen Anfang und die eine oder andere mittelprächtige Coverversion auf „Twelve“ locker verschmerzen. Fazit: „Icon play Icons“ – ein Werbespruch, der zur Abwechslung mal stimmt.

Anspieltipps:

  • White rabbit
  • Gimme shelter
  • Midnight rider
  • The boy in the bubble
  • Smells like teen spirit
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