Dolores O´Riordan - Are You Listening? - Cover
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Dolores O´Riordan Are You Listening?


  • Label: Sanctuary Records
  • Laufzeit: 52 Minuten
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6/10 Unsere Wertung Legende
5.5/10 Leserwertung Stimme ab!

Mit den wuchtigen Arrangements früherer Zeiten hätte es eventuell mehr lichte Momente auf diesem Erstling gegeben.

Nicht halbvoll und nicht halbleer. „Zombie“ war der Song, der die irische Formation The Cranberries in den 90er Jahren von heute auf morgen hatte berühmt werden lassen. Nach insgesamt fünf Alben, die weltweit über 45 Millionen Mal über die Ladentheken wanderten, kam 2003 der überraschende Split der Band. Nun steht uns mit „Are You Listening?“ das Solodebüt der ehemaligen Frontfrau Dolores O’Riordan ins Haus, welches Sie mit Hilfe von Produzent Youth (The Verve, U2) in Kanada und Dublin aufgenommen hat. Ihre kristalline Stimme war das Markenzeichen der Cranberries, und auch auf ihrem Erstlingswerk sticht das markante Organ der zierlichen Sängerin sofort ins Ohr.

Die erste Singleauskoppelung „Ordinary Days“ und das poprockige, von akustischer Gitarre dominierte „When You Were Young“ markieren den leicht und locker vor sich hin schlendernden und hoffnungsfrohen Einstieg in ein Album, das aber in der Folgezeit leider viel zu oft zwischen Licht und Schatten wandelt. Da begegnen uns blasse und uninspiriert wirkende Lückenfüller, wie das esoterisch anmutende „Human Spirit“. Das darauf zelebrierte Panflötengedudel war bereits in den 90er Jahren genauso wenig inspirierend wie heute und man fühlt sich automatisch an Tibetanische Straßenmusiker der Fußgängerzonen dieser Welt erinnert. Bei „Stay With Me“ und „Black Widow“ könnte man meinen, Dolores habe ein Casting als Nachfolgefrontfrau bei Evanescence in der Tasche. Und würde bei „October“ nicht irgendwann die jaulende Stimme von O’Riordan erklingen, könne man meinen, eine alte Scheibe von Linkin Park eingelegt zu haben.

Auch der textliche Anspruch ist oft eher in unteren Qualitätsgebieten anzusiedeln. Verse wie „October, October, the summer is over“, hätte auch meine fünfjährige Nichte wahrscheinlich nicht arg viel anspruchsloser hinbekommen. An vielen Stellen fehlt einfach die zündende Idee. Und das immer wiederkehrende Schema ihrer schwächeren Songs ist schlicht zu langweilig und durchschaubar. Eine Prise Streicher gepaart mit spärlichen und wehmütigen Pianoklängen, plus einem elektronischen Drumkit entsprungen zu scheinendem Beat, den damals die Cranberries wesentlich rockiger und glaubwürdiger zu Stande brachten. Aber wie gesagt. Es gibt Gott sei Dank auch erleuchtende Momente auf dieser Platte.

„Loser“ ist ein rockiger, eingängiger und mit swingender Melodie ausgestatteter Song und bevor das eher unspektakuläre und mit nervenden „Ahh Ahh Ahh“-Chören ausgestatte „Ecstasy“ den Abschluss von Dolores Solodebüt einleitet, beweist sie wozu sie eigentlich in der Lage ist. „Accept Things“ besticht durch frische und wohltuend schöne Melodiebögen. Hier verzichtet sie auch auf ihre teilweise nervigen und teils unangepassten „Schrei-Knödel-Passagen“ und setzt ihre hier angenehm dezent erklingende Stimme auf wunderschöne Art und Weise ein. Auch „Angel Fire“ geht beschwingt ins Ohr und wird von sommerlichem Gitarrengezupfe geleitet. Alleine dieses Lied verstreut deutlich mehr Charme, als all die anderen lauen Kompositionen zusammen.

„Meine Zeit nach den Cranberries war ein klarer Schnitt – kein Druck und keine Verpflichtung“, erinnert sich Dolores. Vielleicht wäre ein wenig Druck ja gar nicht so verkehrt gewesen. Denn mit den wuchtigen Arrangements früherer Zeiten hätte es eventuell noch deutlich mehr lichte Momente auf diesem Erstling gegeben. Den leider viel zu oft mit übersteigerter Theatralik beladenen und zu Aalglatt produzierten Stücken auf der einen Seite, stehen beschwingte und wunderschön eindringliche Popsongs auf der anderen entgegen. Und so lässt sich die Frage „Are You Listening?“ nur mit einem eindeutigen „Jein“ beantworten.

Anspieltipps:

  • When We Were Young
  • Loser
  • Accept Things
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