Mucc - Gokusai - Cover
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Mucc Gokusai


  • Label: Gan Shin/UNIVERSAL
  • Laufzeit: 64 Minuten
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8.5/10 Unsere Wertung Legende
6/10 Leserwertung Stimme ab!

Mit MUCC hat es eine weitere Gruppe aus dem Land des ewigen Lächelns geschafft in Europa Fuß zu fassen. Japanische Rock-Acts stehen auch in Deutschland momentan hoch im Kurs, auch MUCC spielen auf ihrer Tour in vollen Häusern, obwohl nur eine Minderheit des Publikums überhaupt ihre Texte verstehen kann. Doch kann die Musik auch überzeugen oder handelt es sich mal wieder um einen substanzlosen Hype? Um es einmal kurz zu machen, die Antwort lautet: Sie kann. Was MUCC mit ihrem neuesten Album „Gokusai“ abliefern hat auf jeden Fall internationale Qualität, ja, überflügelt sogar so manche Konkurrenz.

Nach dem verspielten instrumentalen Intro „Rave Circus“ beginnt der Titeltrack des Albums druckvoll mit einem Gitarreneffekt, der wie ein herannahender Zug klingt. Wie von einem solchen wird der Hörer auch von der Wucht des Songs überrollt. Der knarzige Bass und die polternden Drums bieten ein erdiges Rockfundament auf dem sich Gitarrist Miya mit metallischen Riffs austoben kann. Sänger Tatsuro singt sich der weil die Seele aus dem Leib, melodische Parts wechseln sich mit aggressiven Brüllabschnitten ab. Gegen Ende des Songs überraschen MUCC dann mit einem progressiven, akustische gehaltenem Zwischenspiel.

Der zweite Song „Nageki no kane“ beginnt wie ein astreiner Metalcore-Song von Bands wie Killswitch Engage, wechselt dann aber relativ schnell in eine Reggae-artige Strophe, bevor es in einen sehr rockigen Refrain geht. Das mag jetzt konfus wirken, doch MUCC bringen das Kunststück fertig, das Lied niemals wirr klingen zu lassen. Selbst das Gitarrensolo, das aus einem Tarantino-Soundtrack stammen könnte fällt nicht aus dem Rahmen.

Waren die ersten Songs eher härterer Natur folgt mit „Utagoe“ ein großer Stilbruch, handelt es sich doch hierbei um einen stinknormalen, harmlosen Poprock-Song. Ebenfalls ein wenig unspektakulär aber keineswegs schlecht sind „Gekkou“ und „Panorama“. Richtig begeistern kann dann wieder „Gerbera“, dass wieder eine Mischung aus lauten und ruhigen Passagen bietet. Besonderer Erwähnung wert ist hier ganz sicher das überragende funky Bassspiel von YUKKA und das psychedelische Solo von Gitarrist Miya.

„Risky Drive“ und „D.O.G.“ sind zwei punkige Rockgranaten, die von dem eher getragenen aber nicht minder interessanten „Kinsenka“ voneinander getrennt werden. Und auch weiterhin ist Kontrastprogramm angesagt. Das spacige „Nijuugoji No Yuu-utsu“ scheint mit einer gehörigen Ladung bewusstseinserweiternder Drogen direkt aus den Siebzigern in die Neuzeit katapultiert zu sein, während es sich bei „Horizont“ (tatsächlich in deutscher Schreibweise) um einen radiotauglichen Popsong par excellence.

Das fröhlichste und gleichzeitig auch seltsamste Lied der Platte ist zweifelsohne das „Yasahii uta“. Die Melodie geht verdächtig in Richtung Kinderlied, die Mundharmonika fehlt genauso wenig wie die „Lalalala“-Chöre zum Schluss. So ein Song hat normalerweise nichts auf einem Rockalbum zu suchen, weiß aber aufgrund des ihm eigenen Charmes trotzdem zu gefallen.

Der letzte reguläre Song auf „Gokusai“ ist „Ryuusei“, der auch in eine eher poppige Richtung geht. Die Melodie ist wieder einmal ein absoluter Ohrwurm und auch instrumental wird einiges geboten. Weiterhin sind mit dem in Richtung Death Metal gehenden „G.M.C.“ und der Hawaiigitarren-Version von „Gerbera“ noch zwei Bonustracks auf dem wirklich hervorragenden Album vorhanden.

Anspieltipps:

  • Gokusai
  • Nageki no kane
  • Gerbera
  • Horizont
  • Ryuusei
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