Kelly Clarkson - My December - Cover
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Kelly Clarkson My December


  • Label: RCA/SonyBMG
  • Laufzeit: 52 Minuten
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6.5/10 Unsere Wertung Legende
6.3/10 Leserwertung Stimme ab!

Ein deutlich raueres, mit Ecken und Kanten versehenes Album.

Dass sich US-Casting-Star Kelly Clarkson („American Idol“-Gewinnerin des Jahres 2002“) auf der Suche nach ihrem künstlerischen Ich befindet, ist nicht nur optisch in ihren Videoclips und auf den Covern ihrer Alben zu beobachten. Auch die musikalische Verwandlung von einer Sängerin, die weitgehend vortragen muss, was die Platenfirma ihr vorlegt, hin zu einer Künstlerin, die angebotenes Liedmaterial eigenverantwortlich aussucht und daran mitschreibt, ist nicht zu wiederlegen. Von der skandalfreien Schlager-Pomeranze („Thankful”, 2003), über den fröhlichen Pop-Derwisch mit internationalen Ambitionen („Breakaway”, 2005), bis hin zur mürrisch dreinblickenden Edel-Rockerin, die es sich sogar mit dem Boss ihrer Plattenfirma verscherzt, weil dieser Kellys neuen Stil nicht besonders gut findet („My December“, 2007), war bis jetzt alles drin – und wir waren immer live dabei.

Es scheint, als würde Kelly Clarkson mit der Vergangenheit aufräumen und ihre Karriere ab sofort nach eigenen Vorstellungen angehen. Dazu gehört die Trennung von ihrem bisherigen Management und der Zoff mit RCA-Boss und Produzent der ersten beiden Alben, Clive Davis, der „My December“ auch deshalb keinerlei Hitchancen attestiert, weil Kelly die alleinige Kontrolle über das Album übernommen hat. Ein Stachel, der noch immer sitzt, wie die 25-Jährige zugibt: „Ich habe gelernt, dass wir genau das machen sollten, was uns glücklich macht und unsere Geschichten erzählen, ohne ständig darüber nachzudenken, ob wir nun auf Platz eins sind und Millionen von Platten verkaufen. Ich will nur ich selbst sein, aber das ist nicht so einfach, wenn dir ständig jemand im Nacken sitzt und aus dir jemanden anderen machen will.“

Und tatsächlich hat sich die Texanerin durchgesetzt und ein deutlich raueres, mit Ecken und Kanten versehenes Album eingespielt, für das Kelly sowie Jimmy Messer und Jason Halbert aus ihrer Tourband insgesamt 60 Songs geschrieben haben, von denen am Ende 14 auf dem Album gelandet sind. Produziert wurde „My December“ von David Kahne (The Strokes, Regina Spektor, Sugar Ray, Sublime), der jüngst einem Paul McCartney das Rocken neu beibrachte. Damit sind die Weichen gestellt für einen Restart, der sich mehr traut als erwartet, aber nicht immer voll überzeugen kann.

Schon bei der ersten Singleauskopplung „Never again“ gab es Irritationen wegen der recht harten Gitarrenklänge, in die Kelly ihre typisch-bittere „ich rechne mit meinem Ex-Lover, dem Arschloch!, ab“-Lyrik á la „Since u been gone“ verpackt hat. Sie legt sich mit der vollen Wucht ihrer Vier-Oktaven-Stimme, die stets kurz vor dem Over-Acting-Alarm agiert, in den treibenden Song und verschreckt damit bestimmt den einen oder anderen zartbesaiteten Pophörer. Doch Obacht! Diesem Sound wird der Hörer auf „My December“ noch ein paar Mal begegnen. Nicht ohne Belustigung darf deshalb registriert werden, wenn in Kelly-Clarkson-Foren bei Songs wie „Hole“ und „Haunted“ etwas unbeholfen von Hardrock gesprochen wird. Das ist natürlich Quatsch. Dennoch braten die Gitarren ganz schön und umschiffen mit Wonne die süßlichen Melodien des Vorgängers. Von daher hat sich der leichte Stilwechsel bereits gelohnt. Und damit die alten Fans nicht vollends verschreckt werden, bekommen sie mit „Sober“ (sehr stark), „Maybe“ (gut) und „Be still“ (na ja) Balladen sowie mit „Don’t waste your time“ (schön) und „How I feel“ (okay) Power-Pop at it’s best geboten.

Kelly Clarkson klingt auf „My December“ wesentlich erwachsener („Irvine“) und in der Tat weniger Ferngesteuert als früher. Das geht zwar etwas zulasten der Hitdichte – womit Clive Davis recht hatte – doch das macht sich nicht weiter negativ bemerkbar. Bei nur wenigen echten Ausfällen („Can I have a kiss“) gelingt der 25-Jährigen unterm Strich ein sehr solides Album, mit dem sie sich endgültig vom Casting-Star-Image lösen sollte.

Anspieltipps:

  • Hole
  • Sober
  • How I feel
  • Never again
  • Don’t waste your time
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