Die Fantastischen Vier - Fornika - Cover
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Die Fantastischen Vier Fornika


  • Label: Columbia/SonyBMG
  • Laufzeit: 54 Minuten
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7/10 Unsere Wertung Legende
5.5/10 Leserwertung Stimme ab!

Auch wenn auf „Fornika“ vielleicht die eine oder andere durchschlagende Melodie fehlt, ist das Album doch unverkennbarer Fanta-4-Style.

Ist das letzte Studioalbum der Fantastischen Vier schon oder erst drei Jahre her? Eine Frage, die wohl jeder anders beantworten wird. Fakt ist zumindest, dass zwischen „Lauschgift“ (1995), „4:99“ (1999), „Viel“ (2004) und jetzt „Fornika“ locker zwölf Jahre liegen. Eine unglaublich lange Zeit, die sich auch dadurch nicht kaschieren lässt, indem man diverse Live-CDs und das 2005er „Best Of“-Album in die Rechnung mit einbezieht. Schnelle Arbeiter waren die „Fantas“ aus Stuttgart (obwohl nur noch Andreas „And.Ypsilon“ Rieke in der Schwabenmetropole lebt) eben noch nie. Ihr unaufhörlicher Erfolg, mit allem was dazu gehört, ist schuld daran.

In Anbetracht dieser Situation erscheint einem die Spanne zwischen „Viel“ und „Fornika“ in der Tat als rekordverdächtig kurz, zumal das Schaffen von Michi Beck, Smudo, Thomas D. und Andy schon immer im Zeichen von Weiterentwicklung und der Angst vor künstlerischem Rückschritt stand. Dazu braucht es eben viel Zeit und ein geschultes Ohr an selbiger. Nur so konnten die Vier in 18 Jahren einen eigenen Stil entwickeln, der immer auf der Höhe Zeit war, ohne temporäre Modeerscheinungen zu kopieren. Wobei es durchaus interessant sein dürfte, wenn vermeintlich moderner deutscher Gangsta-Rap ein Upgrade in Form des legendären Fanta-4-Wortwitzes erhielte.

Bei den Fantas verläuft die Entwicklung von anfänglichen Kinderzimmerproduktionen, die selbst noch „Die vierte Dimension“ (1993), ihr erste ernstzunehmende Platte, prägten, über erwachsene Alben wie „Lauschgift“ und Spätwerke wie „4:99“ und „Viel“, die belegen, dass die Fantas keineswegs im HipHop und Rap gefangen sind. Trotzdem ist die erste „Fornika“-Auskopplung, „Ernten was wir säen“, eine faustdicke Überraschung in Form eines treibenden Popsongs mit Gitarre/Bass/Schlagzeug-Befeuerung, Sprechgesang anstelle von richtigen Raps und der Münchner Freiheit (!) im Background. Damit begrüßen wir die 80er Jahre, die sich inhaltlich und stilistisch wie ein roter Faden durch „Fornika“ ziehen.

Denn weil es so schön ist, wird auch „Einfach sein“ durch kollegiale Hilfe aufgepeppt. Hier steuert Herbert Grönemeyer ein paar Strophen zum Refrain bei. „Nikki war nie weg“ zitiert Falcos „Amadeus“ und „Markus’ „Ich will Spaß“, während in „Yeah yeah yeah“ (erinnert an „M.f.G.“) sowie „Mission Ypsilon“ (ein atmosphärisches Instrumental) klassische Fanta-4-Ryhthmen mit der dreifachen Gitarrenpower von Alex Scholpp (Dacia And The WMD), Thorsten Wingenfelder (Fury In The Slaughterhouse) sowie Live- und Studiomusiker Patrick Wieland gekoppelt werden. Das wütende „Du mich auch“ kommt als simpler, aber effektiv pumpender Old-School-Track daher, „Einsam und zurückgezogen“ erfüllt den Zweck eines sphärischen Klangcollagenintros mit düsteren Sprachsamples, das direkt in „Flüchtig“ mündet – einem der Höhepunkte auf „Fornika“ – gesungen, oder besser gesagt gesprochen von Thomas D, ehe mit dem melancholischen Schlusstrack „Was bleibt“ nochmals die Balladenfraktion bedient wird.

Auch wenn auf „Fornika“ vielleicht die eine oder andere durchschlagende Melodie fehlt, ist das Album doch unverkennbarer Fanta-4-Style, der sich wie ein Markenartikel von der Masse abhebt. Die Fantas lassen den Hörer an ihrer musikalischen Entwicklung teilhaben, die sie immer mehr in Richtung erwachsener Popmusik führt. Wer bereit ist, dies zu akzeptieren, wird mit dieser Platte schnell seinen Frieden schließen.

Anspieltipps:

  • Flüchtig
  • Du mich auch
  • Mehr nehmen
  • Yeah yeah yeah
  • Ernten was wir säen
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