Nervous Cabaret - Nervous Cabaret - Cover
Große Ansicht

Nervous Cabaret Nervous Cabaret


  • Label: Naive/INDIGO
  • Laufzeit: 52 Minuten
Artikel teilen:
7.5/10 Unsere Wertung Legende
5.2/10 Leserwertung Stimme ab!

Alle Versuche, jene verschrobenen Töne, die Nervous Cabaret für ihr Debüt zusammenzimmerten, zu kategorisieren, erwiesen sich als aussichtsloses Unterfangen. Nervous Cabaret lassen sich keinem Grundbegriff zuordnen. Das Line-Up der Jungs aus Brooklyn lässt erahnen, weshalb dies so ist: Zwei Schlagzeuger (einer an der Kesselpauke!), Bass, Gitarre, Kornett, Baritonsaxophon und Gesang. Und gerne auch alles zeitgleich, übereinander doch nur scheinbar ohne Kompromisse an etwaige Harmonien. Wer gerade mal eine Hand frei hat, drückt zusätzlich noch auf irgendwelche Tasten diverser elektronischer Geräte. Doch jeder Ton steht für sich, jedes zusätzliche Geräusch vermittelt den Kompositionen Struktur. Hier sind Musiker am Werk, von denen jeder für sich in der Lage ist, sein Instrument so zu bearbeiten, dass es den jeweiligen Song bereichert statt ihn zu erschlagen. So entstehen vielschichtige Lieder, die von Bitterkeit und Trauer, versagter Liebe und enttäuschter Hoffnung berichten.

Lautstark und dröhnend stets im Vordergrund: Frontmann Elyas Kahn, dessen Gesangsstil mit „Captain Beefheart plus Marc Bolan divided by The Streets“ zutreffend definiert ist. Der gute Mann klingt oftmals getrieben, als sei er während der Aufnahmen auf der Flucht gewesen. Vor was auch immer. Vielleicht vor „Mel Gibson“, dem Namensgeber des Openers, der fröhlich und kraftvoll losrockt und selbst den trägsten Arsch zum Wippen bringen dürfte. Weniger optimistisch und von Verzweiflungsschreien begleitet folgt „Instant Lady“, bevor „Grand Palace Of Love“ das Tempo herausnimmt und kurzzeitig melancholisch in den Walzertakt verfällt. „Alone Together“ überrascht zwischen dem angetrunkenem Blues und kernigem Avantgarderock der weiteren Songs mit zurückhaltender Instrumentierung und unverhohlener Traurigkeit, während „Gravity“ die musikalische Bandbreite noch einmal mit beeindruckender Leichtigkeit um das Genre „Jazz“ erweitert.

Was uns Nervous Cabaret hier 52 Minuten lang servieren, ist sicherlich keine leichte Kost. Zwar wäre weniger manchmal vielleicht tatsächlich mehr gewesen, doch gerade die kompromisslose Intensität, in der die Songs vorgetragen werden, verschafft jedem einzelnen von ihnen ein hohes Maß an Eindringlichkeit. Nervous Cabaret sind alles Mögliche, nur nicht langweilig, und verdienen sich deshalb - neben den Prädikaten Interessant und Außergewöhnlich - vor allem die Aufmerksamkeit derer, die sich an Eintönigkeit und Gleichklang in der Musiklandschaft stoßen!

Anspieltipps:

  • Mel Gibson
  • Alone Together
  • Gravity
  • Passion Plumbers
Neue Kritiken im Genre „Rock“
8/10

Automatic For The People (25th Anniversary Edition)
  • 2017    
Diskutiere über „Nervous Cabaret“
comments powered by Disqus