Marillion - Somewhere Else - Cover
Große Ansicht

Marillion Somewhere Else


  • Label: Rough Trade
  • Laufzeit: 52 Minuten
Artikel teilen:
7.5/10 Unsere Wertung Legende
5.2/10 Leserwertung Stimme ab!

Marillion festigen ein Niveau, das ihnen in den 90er Jahren zeitweise abhanden gekommen war.

Was war das im Vorfeld für ein Bohai beim letzten Marillion-Studioalbum namens „Marbles” (2004). Die Aufnahme- und Werbekosten wurden durch ca. 13.500 Hardcore-Fans vorfinanziert, die das Album vorbestellten und damit fast 500.000 Euro in die Kasse der Band spülten und anschließend mit einer Danksagung inkl. Namensnennung im XXL-Booklet einer besonders edel aufgemachten Sonderedition mit 100 Minuten Spielzeit verewigt wurden.

Verglichen mit dieser Marketingstrategie, lässt sich das Gebaren um das neue Werk „Somewhere Else“ richtiggehend bieder an. Wer wollte, konnte via Mailorder eine Version, die um eine schnöde DVD ergänzt ist, vorbestellen. Wie langweilig und überflüssig. Es scheint fast so, als sieht die Band ihr aktuelles Album „nur“ als ein Übergangswerk an, denn im „Somewhere Else“-Booklet wird bereits jetzt für den kommenden Longplayer geworben, der im Frühling nächsten Jahres erscheinen soll und als 15. Marillion-Album wieder als Special Edition Verbreitung unter den Fans finden soll. Vorbestellungen bzw. Registrierungen sind ab sofort möglich. Cool!

Mit 52 Minuten Spielzeit ist „Somewhere Else“ überraschend kompakt aufgestellt. Da verlangt der gemeine Progressive-Rocker schon mal erbost einen Preisnachlass an der Kasse seines Record Dealers. Denn alles unter einer Stunde Spielzeit ist Neo-Prog für Weicheier und viel zu schnell durchgehört. Dabei geht es auch anders, wie Marillion auf ihrem 14. Werk beweisen. Zehn Songs, im Schnitt fünf Minuten lang – auch damit lässt sich progressive Musik basteln, die sich nicht Pop oder Rock schimpft und nachhaltig für Spannung und Neugier sorgt, geschaffen durch jedermann zugängliches Musizieren. Das ist kein Sound für Eigenbrödler und eingebildete Minderheiten. Hier gibt es kein nervenstrapazierendes Gefrickel zu bestaunen, keine Höher-Schneller-Weiter-Fantastereien und „ich kann noch schneller spielen als du“-Angebereien zu diskutieren.

„Somewhere Else“ ist ein angenehm erdiger Trip, frei von Bombast-Quark und Electro-Schnickschnack. Kein Dream Theater meets Tangerine Dream, sondern handgemachter Light-Prog mit psychedelischen Ansätzen, aus dem sich die Melodien auch nur langsam herausschälen, aber ohne Langeweile aufzubauen. Wie soll das auch passieren bei knackigen Stücken wie „The wound“, die in sieben Minuten alles sagen, was andere mühsam auf 20 Minuten auswalzen. Auf diese Weise festigen Marillion ein Niveau, das ihnen in den 90er Jahren zeitweise abhanden gekommen war, aber spätestens mit „Anoraknophobia“ (2001) wiederentdeckt wurde.

Anspieltipps:

  • The other half
  • Somewhere else
  • A voice from the past
  • The last century for man
Neue Kritiken im Genre „Prog-Rock“
7/10

Topographic Drama: Live Across America
  • 2017    
8/10

Reap The Storm
  • 2017    
Diskutiere über „Marillion“
comments powered by Disqus