Deftones - Adrenaline - Cover
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Deftones Adrenaline


  • Label: Maverick/WEA
  • Laufzeit: 48 Minuten
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8.5/10 Unsere Wertung Legende
5.5/10 Leserwertung Stimme ab!

Adrenalin, auch Epinephrin genannt, ist ein Hormon, welches in Stresssituationen ins Blut ausgeschüttet wird. Es verursacht eine Steigerung der Herzfrequenz und ermöglicht somit einen schnelleren Zugriff auf Kraftreserven und reguliert die Durchblutung. Hört sich alles gar nicht so schlecht an, aber zu viel des Guten laugt den Körper auf Dauer aus und macht ihn kaputt. Dass so mancher trotzdem immer mal wieder einen Adrenalinkick braucht ist letztendlich (wenn man selbst einmal einen erlebt hat) verständlich. Aber was hat das bitte alles mit einer jungen band aus Sacramento, USA zu tun, deren Erstling nun mal eben diesen Namen „Adrenaline“ trägt? Schwer vorstellbar, dass Chino Moreno (Gesang), Stef Carpenter (Gitarre), Chi Ling Dai Cheng (Bass), Abe Cunningham (Drums) und Frank Delgado (Plattendreher) dem Hörer bleibende Schäden zufügen wollen, oder etwa doch?

Die offizielle Bandgründung war im Jahre 1988, als die fünf Freunde noch gemeinsam in der Skaterszene abhingen. Die Musik war allen Bandmitgliedern sehr wichtig und somit kam es zu ziemlich vielen Gastauftritten. Eines Tages wurden sie doch tatsächlich auch von niemand Anderem als Madonna entdeckt, welche überraschenderweise auch noch den Zuschlag an die Band bekam. Mehr als nur motiviert gingen die US-Amerikaner ins Studio um ihren ganz eigenen Rock, irgendwo zwischen Prog und Metal, aber immer mit einer Portion Melodie, auf einem Silberling zu verewigen und für die Öffentlichkeit zugänglich zu machen. Die Deftones ließen sich keine Grenzen aufzeigen und machten ihr eigenes Ding.

Spätestens nach der grandiosen Eröffnung durch „Bored“ merkt man, dass die Jungs schon seit einiger Zeit machen. Die Spannungskurve wird durch das stakkatoähnliche Gitarrenspiel sehr solide getragen um gegen Ende das Adrenalin nach oben schießen zu lassen, nachdem sich der Hörer schon in Sicherheit gewogen hat. „Minus Blindfold“ hätte man ohne Probleme Bored Part 2 nennen können. Nicht nur, dass das Wort sich im Verlauf des Liedes wieder findet, sondern die Spannungskurve ähnelt der des Openers doch sehr. Hier zeigt Moreno aber in den härteren Parts aber auch gleich, was seine Stimme noch so alles kann. Der psychedelische Beigeschmack geht nie verloren.

Die Deftones zeigen bei so ziemlich jedem Song auf der Platte, dass es ihre Stärke ist, ruhigere Parts mit deftigen Gitarrenwänden abzurunden und immer wieder neue Eindrücke durch die Gehörgänge zu jagen. Für manch einen werden sich die Songs irgendwie gleich anhören, aber wer genau hinhört entdeckt doch immer wieder neue Facetten in den einzelnen Liedern. Das nun bekannte Schema „rauf-runter-rauf-runter“ wirdzum Beispiel gerade in „Nosebleed“ unnachahmlich hergestellt. Unter all diese musikalischen Hormonausschüttungen schummeln sich dann Songs, die beinahe mainstreamtauglich sind, wie z.B. „Root“ oder „First“. Erschreckend ist, dass diese Songs den restlichen Stücken des Albums in Nichts nachstehen.

Ohne Zweifel ist den Deftones ein mehr als gelungenes Debüt gelungen. Dem ein oder anderen scheint es etwas Merkwürdig vorzukommen, dass man mit ein und demselben Schema ein ganzes Album auffüllen kann, aber das tut der Sache keinen Abbruch. Solange der Adrenalineffekt erhalten bleibt ist alles wunderbar. Diese Musik ist anders als die der meisten Rockbands. Sie ist psychedelisch, ruhig und aggressiv zugleich und ganz bestimmt sehr markant. Meine Damen und Herren. Ich heiße sie in der Achterbahn namens Deftones willkommen. Schauen sie doch immer mal wieder rein.

Anspieltipps:

  • Bored
  • 7 Words
  • Birthmark
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