Björk - Volta - Cover
Große Ansicht

Björk Volta


  • Label: Polydor/UNIVERSAL
  • Laufzeit: 51 Minuten
Artikel teilen:
8/10 Unsere Wertung Legende
5.8/10 Leserwertung Stimme ab!

Nach den arg avantgardistisch ausgefallenen Björk-Alben „Medúlla“ (08/2004) und „(Music From) Drawing Restraint 9“(07/2005) dürften viele gewillte, aber mittlerweile auch leicht abgeschreckte Hörer richtiggehend Angst haben vor „Volta”, dem neuen Werk der gebürtigen Isländerin. Die bange Frage lautet: Aus welchen abgefahrenen Klapper-, Klingel-, Frickel- und Jodelgeräuschen wird die 41jährige Songschreiberin nun ein weiteres Bündel neuer Songs schnüren? In diesem Sinne: Willkommen in Björks isländischem Experimentalklanglabor, Außenstelle London.

Ganz verschwunden sind die merkwürdig surrealen, asiatischen Klänge, gemischt mit den tutenden Nebelhörnern des „Drawing Restraint 9“-Soundtracks auch auf „Volta“ nicht. Doch um den Liebhabern wesentlich zugänglicherer Björk-Alben wie „Debut“ (1993) und „Post“ (1995) gleich am Anfang eine Freude zu machen: Mit der Hilfe von Beat-Meister und HipHop-Superproduzent Timbaland (Snoop Dogg, Gwen Stefani, Nelly Furtado, Justin Timberlake) sowie Langzeitkollaborateur Mark Bell (Depeche Mode, DJ Sloop, Gus Gus, Bell Biv DeVoe) findet Frau Guðmundsdóttir ansatzweise zurück in mehr oder weniger begreifbare Sphären aus Electronica, Avantgarde und, nun ja, Popmusik und gestaltetet das Verhältnis zwischen zugänglich und verschroben annähernd ausgeglichen.

Ganz klar: Ab jetzt darf sich der Hörer zu Tracks wie „Hope“ und „Wanderlust“ (nach ausgiebigem Nebelhorn-Intro, versteht sich) wieder bewegen (tanzen wäre übertrieben), anstatt den Fischen eine Stunde lang beim atmen zuzuhören. Als normal ist aber auch ein Werk wie „Volta“ nicht zu bezeichnen. Dazu ist die Mischung aus Esoterik-Klingklang („My juvenile“), jazzigem Trance-Geplucker („I see who you are“), sanften Balladen im Duett mit Antony von der Gruppe Antony & The Johnsons („The dull flame of desire“) sowie derben Breakbeat-Stompern („Innocence“) – im übrigen alles positiv gemeint, werte Gemeinde – viel zu gewöhnungsbedürftig.

Dennoch: zornige Beatmonster wie „Declare independence“ (Björk goes Nine Inch Nails – genial!) und geheimnisvolle, von Bläsern getragene Stücke wie „Pneumonia“ sind wieder Björk at her best. Es ist und bleibt eben total faszinierend, was die gute Dame auf ihren Platten treibt. Auch wenn man es nicht immer ganz versteht.

Anspieltipps:

  • Hope
  • Pneumonia
  • Earth intruders
  • I see who you are
  • Declare independence
Neue Kritiken im Genre „Art-Pop“
Diskutiere über „Björk“
comments powered by Disqus