Joja Wendt - Mit 88 Tasten Um Die Welt - Cover
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Joja Wendt Mit 88 Tasten Um Die Welt


  • Label: Edel Records
  • Laufzeit: 43 Minuten
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4.5/10 Unsere Wertung Legende
5/10 Leserwertung Stimme ab!

„Wer Klavier spielt, hat Glück bei den Frauen“.

Wer den „Hummelflug“ von Rimski-Korsakow dermaßen virtuos und mit einer Leichtigkeit herunterspielt wie Joja Wendt (nachzuhören auf der 1998 erschienenen Platte „hummelflug.de“), der ist zweifelsohne ein begnadeter Pianist. Daher wundert es nicht, dass der 42jährige als Steinway-Artist ausgezeichnet wurde und sich sowohl in der U- als auch in der E-Musik zuhause fühlt, wobei letztere ihm eigentlich zu seinem Erfolg verholfen hat, war es schließlich Joe Cocker, der ihn im Sperl in Hamburg spielen sah und begeistert in sein Vorprogramm seiner Tour aufnahm. Danach ging es Schlag auf Schlag. Wendt steht auf der Bühne mit Fats Domino, Chuck Berry, Jerry Lee Lewis, Lou Rawls oder Monty Alexander und präsentiert seine Künste als Einstimmung für die deutsche Pop-Band Pur.

Doch so gewandt und flink der Mann auch mit seinem Instrument umgehen kann, sein neuestes Werk „Mit 88 Tasten um die Welt“ verschleiert sein wahres Können galant und lasst es nur ein seltenen Momenten aufblitzen wie z.B. im famosen, wenn auch bescheuerten Titel „Die Wanzenjagd“, der an den „Hummelflug“ Rimski-Korsakwos angelehnt ist. Anders als in den anderen Stücken darf Wendt hier nämlich auf sich allein gestellt zeigen, was er drauf hat und wird nicht mit bombastischem Gedöns oder nervigem Beiwerk zugekleistert. Dabei war die Intention hinter der Platte gar nicht einmal so schlecht. Ein „Dokument“ der vielen Reisen, auf denen sich der Pianist bis dato befunden hat, sollte der Silberling darstellen, was noch recht zurückhaltend mit „Von fremden Menschen und Ländern“ (aus Robert Schumanns „Kinderszenen) bebildert wird, wodurch das Stück „die programmatische Klammer“ für den Trip beginnend in Europa über den vorderen Orient nach Fernost und vom Süden Amerikas wieder zurück in die Heimat wird.

So geht es ein wenig kitschig mit im Hintergrund versteckten Steeldrums los, die durch ihre latente Präsenz allerdings gleich weggelassen hätten werden können („Fulaga“). In „Celtic cry“ unterliegt das Klavier der ausschweifenden Geselligkeit der irischen Fidel und der Tin Whistle, bevor es im „Palast des Zaren“ schwermütiger und tragender ans Werk geht, „Der Tanz der Zuckerfee“ im Vergleich zum Original viel von seiner Faszination einbüßen muss, da die hier dargebrachte, aufgepeppte Variante jegliche Tagträumerei im Keim erstickt, bis man lauschen darf wie sich Wendt ein spieltechnisch brillantes Duell mit der chinesischen Erhu (ein Streichinstrument ohne Bünde und Griffbrett) liefert („Siama“). Danach folgt „Asturias“, das im Takt eines Bolero südamerikanisches Feuer auf kleiner Flamme köcheln lässt und dennoch keine musikalischen Einzigartigkeiten aufzuweisen hat, da es überproportionierte Stücke in dieser Form wie Sand am Meer gibt.

Das gut gelaunte „Typewriter“ ist eine Stakkato-Ode an das Aussterben der Schreibmaschinen in der heutigen Zeit der E-Mails und PC´s (seine Tochter bedient hier die Glocke), „La vie en rose“ widmet sich der französischen Schwermut, wobei der Einsatz des Bandoneons (eine Art Handzuginstrument) im Gegensatz zum dominanten Organ von Maud Rakotondravohitra leider auf eine kurze Einspielung am Anfang und Ende des Songs definitiv zu kurz geraten ist und wird schlussendlich von seiner Mutter in „O mio babbino caro“ (aus Giacomo Puccinis Oper „Gianni schichi“) mit ihren einwandfreien, opernhaften Gesangsfähigkeiten unterstützt. „Wer Klavier spielt, hat Glück bei den Frauen“ heißt es im Opener „Man müsste Klavier spielen können“, das gemeinsam mit Stefan Gwildis, Roger Cicero (vertritt Deustchland übrigens beim Eurovision Song Contest), Marc Marshall und Jay Alexander eingespielt wurde. Schade, dass davon auf „Mit 88 Tasten um die Welt“ nicht viel durchscheint.

Anspieltipps:

  • Siama
  • Asturias
  • Die Wanzenjagd
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