Timbaland - Presents Shock Value - Cover
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Timbaland Presents Shock Value


  • Label: Geffen/UNIVERSAL
  • Laufzeit: 67 Minuten
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7/10 Unsere Wertung Legende
4.8/10 Leserwertung Stimme ab!

Timothy Z. Mosley alias Timbaland gehört zu den wenigen Super-Produzenten, die eine unverkennbare Handschrift besitzen, mit der sie Songs sofort und eindeutig als ihre Arbeit identifizierbar machen. Ähnlich wie Pharrell Williams bzw. The Neptunes prägte Timbaland mit seinem Sound ab Mitte der Neunziger eine ganze Pop-, R&B- und HipHop-Generation. Zu seinen Auftraggeben, die sich wie das „Who is Who“ (nicht nur) der aktuellen Musikszene lesen, zählen u.a. Jay-Z, Janet Jackson, Missy Elliott, Nelly Furtado, Justin Timberlake, Britney Spears, Ginuwine, Jennifer Lopez, Destiny’s Child, The Pussycat Dolls, Snoop Dogg, TLC und Alicia Keys. Alle baten den 34-Jährigen um einen Feinschliff in Form eines Remix oder gleich um die ganze Produktion von Songs bzw. Alben.

Wenn ein gefragter Mann wie Timbaland sich dazu entschließt, nach langer Zeit mal wieder ein eigenes Album zu machen, muss er nicht lange darum bitten, ob einer seiner Musikerkollegen auf eine Kollaboration vorbeischaut. Wenn Timbaland ruft, rennen ihm seine ursprünglichen Auftraggeber die Türe ein. Und so sieht die Feature-Liste auf „Timbland Presents: Shock Value“ fast schon grotesk aus. Selbst wenn man sich nur auf eine kleine Auswahl der beteiligten Künstler beschränkt, liest sich das Booklet immer noch wie ein Greatest-Hits-Album aus Rock, Pop und R&B. Man lese und staune: Justin Timberlake, Nelly Furtado, Dr. Dre, Missy Elliott, 50 Cent, Amar, Fall Out Boy, The Hives, She Wants Revenge, Elton John, Timbalands ehemals „bessere Hälfte“ Magoo, Money und Nicole Scherzinger von den Pussycat Dolls tauchen auf den 18 Tracks des Longplayers auf. Hallelujah, da legt’s euch nieder!

Nach kurzem Auftaktgeplänkel („Oh Timbaland“ ist ein auf 3½ Minuten aufgeblasenes Intro ohne Hookline), geht es mit „Give it to me“ in Richtung Hitspur. Die prägnanten Vocals von Nelly Furtado leiten einen Song ein, der stilistisch prächtig auf Nellys noch immer aktuelle CD „Loose“ (2006) passen würde. Dazu gesellt sich als Duettpartner Gesangskollege Justin Timberlake, der später noch zweimal auftauchen wird. Zum Beispiel in „Release“, einem Track, der hervorragend auf Timberlakes zweites Soloalbum „Futuresex/Lovesounds“(2006) gepasst hätte. So ist das nun mal bei einem hyperaktiven Musiker wie Timbaland. Seine Sounds haben sich dermaßen ins Gehör eingebrannt, dass bei fast allen Tunes Parallelen zu anderen Produktionen auftauchen.

In „Bounce“ rutschen nicht nur die Lyrics unter die Gürtellinie. Auch die Beats fahren ganz tief in den Keller. Kein Wunder, wenn ein gewisser Dr. Dre beteiligt ist. Und wo wir gerade ganz unten im Beat-Basement angekommen sind, taucht auch schon der alte Schwerenöter 50 Cent auf, um seinen Gangsta-Senf dazuzugeben („Come and get me“). Zusammen mit Sebastian und Attitude wird dann eines der atmosphärischsten Stücke auf „Shock Value“ aufgefahren. „Kill yourself“ kombiniert einen satten Grundbeat mit Pianoklängen, coolen Raps und Synthiechören. Schaurig schön. Ein richtig erotischer Song mit Issac-Hayes-artigen Vocals ist dagegen „Scream“, mit Nicole Scherzinger als Gesangspartnerin. Interessanter könnte nur noch ein Videoclip dazu sein…

Damit verlassen wir einstweilen den HipHop und R&B und wenden uns den Timbaland-Kollaborationen mit rockigen Zeitgenossen wir The Hives („Throw it on me“ = skandinavische Rockgitarre trifft nervösen Rapper), She Wants Revenge („Time“ = zappelige Beats prallen auf coole Indie-Dance-Gitarren) und Fall Out Boy („One and only“ = knalliger Pop-Punk, der selbst Timbas fette HipHop-Beats mit belanglosen Riffs niederknüppelt) zu. Ein stilistischer Ausflug, der maximal als „ganz nett“ bewertet werden kann. Doch mit „Apologize feat. One Republic“ folgt kurz vor Schluss noch ein echter Hitanwärter, der „Shock Value“ zurück auf die Spur bringt. Und wenn Mr. Mosley den scheinbar übermotivierten Pianospieler Elton John in „2 man show“ zügeln und anweisen muss („Hold on, Elton, hold on“ und später „Come on Elton, break it down“), ringt er seinen Hören sogar ein Schmunzeln ab. Man stelle sich das Szenario bildlich vor: Der junge Hit-Produzent jongliert mit den Beats und der stolze Altmeister spielt sich ganz aufgeregt am Piano einen Wolf. Herrlich!

Timbaland gelingt ein abwechslungsreiches Album, das neben zwei, drei Langweilern und ein bis zwei schwächeren Stücken jede Menge Hitmaterial enthält und damit um drei Klassen besser ist, als der erste Soloversuch von Pharrell Williams, der kommerziell komplett in die Hose ging und auch künstlerisch nicht dem gewohnten Niveau des ansonsten genialen Sound-Tüftlers entsprach.

Anspieltipps:

  • Scream
  • Bounce
  • Release
  • Apologize
  • Kill yourself
  • Give it to me
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